Zwei Systeme, eine Maschine

Doppelschlag zweier Philosophien

Wer bislang vor der Aufgabe stand, eine Blechentgratungsmaschine zu kaufen, hatte die Wahl zwischen zwei Systemen. Das eine System arbeitet mit einer Schleifwalze, das andere mit einer Breitbandeinheit. Die Schleifwalze sowie die Breitbandeinheit haben ihre spezifischen Vorteile in Abhängigkeit der Aufgabe die sie zu erfüllen haben. Doch warum nicht die Vorteile beider Systeme in einer Maschine bündeln?

12. April 2002

Das erste System: die Schleifwalze Die Schleifwalze hat die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 420 mm und auf ihrer Oberfläche einen sehr weichen, dicken Schwammgummibelag. Auf diese Schleifwalze wird das Schleifmittel (Schleifleinen oder auch Schleifvlies) aufgespannt. Auf Grund ihres weichen Belages ist sie in der Lage, Verzug und Toleranzen wie kein anderes System auszugleichen. Darüber hinaus entsteht im Kantenbereich eine deutlich höhere Zerspanungsleistung, da sich die flexible Unterschicht über den Kanten und Durchbrüchen der Werkstücke ausdehnt, wodurch das Schleifmittel deutlich aggressiver angreift und außerdem die Bildung eines Sekundärgrades vermieden wird.

Das zweite System: die Breitbandeinheit

Die Breitbandeinheit ist ebenfalls eine gummierte Walze, jedoch mit deutlich geringerem Durchmesser (häufig 200 mm), die mit sogenannten Endlosbändern (Breitbändern) arbeitet und von daher eine zusätzliche Walze als obere Umlenkrolle benötigt. Die Gummierung der Kontaktwalze bei der Breitbandeinheit weist eine höhere Shorehärte auf und muß außerdem mit Spiralnuten versehen werden, um Luftkissenbildung zwischen Schleifmittel und Kontaktwalze zu vermeiden. Auf Grund der deutlich höheren Gummihärte entsteht bei Berührung des Werkstücks durch die Breitbandeinheit eine geringere Abflachung als bei einer Schleifwalze, so daß das einzelne Schleifkorn typischerweise nur für 3 bis 5 mm in Eingriff kommt, weshalb das System eindeutig überlegen ist, wenn es darum geht, ein Finish auf ein Blech aufzubringen. Jedoch kann auf Grund dieser härteren Gummierung deutlich weniger Toleranz ausgeglichen werden. Auch das Entgratergebnis ist deutlich schlechter und birgt die Gefahr der Sekundärgratbildung.

Zwei auf einen Streich

Die Maschinenfabrik Paul Ernst, Eschelbronn, präsentiert auf der diesjährigen Emo, Halle 7, Stand A 35, unter anderem eine Maschine, die mit beiden Aggregaten ausgestattet ist und somit die Vorteile beider Systeme nutzen kann. Diese Maschine, mit der Bezeichnung „EM 6N“, besteht aus der hochflexiblen, anschmiegsamen Schleifwalze zum Entgraten ohne Sekundärgratbildung und zusätzlich einer Breitbandeinheit zum Aufbringen eines Oberflächenstrukturschliffs. Desweiteren umfaßt dieses System zwei Edelstahlbürstwalzen zum Entschärfen der Kanten und Entfernen der Oxydschicht bei lasergeschnittenen Teilen beziehungsweise alternativ zwei Schleiflamellenwalzen für eine besonders intensive Kantenverrundung. Das letzte Aggregat ist eine Wasch- und Trockenstation, so daß die Teile die Maschine sauber und trocken verlassen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2001