Ziel: Lösungsanbieter

Wenn es um IT-Fragen geht, ist Messersoft die Denkfabrik von Messer Cutting Systems (MCS), und IT heißt heute zwar nicht nur, aber vor allem Industrie 4.0. Dr. Roger Kilian-Kehr, Chief Digital Officer (CDO) von MCS, über die Aufgaben und Ziele von Messersoft und den Nutzen für die MCS-Kunden.

11. April 2019
Ziel:  Lösungsanbieter
Dr. Kilian-Kehr geht es auch intern um die Weiterentwicklung seines Teams in qualitativer wie quantitativer Hinsicht, um Kundenwünsche noch besser erfüllen zu können. (© Frank Blümler)

Herr Dr. Roger Kilian-Kehr, seit August 2018 sind Sie als CDO von MCS auch Mitglied der Führungsmannschaft von Messersoft. Welche Fähigkeiten und Erfahrungen bringen Sie mit?

Messer Cutting Systems hat frühzeitig die Bedeutung von Software für die zentralen Themen rund um die Arbeitsvorbereitung, Produktionsplanung und -steuerung erkannt und aus diesem Grund 2008 die Firma Messersoft im Rahmen eines Joint Ventures gegründet. Heute ist Messersoft eine 100-prozentige Tochter der MCS und bündelt alle Softwareprodukte der Gruppe unter einem Dach. Kernthema ist die Integration der Messer-Maschinen in die betriebswirtschaftlichen Abläufe unserer Kunden und umfasst Software auf dem Arbeitsplatz, der Cloud und dem Bedienpanel der Messer-Maschinen. Als Geschäftsführer kann ich meine langjährige Erfahrung im Umfeld von Unternehmenssoftware als Chefarchitekt und Entwicklungsleiter mit einbringen. Ich bin es gewohnt, organisationsübergreifend zu arbeiten, Strategien für komplexe Themenstellungen zu entwickeln und systematisch gemeinsam mit mehreren Teams umzusetzen.

Welche Ziele verfolgen Sie bei Messersoft?

Intern geht es mir um die Entwicklung unseres Teams, und zwar in qualitativer wie quantitativer Hinsicht: Ausbau der schon hohen Kompetenzen, noch stärkere Kundenfokussierung und Kollaboration im globalen Kontext. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach unseren Produkten und dem Streben nach ständiger Weiterentwicklung müssen wir unsere Mannschaft aber auch verstärken und setzen dazu sowohl auf die Einstellung neuer Mitarbeiter wie auch auf externe Unterstützung.

Was den Markt anbelangt, bauen wir unsere Produktpalette aus, um unsere Strategie als Lösungsanbieter zu vervollständigen. Der Fokus liegt auf der Ergänzung der Produkte Omnibevel und Omniwin sowie dem Ausbau der Funktionen unserer Omnifab-Suite. Mit diesem Portfolio wollen wir weltweit sowohl im Geschäft mit neuen Maschinen wie auch bei den Bestandskunden von Messer Cutting Systems optimale Software-Lösungen rund um unsere Maschinen anbieten.

Was kann Omnibevel?

Omnibevel ist das aus unserer Sicht führende Produkt für das Fasenschneiden. Es steht für gerade Schnitte, zylindrische und konische Löcher, exakte Fasenwinkel und absolut maßhaltige Teile und zeichnet sich durch enorme Flexibilität aus. Nahezu alle Technologieparameter und Ablaufdetails sind einstellbar. Da sich das Programm auf Technologiedatenbanken stützt, ist manuelles Eingreifen in der Regel überflüssig. Omnibevel ist ein Postprozessormodul mit grafischer und daher leicht bedienbarer Oberfläche, das optimale Schneidergebnisse liefert.

Und Omniwin?

Omniwin ist eine mächtige, aber trotzdem einfach zu bedienende Schachtelsoftware, die Zeit, Material und damit Kosten spart – aus unserer Sicht das ideale Werkzeug für die Arbeitsvorbereitung beim Schneiden.

Dient Omnifab ebenfalls der Schnittoptimierung?

Nein. Omnifab dient der Produktionsplanung, -steuerung und -überwachung, indem es die Daten sozusagen ›veredelt‹, und besteht aus drei Bausteinen:

  • Omnifab ERP Connect übernimmt automatisch die Daten aus vorhandenen ERP-Systemen der Kunden, die ebenfalls automatisch in Omniwin für die weitere Verarbeitung importiert werden.
  • Omnifab FDC unterstützt die BDE: Nachdem der Bediener den nächsten Schachtelplan ausgewählt hat, werden über die BDE an der Maschine Produktionszeiten, Plattenmehrverbrauch und weitere kundenspezifische Felder erfasst. Der Bediener meldet nach dem Schneiden Gutteile, Ausschuss und Restplatten, worauf FDC die Betriebsdaten an Omniwin und das ERP-System zurückmeldet. Omniwin wiederum kann nun einen Echtzeitüberblick über den Status aller aktuell in der Produktion befindlichen Schachtelpläne mit den tatsächlichen Produktionszeiten anzeigen. Zuletzt werden die so angereicherten Produktionsdaten an das ERP-System gemeldet. Diese Produktionsdaten enthalten alle Informationen über den Materialverbrauch, die Produktionszeiten, Fehlteile und weitere relevante Kennzahlen.
  • Das dritte Omnifab-Modul ist Machine Insight. Dieses Modul liefert im laufenden Betrieb übersichtlich Informationen zu den Schneidanlagen, nämlich zur Maschinenüberwachung, über die Maschinenauslastung, zu den Schneidaufträgen, und weitere detaillierte Berichte. Die Echtzeit-Maschinenüberwachung informiert über das Programm, das auf der Maschine geschnitten wird, sowie die Schicht, in der gerade gearbeitet wird, und sie stellt die Auslastung grafisch dar. Die Maschinenauslastung kann für verschiedene Zeiträume und aufgeteilt nach Schichten angezeigt werden; ferner werden die für die verschiedenen Prozesse aufgewendeten Zeiten und optional auch Stillstandgründe übersichtlich dargestellt. ›Schneidaufträge‹ zeigt tabellarisch, wann ein Job gestartet und beendet wurde und vergleicht Soll- und Ist-Zeit. Die Berichte stehen auf Basis von Arbeitstagen oder -wochen als PDF-Dateien zur Verfügung. Dank der kompakten grafischen Darstellung bieten die Berichte auch bei einer Vielzahl von Maschinen einen schnellen Überblick über die Performanz der Brennschneidanlagen.

Wie erfolgt die Verzahnung Maschine-Software-Bediener?

Unsere Software ist dank der engen Kooperation innerhalb der MCS-Gruppe perfekt auf die Schneidmaschinen abgestimmt. Omniwin und Omnibevel sind sehr ›maschinennah‹ und auf die Bedienenden zugeschnitten, während Omnifab den Verantwortlichen in der Arbeitsvorbereitung, auf dem Leitstand, in der Produktionsplanung und in der Betriebsleitung die nötigen Informationen liefert.

— »Wir können dem Kunden von der Angebotserstellung bis zum After-Sales-Service eine exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmte Lösung bieten.«

Wie hilft Messersoft den Anwendern im Produktionsalltag?

Wir unterstützen alle wichtigen Rollen bei den Kunden. Traditionell lag der Schwerpunkt auf der Arbeitsvorbereitung, also Aufträge, CAD-CAM, Nesting und Programmerzeugung. Hinzugekommen ist die Unterstützung für Bediener, Produktionsleiter, Prozessanalytiker und Servicetechniker.

Was kann Messersoft besser als ein Newcomer?

Wir sind ein eingespieltes Team mit hoher IT- und Schneid-Kompetenz, das dank der engen Vernetzung auf die globalen Ressourcen und die Kompetenzen von Messer Cutting Systems zurückgreifen kann.

Was genau macht Ihre Kombination Maschinenhersteller-Softwareentwickler so schlagkräftig? Welche Synergien sind entstanden?

Wir können dem Kunden von der Angebotserstellung bis zum After-Sales-Service in jeder Phase eine exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmte Lösung bieten, und zwar sowohl maschinen- wie steuerungs- und produktionstechnisch. Maschine, Software und Service stellen sich dem Kunden als integrierte Gesamtlösung dar.

Dank der engen Kooperation zwischen MCS und Messersoft können wir schnell und exakt auf die Kundenbedürfnisse reagieren. Gegenüber reinen Softwareanbietern können wir rund um unsere Maschinen immer eine bessere Lösung anbieten, die Effizienzvorteile in der Produktion und in der Bedienung haben.

Welche Vorteile haben Messer-Kunden und -Mitarbeiter von der Kooperation zwischen Messersoft und Messer Cutting Systems?

Der Kunde bekommt dank der engen Verzahnung von Maschine und Software noch besser und genauer auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen.

Die Mitarbeiter profitieren von einem besseren Informationsfluss und der Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg und werden stärker in Prozesse eingebunden – von der Entwicklung bis zum Vertrieb und Service.

Wie holen Sie die Betroffenen mit ins Boot? Wie motivieren Sie beispielsweise MCS-Mitarbeiter, sich einzubringen?

Die Kollegen aus dem Maschinenbau, aber auch die Händler, die die Wünsche der Kunden ja bestens kennen, drängen sich geradezu danach, sich einzubringen. Sie haben die Bedeutung der IT erkannt und wollen an der Entwicklung teilhaben. Wir halten alle Beteiligten auf dem Laufenden, unter anderem über regelmäßige Webinare aber auch in den Workshops bei den Kunden, wenn wir eine kundenspezifische Lösung gemeinsam entwickeln.

— »Dank der engen Kooperation mit MCS können wir schnell und exakt auf Kundenwünsche reagieren.«

Wie verlief zum Beispiel die Zusammenarbeit an der umfangreichen Softwaresuite Omnifab 2018? Wer war wofür zuständig?

Omnifab besteht aus verschiedenen Komponenten, die von verschiedenen Teams entwickelt werden. Das vereinfacht die Entwicklung. Die Zusammenarbeit beschränkt sich aber nicht auf die Softwareentwicklung, sondern findet auch in den Bereichen Präsentationen beim Kunden, Kundenberatung und Marketing allgemein statt. Im Rahmen der Zusammenarbeit haben wir viele Ideen entwickelt wie wir neuen Kundenmehrwert durch die Verzahnung aller Komponenten und Datenaustausch realisieren können. Vieles davon wird in zukünftigen Versionen unserer Angebote zu finden sein.

Wer liefert die Anregungen zu neuen Produkten und Projekten? Welchen Anteil haben die Mitarbeiter, welchen die Kunden?

Wir bekommen sehr viele Anregungen seitens der Kunden. Wir setzen häufig Pilotprojekte als Instrument ein. Hier gilt: Genau zuhören und auf Kundenwünsche eingehen, sie dann passend ins Produkt integrieren und schließlich beim Kunden umsetzen.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

In Omniwin planen wir dieses Jahr große Fortschritte bei der Plattenverwaltung, erweiterten Technologiebauteilen und verbesserten Sequenzierungen von Arbeitsschritten. Bei Omnibevel werden wir insbesondere im Laserbereich weitere Funktionen integrieren.

In Omnifab wollen wir die Integration in die Steuerung vertiefen. Speziell für das Modul Machine Insight planen wir ein attraktives Einführungsprogramm für alle unsere Neukunden, mit dem wir schnell wachsen wollen. Des weiteren werden wir erste Anwendungen für Service und Wartung anbieten und auch eine mobile Anwendung für Smartphones als Teil unserer Gesamtlösung anbieten.

Welchen Stellenwert haben für Sie Industrie 4.0 und das IIoT?

Einen sehr hohen. Wie Sie meiner Beschreibung der Programme entnehmen konnten, liegt unser Fokus auf der Prozessintegration in der Fertigung (zum Beispiel Digitalisierung, papierlose Kommunikation, Echtzeittransparenz) mit den Zielen höhere Maschinenauslastung und Effizienz (OEE), Fehlerreduktion, Kostenminimierung und – unter anderem – mit den Mitteln Stillstandszeiten- und Fehleranalyse. Wir möchten allen Personen in einem typischen Produktionsprozess unserer Kunden mehr Informationen an die Hand geben, um jederzeit die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Auf welchen Erfolg werden Sie in drei oder fünf Jahren am meisten stolz sein?

Wir werden in den nächsten Jahren eine neue, industrie-4.0-/IIoT-gerechte Produktfamilie mit hohem Nutzen für die Kunden etablieren. Damit verbessern wir nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von MCS und seiner Kunden, sondern wollen auf Basis dieser modernen Technologien und Prozesse natürlich auch Umsatz und Ergebnis von Messersoft steigern. Wir wollen als Messersoft einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass MCS sein strategisches Ziel erreicht, sich als Lösungsanbieter zu etablieren.

In organisatorischer Hinsicht streben wir die Verbesserung aller operativen Prozesse in Entwicklung, Qualitätssicherung, Vertrieb und Support an.

Und schließlich geht es darum, die Kompetenzen und – was mir persönlich ein großes Anliegen ist – die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter zu steigern. Wir arbeiten als Team an sehr spannenden Problemstellungen, setzen selbst für Softwareunternehmen ein erstaunlich breites Spektrum an modernen Technologien ein und gehen sogar bis zum Betrieb von Cloud-Anwendungen. Wir bieten eine Menge für Neueinsteiger bei uns.

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 40 bis 43