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Wasserstrahlschneiden

Nach einem erfolgreichen Management-buy-Out befindet sich WWR in der Erfolgsspur. Mehrere Standbeine sorgen für wirtschaftliche Stabilität unter anderem das Wasserstrahlschneiden als Dienstleistung.

19. August 2009

Kopfschüttelnd betrachtet man die grassierende Wirtschaftskrise und das Treiben überforderter und teils daran mitschuldiger ›Fachleute‹ beim Versuch, diese einzudämmen. Bereits über 100 Milliarden Euro sind beispielsweise in die todkranke Hypo Real Estate in Form von Kapitalhilfen oder Garantien geflossen. Unter Umgehung wirtschaftlichen Sachverstandes so meinen viele werde dadurch verhindert, dass Selbstreinigungskräfte in Gang kommen, die in solchen Fällen rascher und wirkungsvoller wieder zu gesunden Unternehmen führten. Es gebe viele Beispiele, die dies belegten. Wenn das stimmt, dann ist eines dieser gesundeten Unternehmen WWR.

Hervorgegangen im Jahre 2005 aus einem insolvent gegangenen Betrieb, befindet sich WWR bereits jetzt wieder in der Gewinnzone. Franz Weishaupt, Wolfram Wieser und Lothar Ruß (man ahnt jetzt, wie der Name ›WWR‹ entstanden ist), drei ehemalige Beschäftige des untergegangenen Vorgängerunternehmens, die heute als geschäftsführende Gesellschafter für die neue Firma tätig sind, zeichnen dafür verantwortlich. Sie übernahmen durch ein klassisches Management-Buy-out die Geschicke eines Unternehmensteils des untergegangenen Vorläuferunternehmens und nahmen gleich 20 Kollegen mit.

Durch geschickte Konzentration auf den Nischenmarkt Lochstanzwerkzeuge, wo man dank seines speziellen Know-hows sehr erfolgreich tätig ist, steht WWR auf finanziell gesunden Füßen. Damit dies so bleibt, hat die umtriebige Geschäftsleitung beschlossen, das Wasserstrahlschneiden nicht nur für eigene Produkte zu nutzen, sondern darüber hinaus als Dienstleistung anzubieten. Dazu ist zu einer bereits vorhandenen Omax-Anlage von Innomax eine weitere des gleichen Typs angeschafft worden. Dazu Wolfram Wieser: »Wir fertigen Lochstanzwerkzeuge, wie sie etwa die Verpackungsindustrie benötigt.

Die Komponenten dieser Lochstanzwerkzeuge besitzen unterschiedlichste Konturen, die wir per Wasserstrahlschneiden problemlos und rasch anfertigen können. Die Möglichkeiten der Omax-Maschine möchten wir externen Interessenten anbieten und uns so ein weiteres Standbein im Bereich Medizintechnik, Maschinen- und Anlagenbau schaffen, das gegen Konjunkturschwankungen bestehen hilft.« Lothar Rueß ergänzt: »Wir fertigen vor allem Einzelteile und Kleinserien bis 200 Stück. Dadurch ist es nötig, dass die Maschine leicht bedien- und wartbar sowie die Steuerung fix programmiert ist. Beides ist für gelernte Facharbeiter im Fall der Omax-Anlage total easy.«

Die Steuerung der Omax-Anlage basiert auf einem ganz normalen Windows-PC, der in einem robusten Gehäuse direkt an der Maschine eingebaut ist. Die benötigten Konturen für die Stanzwerkzeuge oder Dienstleistungsaufträge werden teilweise durch ein externes Programmiersystem erstellt. Per DNC finden diese als DXF-File den Weg in die Steuerung. Ein großer Vorteil der Steuerung ist die gegebene Aufwärtskompatibilität. Dadurch können ehemals für die erste Omax-Maschine erstellte Programme problemlos auf dem neuen Modell genutzt werden. Durch die externe Erzeugung der Werkstückkontur werden unnötige Maschinenstillstände vermieden, und zudem wird die Möglichkeit geschaffen, optimal auf die kurzen Produktzyklen im Verpackungssektor zu reagieren.

»Die Omax-Maschinen arbeiten sehr zuverlässig. Neben der sehr einfachen Programmierung der Steuerung, der sehr effizienten Bedienung der Maschine und dem zuverlässigen Service von Innomax war dies ein wichtiger Grund, uns wieder für eine Wasserstrahlschneidmaschine dieses Herstellers zu entscheiden. Damit die Maschinen nicht ungeplant ausfallen, warten wir sie regelmäßig in festgelegten Zyklen. Schließlich unterliegen beispielsweise Leitungen und Düsen einem beständigen Verschleiß.

Wichtig war für uns zudem, eine Maschine zu besitzen, deren Pumpe selbst nach vielen hundert kurz aufeinanderfolgenden Arbeits- und Ruhephasen zuverlässig ihren Dienst verrichtet. Die in unserer Maschine verbaute Hochdruckpumpe leistet zwar ›nur‹ 3.600 bar, ist aber für unsere Zwecke völlig ausreichend dimensioniert. Die Zuverlässigkeit dieser ausgereiften Konstruktion zählt für uns viel mehr. Zudem würde eine Pumpe mit höherem Arbeitsdruck nicht zuletzt die Peripherie wie Düse und Leitungen natürlich wesentlich mehr belasten und die Wartungskosten erhöhen«, erläutert Franz Weishaupt. Wasserstrahlschneidmaschinen kämpfen mit dem Vorurteil, dass sie nicht so genau wie Laseranlagen arbeiten würden. Dies mag früher der Fall gewesen sein.

Heute seien diese Ängste nicht mehr berechtigt, so die drei WWR-Manager. So hat Innomax seinen Omax-Maschinen einen beweglichen Kopf spendiert, der dafür sorgt, dass die Düse abgestimmt auf Parameter wie etwa Materialart, Materialstärke oder Arbeitsdruck gezielt und stufenlos geschwenkt wird, um absolut rechte Winkel am Werkstück zu erreichen. Omax-Maschinen erreichen so in der Praxis problemlos Maßabweichungen von e 0,02 bis 0,05 Millimeter. Durch die Anpassung von Druck und Geschwindigkeit ist ein erfahrener Bediener in der Lage, selbst diese guten Werte noch zu unterschreiten.

Im Gegensatz zum Laserverfahren besitzt Wasserstrahlen den großen Vorteil, dass keine Wärme in das Werkstück eingebracht wird. Dadurch wird ein Wärmeverzug des Werkstücks vermieden. Dazu kommt noch, dass im Fall der Kunststoffbearbeitung keine giftigen Dämpfe entstehen. Durch das Arbeiten unter Wasser ist zudem der Geräuschpegel überhaupt nicht mehr zum früheren Schneiden über Wasser zu vergleichen. »Nachteile gegenüber dem Lasern wollen wir nicht verschweigen«, entgegnet Wolfram Wieser. »So ist etwa die unmittelbare Arbeitsumgebung der Wasserstrahlmaschine nicht klinisch sauber, da Wasser und Schlamm ihre Spuren hinterlassen können.

Zudem benötigen wir Lagerraum für den frischen und verbrauchten Sand. Aber das nehmen wir für die gewichtigen fertigungstechnischen Vorteile des Wasserstrahlschneidens, wie etwa die absolut verzugsfreie Bearbeitung, gerne in Kauf.« Es gilt also genau abzuwägen, welches Materialspektrum in welcher Stückzahl im jeweiligen Unternehmen anfällt, um eine optimale Entscheidung zwischen Laser- oder Wasserstrahlanlage treffen zu können. Unbestreitbar besitzt der Laser gewichtige Vorteile, wie etwa seine sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeit, die ihn besonders im Dünnblechbereich bis fünf Millimeter von den Stückkosten her zur ersten Wahl machen. Daneben gilt es aber, das Teilespektrum zu betrachten. Teile, die keinen Wärmeverzug dulden, sind auf Wasserstrahlanlagen oftmals besser aufgehoben. Und selbst die Stückzahl spielt eine wichtige Rolle, sollen die Stückkosten nicht aus dem Ruder laufen.

Aber so lange mutige Entscheider, wie die Geschäftsführer von WWR, die mit ihrem eigenen Vermögen für ihr Unternehmen haften, derartige Überlegungen vor einem Maschinenkauf anstellen, kann jeder Bankangestellte davon ausgehen, dass Kreditwünsche Hand und Fuß haben ganz im Gegensatz zu Entscheidungen einiger Bankmanager, die so manche Großbank in Schieflage gebracht haben.

Wolfgang Fottner

Erschienen in Ausgabe: 8-9/2009