»Wir sind inmitten einer starken Wachstumsphase«

In diesem Jahr feiert der Richtmaschinenspezialist Arku aus Baden-Baden sein 80jähriges Bestehen. bbr fragte Firmenchef Albert Reiss nach wichtigen Stationen seines Unternehmens.

14. Oktober 2008

bbr: Herr Reiss, Gratulation zu 80 Jahren Firmenjubiläum. Was waren denn die entscheidenden Stationen in der Unternehmensentwicklung?

Albert Reiss: Mein Großvater, ein Blechnermeister, wurde 1928 von seinem Vater von der Wanderschaft im Schwarzwald zurückgerufen, weil im Heimatort eine Wasserleitung gebaut werden sollte. So ergriff er die Chance, sich selbstständig zu machen. Später erweiterte mein Vater die Blechverarbeitung, unter anderem um Lüftungsgitter für Kachelöfen, Ofenrohre, Warmlufterhitzer et cetera. Dabei entstand auch der Name Arku. Eine Kombination aus seinem Vornamen Artur und den ersten Buchstaben des Ortes Kuppenheim, an dem die Firma in den Fünfzigerjahren beheimatet war. In den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts führte mein Vater das Unternehmen vom Blechverarbeiter zum Maschinenbauer. Man begann, Richtmaschinen zum Teilerichten in Kleinserien zu bauen. Zu Beginn gab es lediglich drei verschiedene Typen, die nur in Standardausführung gebaut wurden. Auf diesen Teilerichtmaschinen wurden Stanzteile nach dem Stanzprozess gerichtet. Der größte Kunde in den 60er-Jahren war übrigens der Schreibmaschinenhersteller Olympia in Wilhelmshaven, wo die Hebel für die Buchstaben mit etwa 30 Arku-Richtmaschinen gerichtet wurden. Dann in den 70er-Jahren begann die Verarbeitung vom Coil in den blechverarbeitenden Betrieben, und dieser Trend hält bis heute an. Das Coil ist ja ein ideales Medium zum Blechtransport. Man kann auf der gleichen Fläche, auf der man sonst Bleche stapeln würde, bis zum 15-fachen an Gewicht unterbringen. Nachdem wir vorher überwiegend Standardrichtmaschinen gebaut hatten, unternahmen wir in den Siebzigerjahren große Anstrengungen, um im kundenindividuellen Anlagenbau Fuß zu fassen. In den letzten Jahrzehnten hat sich Arku zum Marktführer bei Präzisionsrichtmaschinen und kompletten Bandanlagen entwickelt. Mit unserer Vorschubrichtmaschine CompactFeed startete Mitte der 90er-Jahre die Erfolgsgeschichte der »Kurzbauform« in den Pressenwerken. Dies hat ebenso unser Wachstum beflügelt wie die Präsentation der hydraulischen Teilerichtmaschine FlatMaster. Diese Maschine ist besonders gut zum Richten von Laser- und Brennteilen geeignet und hat uns dadurch eine ganz neue Kundschaft erschlossen. Neuestes Kind unserer Entwicklungen ist die Hochleistungsrichtmaschine HiCap. Die HiCap ist die ideale Richtmaschine zum Richten von hochfesten Blechen. Ihr Einsatz ist vor allem in Coil-Service-Centern und in der Automobilindustrie gefragt.

Was hat sich in Bezug auf die Richttechnik in dieser Zeit technisch Besonderes getan?

Die Universalrichtmaschine hat endgültig ausgedient. Für unterschiedliche Anwendungen braucht es jeweils Speziallösungen. Mit Hilfe moderner CAD-Systeme und neuester Berechnungsprogramme werden Richtmaschinen auf ihre jeweilige Aufgabenstellung optimiert. Arku bietet heute weltweit das breiteste Spektrum unterschiedlicher Richtmaschinen an. Alle Präzisions- und Hochleistungsrichtmaschinen sind wartungs- und rüstzeitenfreundlich ausgeführt. Sie haben Richtwalzenschnellwechsel oder gar Kassettenwechsel. Aufgrund des vermehrten Einsatzes von hochfestem Blech kommen zunehmend auch Richtmaschinen mit erweitertem Arbeitsbereich zum Einsatz. Dies wird durch verschiedene Richtwalzenkassetten realisiert.

Was sind die besonderen Herausforderungen, die Sie in Zukunft meistern möchten?

Wir sind inmitten einer starken Wachstumsphase. In den letzten zehn Jahren sind wir mit durchschnittlich 15 % pro Jahr gewachsen. Das zeigt, dass

unsere Neuentwicklungen vom Markt gut angenommen werden. Die Internationalisierung werden wir konsequent vorantreiben. Da man in unserer Branche aber auch immer mit konjunkturellen Rückschlägen rechnen muss, ist es mir sehr wichtig, die solide finanzielle Basis unseres Unternehmens zu erhalten. Schließlich soll Arku auch die nächsten 80 Jahre gut dastehen.

Es fragte: Erik Schäfer

Vita

Geb. 1958. Nach der Bundeswehr und verschiedenen Praktika im Maschinenbau Abschluss des VWL-Studiums in Freiburg 1984. Nach Eintritt ins Familienunternehmen 1988 MBA-Studium bei INSEAD in Fontainebleau. Übernahme der Gesellschaftsanteile und Geschäftsleitung bei Arku 1989. Verheiratet seit 1993 mit Susan Reiss, 3 Kinder (14, 12, und 3). Hobbies: Fitness, Lesen, Familie.

Erschienen in Ausgabe: 10/2008