Wirksamer Schallschutz

Durch einen effektiven Schallschutz lassen sich die Lärmemissionen an Anlagen der Umformtechnik ganz erheblich reduzieren.

11. Mai 2012

Das Presswerk eines Automobilherstellers beeindruckt nicht nur das Auge durch seine Größe, sondern auch das Ohr durch die Vielfalt der Geräuschentwicklung: Bei jedem Pressvorgang, der mit bis zu 8.000 Tonnen Gesamtpresskraft erfolgt, werden sehr tieffrequente, impulshaltige Geräusche freigesetzt. Das Handling der Blechtafeln und der gepressten Bleche erzeugt höhere Tonlagen, und in noch höheren, deutlich vernehmbaren Frequenzen ist die Schrottabfuhr der Blechreste zu hören.

Ein neuer Maßstab beim Schallschutz von Pressen

Dass die modernen Pressenstraßen deutlich leiser sind als ältere Generationen, ist der Feinarbeit der Pressenhersteller zu verdanken, in vielen Fällen aber auch den Akustik-Experten von Faist Anlagenbau. Denn Faist genießt weltweit einen sehr guten Ruf, wenn es um den Schallschutz von Anlagen der Umformtechnik geht.

Die mehr als dreißigjährigen Erfahrungen in diesem Bereich haben nun dazu geführt, dass das Unternehmen einen neuen Maßstab setzt: Bisher war bei Großserienpressen und ähnlichen Anlagen eine Lärmreduzierung um 16 dB „state of the art“. Jetzt stehen Schallschutzsysteme zur Verfügung, die den Geräuschpegel um 22 dB senken.

Ziel: Ein Schallpegel von unter 80 dB

Damit verfolgt Faist das Ziel, trotz der immer leistungsstärkeren Pressen einen Schallpegel von 80 dB nicht zu überschreiten – und das mit gutem Grund. Dieter Maier, stellvertretender Vertriebsleiter: „ Nach der neuen Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung müssen in Lärmbereichen ab 80 dB kostenintensive Maßnahmen für die Mitarbeiter eingeleitet werden. Gemäß den Betriebsvereinbarungen der Automobilhersteller sind diese sogar verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine Zulage zahlen, wenn der Geräuschpegel bei mehr als 85 dB liegt.“ Damit macht sich die Investition in hochwertigen Schallschutz langfristig bezahlt. Wichtiger noch als der „Return on invest“ ist aber die Tatsache, dass eine geringere Lärmbelastung nicht nur ein Beitrag zu aktivem Gesundheitsschutz ist, sondern auch die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter im Umfeld der Pressenstraßen erhöht.

Herausforderungen für die Schallschutz-Experten

Um das gewünschte Ergebnis zu erreichen, müssen die Faist-Schallschutzexperten bei jedem einzelnen Projekt ihr gesamtes, in vielen Projekten gewonnenes Know-how einsetzen. Denn es gibt gleich mehrere Herausforderungen, die den Schallschutz an Großpressen schwieriger gestalten als an anderen Anlagen.

Erstens können die Materialzu- und -abführungen der Pressenstraße nicht komplett gekapselt werden; sie müssen offen bleiben.

Zweitens lassen sich die sehr niederfrequenten Schwingungen mit den herkömmlichen (absorptiven) Mitteln des Schallschutzes nur schwer beherrschen. Florian Eheim, stellv. Leiter Projektabwicklung und Engineering: „Wir setzen hier auf die vollständige Körperschallentkopplung der Einhausung, die auch außerhalb des Pressenfundamentes aufgesetzt ist. Die gesamte Einhausung ist freistehend konstruiert und nur über spezielle Entkopplungselemente mit der Presse verbunden.“

Drittens gilt es zahlreiche Details sehr gründlich zu durchdenken und konstruktive, schallschluckende Lösungen zu finden – zum Beispiel für die Hubtore an den einzelnen Pressenstationen, die für den Wechsel der schweren Werkzeuge vorgesehen sind. Hier verwendet Faist spezielle schalldämmende Tore, die komplett mit Antrieben und Sicherheitseinrichtungen gefertigt und vormontiert werden.

Ein modulares System aus eigener Fertigung

Für die Einhausungen verwendet Faist ein modulares System aus Einzelelementen, die vor Ort installiert werden. Die Elemente, die in unterschiedlichen Stärken gefertigt werden, stammen aus der eigenen Produktion in Krumbach. Faist-Vertriebsleiter Leonhard Sonntag: „Wir halten weltweit die größten Fertigungskapazitäten für technischen Schallschutz vor.“ Das ist eine wichtige Voraussetzung für hohe Lieferbereitschaft, die Faist offenbar mitbringt, wie die aktuelle Lieferantenbewertung eines weltweit führenden Pressenherstellers zeigt. Darin wird Faist eine Bewertung von 96,7% attestiert sowie eine 100-prozentige Liefertreue.

Partnerschaft mit Pressenhersteller

Die Kompetenz von Faist wird in Fachkreisen sehr geschätzt. Aus diesem Grund hat ein weltweit führender Pressenhersteller eine längerfristige Vereinbarung mit Faist getroffen, um in Zukunft gemeinsam Projekte beim Endkunden anbieten zu können. Leonhard Sonntag: „Es handelt sich hier um mehrere Pressenlinien. Durch eine rechtzeitige Schaffung von Kapazitäten in Konstruktion und Produktion können wir zum einen eine hohe Liefersicherheit gewährleisten, zum anderen innovative Konzepte zum Nutzen unserer Kunden einbringen“.

Erfahrung zählt – der Anwender profitiert davon

Inwieweit kann man bei derartigen Großprojekten auf Berechnungsprogramme und Simulationen zurückgreifen? Pius Jeckle, Vertriebsmitarbeiter mit Schwerpunkt Umformtechnik: „Das geht nur sehr eingeschränkt. Entscheidend ist die Erfahrung.“ Der Anwender geht dabei kein Risiko ein, denn Faist garantiert den festgeschriebenen Wert der Schalldämmung, der in der Praxis sogar meistens deutlich unterschritten wird. Davon profitieren die Mitarbeiter an der Presse.

Auch für die Nachrüstung

Komplizierter als das Neugeschäft ist die nachträgliche Ausrüstung vorhandener Pressen mit verbessertem Schallschutz, da hier keine konkreten Ausgangsdaten vorliegen und es im Wesentlichen auf das Know-how der Ingenieure ankommt. Dieter Maier: „Hier starten wir in der Regel mit einer gründlichen Ist-Analyse. Wir lokalisieren durch intensive Schallmessungen in den einzelnen Frequenzbereichen sehr genau die Lärmquellen und Schwachstellen, die wir dann gezielt beseitigen.“

Auf diese Weise kann man in den meisten Fällen zusätzliche Verbesserungen um etwa 6 dB erzielen. Das gilt auch für gebrauchte Pressenanlagen, die von einschlägigen Spezialisten gekauft und modernisiert werden. Für diese Unternehmen ist Faist ebenfalls ein gefragter Partner. Und selbstverständlich lässt sich das Know-how, das bei der Konstruktion von Schallschutzlösungen für Pressenstraßen gewonnen wird, auch für andere Anlagen der Umformtechnik und Metallverarbeitung nutzen.