Zwei Farben auf einen Streich

Neuartige Technik ermöglicht zweifarbige Slush-Häute

18. November 2010

Der Spezialist für die automobile Innenausstattung und Elektronik Johnson Controls ist dank der sogenannten Maskentechnik in der Lage, in einem Produktionsschritt zweifarbige Slush-Häute für die Innenausstattung von Fahrzeugen herzustellen. Bislang war dies nur einfarbig möglich.

„Slush-Häute erfüllen bezüglich Farbausprägung und Glanz die hohen Qualitätsansprüche der Automobilindustrie. Gleichzeitig schaffen sie vielfältige Designmöglichkeiten, da komplexe Geometrien mit großen Hinterschnitten, aber auch kleinen Radien mit hoher Präzision dargestellt werden können“, sagt Han Hendriks, Vice President Global Product Development Interiors bei Johnson Controls Automotive Experience.

Bei der Slush-Haut-Technik handelt es sich um das Abformen eines Kunststoffs aus einem galvanisch hergestellten Urmodell. Zur Herstellung einer Slush-Haut, beispielsweise für eine Armaturentafel, wird eine mit Slush-Pulver gefüllte Wanne an eine auf bis zu 230 Grad Celsius erhitzte Galvanoschale angekoppelt. Durch die anschließende Rotation der Wanne mit der Galvanoform wird das gelierfähige PVC-Pulver auf der genarbten Werkzeugoberfläche verteilt. Die Menge an Pulver, die in der Form haftet, wird durch gezielte Steuerung von Temperatur, Rotation und Zeit exakt bestimmt.

Nachdem sich das Pulver auf der beheizten Oberfläche der Innenwand der Form abgelagert hat, wird die Pulverwanne wieder von der Form getrennt und es folgt eine Phase des Gelierens des geschmolzenen PVC-Pulvers in dem Werkzeug, wodurch sich eine homogene Slush-Haut bildet. Nach einer Abkühlphase auf etwa 50 Grad Celsius kann die Haut aus der Form entnommen werden. Zu den Vorteilen der Slush-Häute zählt neben der konturgenauen Herstellung die verzugsfreie Darstellung einer genarbten Oberfläche mit gleichmäßiger Dickenverteilung.

Die meist aus dem Kunststoff PVC, manchmal auch aus TPU – einem thermoplastischen Elastomer auf Urethanbasis – hergestellten Slush-Häute sind darüber hinaus sehr vielseitig. So lassen sich unterschiedliche Glanzgrade ebenso einstellen wie haptische Effekte. Die exakte Abbildung der Oberflächenstruktur in den Galvanoformen ermöglicht sogar, real aussehende Ziernähte in den Slush-Häuten zu imitieren. Auch die Farbkonsistenz, die Kratz- und Alterungsbeständigkeit und nicht zuletzt die geringen Emissionen sprechen für die Technologie.

Zu den Nachteilen des Verfahrens zählte bislang, dass die so gebildete Slush-Haut einfarbig ist, weil über den gesamten Bereich der Form nur ein bestimmtes PVC-Pulver zur Anwendung kommt. Um auch zweifarbige Slush-Häute anbieten zu können, nutzt Johnson Controls die Möglichkeiten der Maskentechnik. Dabei wird das Werkzeug partiell mit einer Maske abgedeckt. Danach sprüht ein Roboter zunächst eine rund 0,6 Millimeter dicke Pulverschicht auf die von der Maske unbedeckten Bereiche der Form. Anschließend wird die Maskierung entfernt und der Rest des Prozesses auf die gewohnte Weise durchgeführt.