Zurück in die Zukunft

Hoffmanns Erwägungen

2485000000, in Worten: zwei Milliarden 485 Millionen Automobile wurden gebaut, seit Carl Benz seinen berühmten Motorwagen an der örtlichen Apotheke volltankte und mit 0,75 Pferdestärken und halsbrecherischen 15 Kilometer pro Stunde eine neue Ära der Fortbewegung einläutete.

15. Februar 2011

Die Reaktionen auf die ersten motorisierten Fahrzeuge waren zwiegespalten. Anfang des 20. Jahrhunderts soll sich der deutsche Kaiser Wilhelm II folgendermaßen geäußert haben: »Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.« Es war bekannterweise nicht das letzte Mal, dass sich der Monarch irren sollte. Erstaunlich ist, wie radikal sich das Auto während seines Siegeszugs veränderte, und wie vieles dabei doch beim Alten blieb. Gerade die Konstanten dürften für viele Zeitgenossen der Anfangsjahre des Automobils heute eine größere Überraschung darstellen, als die zahlreichen innovativen Veränderungen. Denn entgegen zahlreichen Annahmen und Visionen in der 125-jährigen Geschichte des Automobils besitzen die meisten Autos noch vier Räder und schweben nicht, wie in ›Zurück in die Zukunft‹ prophezeit, durch die Luft, werden durch ein Lenkrad und nicht durch Gedankenkraft gesteuert und können zur Enttäuschung vieler Pendler ihre Besitzer auch nicht autonom durch den morgendlichen Berufsverkehr chauffieren. Auch beim Antrieb hätte man in den atombegeisterten 50ern sicher eher mit einem fortschrittlichen Nuklearantrieb im Automobil des 21. Jahrhunderts gerechnet, zumindest aber mit einem leistungsstarken Raketenantrieb.

Ein schnöder Verbrennungsmotor primitiv – ein Elektromotor vorsintflutlich. Denn während heutzutage der Elektromotor als die vielversprechendste Antriebsart der Zukunft gilt, war er bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein alter Hut. Verbrennungsmotoren galten damals als wesentlich fortschrittlicher. Ein zeitgenössischer Automobilexperte hätte bei der Präsentation eines aktuellen Elektrofahrzeugs also wahrscheinlich die Antriebsart nur mit einem müden Schulterzucken kommentiert, während er staunend Ausstattungsmerkmale wie Sicherheitsgurte, Abblendlicht und schlauchlose Radialreifen bewundert hätte. Daran lässt sich gut erkennen, wie sich die Wahrnehmung des Autos immer wieder gewandelt hat, während sich manche Eigenschaften kaum verändert haben. Denn auch wenn sich beispielsweise die Produktionsmethoden seit den Anfängen des Automobilbaus eklatant gewandelt haben, so besteht doch immer noch ein Großteil der Karosserie aus Bändern, Blechen und Rohren. In unser aller Interesse hoffe ich sehr, dass das Auto auch weiterhin unser aller Lieblings-Blechkiste bleibt.

Prof. Dr. Hartmut Hoffmann

hartmut.hoffmann@utg.de

Erschienen in Ausgabe: 01/2011