Wunder – oder: die Macht der Motivation?

Übrigens ....Prof. Dr Volk

»Der Glaube an die Chance, an das Gelingen, an den Erfolg versetzt Berge.«

06. Juni 2014

Wir sind schon alle im Fußballfieber, denn alle vier Jahre gibt es wohl kaum ein Ereignis, das uns unabhängig vom sportlichen Sachverstand so sehr verbindet und auch Anlass zu den kaum aufhörenden Diskussionen beim Mittagessen oder in der Kaffeeküche bietet wie eine Weltmeisterschafts-Endrunde.

In der Erinnerung bleiben uns dabei weniger die erwarteten Erfolge, sondern eher die unerwarteten und völlig überraschenden Siege. Auch wenn das Live-Erlebnis nur noch der älteren Generation vorbehalten ist, haben mir die meisten Kollegen gesagt, dass das ›Wunder von Bern‹ mit Abstand der schönste und am höchsten zu bewertende Erfolg einer deutschen Fußballnationalmannschaft war.

Nicht zuletzt in der Verfilmung wurde die Motivationsfähigkeit von Sepp Herberger hervorgehoben, so dass die spielerisch unzweifelhaft unterlegene Mannschaft mit der Unterstützung der ersten Schraubstollen und dem Glück des ›Fritz-Walter-Wetters‹ auf das Spiel und die Chance zum historischen Sieg eingestimmt wurde. Selbst das zwischenzeitliche 0:2 konnte mit ein bisschen Glück und Geschick noch in den legendären Titelgewinn gedreht werden.

Auch wenn es natürlich für Fußballdeutschland nicht ganz so wichtig ist, möchte ich als alter Darmstädter in diesem Zusammenhang den Aufstieg in die 2. Bundesliga ›unserer‹ 98er in der Relegation gegen Arminia Bielefeld erwähnen. Nach dem Quasi-Scheitern des 1:3 vor eigenem Publikum gab es wohl kaum noch irgendeinen fußballinteressierten Menschen, der noch eine Chance für den Außenseiter gesehen hatte.

Die meisten von Ihnen werden das Ergebnis mitbekommen haben und sich vielleicht gefragt haben, wie es Trainer Dirk Schuster geschafft hat, die Mannschaft zu einer solchen Leistung zu bringen, die am Ende für den notwendigen Sieg gereicht hat. Nach dem Spiel hat er darauf geantwortet, dass die ganze Vorbereitung vorrangig darin bestanden hat, an die ›echte‹ und nicht ›unmögliche‹ Chance zu glauben und er jedem Spieler ein Bändchen mit ›Glaube‹ zum Spiel mitgegeben hat. Mich hat dies sehr berührt, denn für mich ist das ein Zeichen echter Motivationsfähigkeit, was für mich nicht nur im Sport, sondern auch im Beruf ein wichtiges Element erfolgreicher Führung ist.

Ich habe mir vorgenommen, wenn mal wieder eine hoffnungslose Terminknappheit oder ein auf den ersten Blick unlösbares Problem vorliegt, ebenfalls nach einer solch einfachen Symbolik zu suchen, um den Mitarbeitern (und vielleicht auch mir selbst) den Glauben an den Erfolg zurückzubringen.

Mit der Hoffnung, dass wir viele schöne Tore und Erfolge erleben dürfen, die vielleicht ein bisschen auf kreative Maßnahmen des Trainerstabs zurückzuführen sind, verbleibe ich für dieses Mal mit den besten Sommergrüßen.

Ihr

Wolfram Volk

Erschienen in Ausgabe: 04/2014