Wogen geglättet

Technik

Kupfer und viele seiner Legierungen verformen sich eher plastisch als elastisch. Entsprechend wellig kommen die Platten aus dem Walzwerk. Eine schwierige, aber durchaus lösbare Aufgabe für einen Richtmaschinenhersteller.

08. Juni 2011

Tradition bedingt Innovation. Denn nur wer von Anfang an dank modernster Technik effizient und kostengünstig produziert hat, konnte sich über Jahrzehnte behaupten. Die MKM Mansfelder und Messing GmbH haben immer in modernste Produktionsmittel investiert und sind deshalb über 100 Jahre alt geworden – mit besten Aussichten für die Zukunft.

Zu diesen Aussichten trägt auch eine neue Präzisionsrichtmaschine bei, doch davon später. Schauen wir uns zuvor MKM noch etwas genauer an. Das Unternehmen aus dem Südharz ist mit einer Jahresproduktion von etwa 250000 t (davon zirka 50000 t Kupferbänder) einer der führenden europäischen Hersteller von Vorprodukten und Halbzeugen aus Kupfer und Kupferlegierungen. Zum Programm gehören:

- kaltgewalzte Bänder für Industrie und Bau

- warm- und kaltgewalzte Bleche und Platten

- gezogener und gewalzter Draht

- Rohre, Stangen und Profile (sowohl gepresste als auch gezogene)

Entsprechend dem Produktprogramm ist MKM unter anderem mit dem – nach eigenen Angaben – »modernsten Vorwalzwerk der Welt«, einer Bandgießanlage, die nach dem Conti-M-Verfahren arbeitet, Kalt- und Warmwalzwerken, Drahtzieh- und -walzanlagen sowie Stangenzieh- und -pressanlagen ausgestattet.

MKM sieht sich als Komplettlieferant. So werden Bänder und Bleche von 0,06 bis 6 mm, Platten bis 350 mm Dicke hergestellt.

Zwar gibt es jede Menge federharter Kupferlegierungen – etwa für Kontaktstreifen in der Elektrotechnik – aber Kupfer selbst und die meisten seiner Legierungen verhalten sich eher ›schlapp‹, fachlich: plastisch. Das hat viele Vorteile in der Umformtechnik, aber nicht, wenn die Platten aus dem Walzwerk kommen: Dann schlägt Kupfer hohe Wellen. Und wir reden da von richtigen Wellen, nicht von kleinen Unebenheiten im Millimeterbereich. Um diese Wogen zu glätten, setzt MKM seit jeher Richtmaschinen ein, aber keine war gut genug, um heutige Anforderungen an die Ebenheit zu erfüllen. Einzige Ausnahme war eine ›Flatmaster 80‹, mit der man gute Erfahrungen gesammelt hatte – auch mit dem Hersteller Arku, wie Uwe Hirsemann, MKM-Produktionsleiter Bleche und Platten, mehrfach bestätigt.

Als die Hettstedter eine neue, größere Präzisionsrichtmaschine benötigten, hatte Arku zunächst ein Problem: Ein solches Kaliber hatte man noch nicht im Programm, folglich auch keine Erfahrung. Durch ausgiebige Tests auf der größten vorhandenen hydraulischen Präzisionsrichtmaschine tastete man sich an die Lösung heran – und fand sie. Und sie war so überzeugend, dass MKM Anfang 2010 den Auftrag erteilte – in einer Zeit, in der noch längst nicht klar war, wohin die Kojunktur führen würde. Andererseits war es logisch, gerade dann zu investieren, wenn Sparen angesagt war. Schließlich konnte man durch die neue Anlage die Qualität und Produktivität und gleichzeitig die Produktionskosten verringern – und was ist wichtiger in schwierigen Zeiten? Uwe Hirsemann bestätigt das: »Der Aufwand ist wesentlich verringert worden, so werden jetzt keine Entspannungsschritte mehr benötigt. Wir erhalten nahezu spannungsfreie Bleche, oft auch ohne Wärmebehandlung. Der Prozess ist jetzt ganz einfach: einmal richten, schneiden, verkaufen.«

Trotz des Entwicklungs-, Konstruktions- und Versuchsaufwandes brauchte Arku keine zwölf Monate bis zur Lieferung des ›Flatmaster 180‹. Dazu trugen auch das schnelle und zuverlässige Projektmanagement auf beiden Seiten und die guten und intensiven Kontakte bei. Hirsemann: »Die Zusammenarbeit mit Arku war sehr angenehm, aber das hatten wir nach den Erfahrungen mit dem Flatmaster 80 auch nicht anders erwartet.«

So erfreulich die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit für MKM und Arku sind, den Hauptvorteil haben die MKM-Kunden, wie Stefan Quandt, Leiter Marketing & Öffentlichkeitsarbeit, indirekt bestätigt: »Mit dem Flatmaster 180 erzielen wir Toleranzen, die wir früher, wenn überhaupt, nur mit großem Aufwand erreichen konnten. Kunden, die vorher Probleme mit der Ebenheit hatten, haben diese nun nicht mehr.« Und: »Dadurch bekommen wir jetzt Aufträge, die wir bisher verloren haben.«

Hans-Georg Schätzl

Arku Flatmaster 180

Neuland – so etwas gab es bei Arku noch nicht: eine Präzisionsrichtmaschine mit 3000 mm Durchlassbreite für Kupfer(legierungs)platten mit Dicken von 6 bis 60 mm.

Der für große Querschnitte ausgelegte, etwa 150 t schwere Arku Flatmaster 180 ist sehr feinfühlig und erreicht dank hydraulischer Zustellung der Richtwalzen (mit 180 Millimetern Durchmesser – daher die Typenbezeichnung) und damit Richtspaltregelung problemlos Ebenheiten bis 1 mm/m. Ein Überlastschutz verhindert, dass die Anlage beschädigt wird.

Ein besonderes Merkmal ist die automatisch ausfahrbare und damit Zeit sparende Richtwalzenkassette, die sich dadurch leicht reinigen lässt – eine Möglichkeit, die für die beschädigungsfreie Bearbeitung der empfindlichen Kupferoberflächen extrem wichtig ist.

Erschienen in Ausgabe: 03/2011