»Wir kommen aus dem Handwerk«

Technik/Pressen

Der Maschinenbauer Schröder will die Entwicklung seiner Evolution- und Powerbend-Baureihen vorantreiben und die Maschinen für das Handwerk weiter anpassen. Dies berichten die beiden Geschäftsführer Matthias und Sebastian Schröder.

13. Oktober 2014

Meine Herren, Schröder Maschinenbau wird dieser Tage 65 Jahre alt. Nennen Sie uns doch bitte die wichtigsten Stationen in der Geschichte Ihres Unternehmens!

Sebastian Schröder (S. Schröder): Unser Großvater hat 1949 mit der Reparatur und kurz darauf mit dem Handel von Landmaschinen begonnen. 1963 startete er die Serienproduktion von Abkantmaschinen; 1965 folgte die erste Exzenter-Tafelschere. Mitte der 80er-Jahre erhielten unsere Maschinen die ersten Elektronikkomponenten. In der eigenen Produktion setzen wir seit den 70ern CNC-Maschinen ein. Die erste Intellibend wurde im Jahr 2004 auf der Euroblech vorgestellt und das erste vollautomatische Biegezentrum war vier Jahre später, also im Jahr 2008, und zwar wiederum auf der Euroblech zu sehen.

Eine weitere Station im Unternehmen war mein Einstieg und der meines Bruders Matthias in die Geschäftsleitung. Das war im Jahr 2012. Uns beiden war schon in der Kindheit klar, dass dies einmal so kommen würde, und offen gestanden, wir wollten auch nie etwas anderes.

Heute haben Sie ein breit gefächertes, aber auch in die Tiefe gehendes Produktspektrum. Woran liegt das?

Matthias Schröder (M. Schröder): Das kommt aus der Historie heraus. Wir haben immer weiter entwickelt, aber dennoch bewährte Produkte am Leben erhalten, weil die sich einfach gut verkaufen. Wir bauen immer neue Generationen unserer Baureihen, machen die Technologieschritte mit und verbessern dabei auch die älteren Maschinen, indem wir sie den neuesten Technologie-Standards anpassen. Dadurch entstand unser breites und tiefes Produktspektrum.

Welche Gründe hatten Sie für diese Diversifikation in Richtung Industrie?

S. Schröder: Wie schon gesagt, wir konnten unser Kundenpotenzial erheblich erweitern, und das auf Basis unseres reichlich vorhandenen Know-hows. Da wir uns seit jeher im Highend-Bereich positioniert hatten, war es für uns kein Problem, die Ansprüche der Industrie zu erfüllen.

Wie kann man ihre Industriekunden klassifizieren?

M. Schröder: Das Spektrum reicht von Serienfertigern bis Lohnfertigern. Die Frage lässt sich nur schwer beantworten. Wer beispielsweise ein eigenes Produkt hat, fertigt nicht 500 gleiche Bauteile, sondern hat vielleicht nur ein Blech pro Produktionseinheit zu bearbeiten.

Was unterscheidet die Maschinen fürs Handwerk von denen für die Industrie?

M. Schröder: Zum einen ist da die Evolution-Baureihe, die von der Technologie auf einen Dreischichtbetrieb ausgelegt ist. Für das Handwerk fertigen wir dagegen robuste Maschinen, die nur in unregelmäßigen Zeitabschnitten zum Einsatz kommen. Entsprechend sind auch die Komponenten ausgelegt. Dasselbe gilt für kleine und mittlere Industriebetriebe. Maschinen für die Industrie sind für den Dauereinsatz gebaut, und sie müssen absolut prozesssicher funktionieren. Für solche Unternehmen, die im Zwei- oder Dreischicht-Betrieb arbeiten, liefern wir vollautomatische Maschinen aus der Evolution-Baureihe.

Ihr Produktprogramm ist sehr breit und tief gefächert. Nennen Sie uns doch bitte Ihre wichtigsten Maschinen für Industrieunternehmen!

M. Schröder: Das breite Produktprogramm ist historisch bedingt. Die Handwerksbetriebe verlangen eine Vielzahl unterschiedlicher Maschinen. Und da sie sich nach wie vor gut verkaufen, erhalten wir sie auch am Leben und entwickeln sie weiter und wollen auch unser Händlernetzwerk immer weiter ausbauen. Wir kommen aus dem Handwerk und das vergessen wir auch nicht. Wir wollen unser breites Pro-duktspektrum beibehalten, weil wir überzeugt sind, dass ein Unternehmen weniger anfällig ist, je breiter seine Produktpalette gefächert ist.

Nimmt das Handwerk Ihr Angebot an nach dem Motto »Alles aus einer Hand«?

M. Schröder: Unser Hauptaugenmerk lag in den letzten Jahren vor allem auf der Entwicklung unserer industriellen Schwenkbiegemaschinen. Wir haben dabei den Markt für Handwerksmaschinen aber nie aus den Augen gelassen und möchten dies auch in Zukunft intensivieren.

Welche Maschinen würden Sie als die Highlights in Ihrem Produktprogramm bezeichnen?

M. Schröder: An vorderster Stelle steht für Schröder ganz klar die Evolution-Baureihe, also die SPB-Evolution und die MAK-4-Evolution. Das sind auch die Maschinen, die bei uns im Unternehmen den Top-Umsatz bringen.

Als zweites Highlight in unserem Programm haben wir im letzten Jahr auf der Blechexpo in Stuttgart unsere PowerBend-Serie mit den Modellen PowerBend Professional und PowerBend Universal vorgestellt. Dort hinein haben wir das Know-how, welches wir bei der Produktion der unterschiedlichen Maschinen der Evolution-Serie gesammelt haben, einfließen lassen und ein Produkt geschaffen, das wir in großen Stückzahlen auf den Markt bringen wollen. Den Preis dafür würde ich durchaus als moderat bezeichnen: Für unter 150000 Euro bekommt der Kunde mit der Powerbend Professional eine voll ausgestattete Up-and-Down-Biegemaschine. Meines Wissens gibt es etwas Vergleichbares am Markt nur zum doppelten Preis.

Und diese Maschine hat der Markt sehr gut angenommen. Wir haben in den ersten Monaten 60 Prozent mehr verkauft, als wir gedacht haben. Für viele Anwender, die die Schwenkbiegetechnik aus dem Handwerk gekannt haben, fällt der Schritt von einer Presse zu einer Schwenkbiegemaschine leichter, wenn er weniger als 150000 Euro statt den doppelten Preis zahlen muss.

Was ist der Vorteil von Schwenkbiegemaschinen?

M. Schröder: Der Umgang mit dem Material. Dem Anwender wird die Handhabung erleichtert und er muss die großen Teile nicht mehr drehen, ist schneller, genauer und flexibler. Es gibt Unternehmen, die nutzen sowohl Pressen als auch Schwenkbiegemaschinen, und es gibt Teile, die sind auf einer Schwenkbiegemaschine schneller und effizienter zu fertigen als auf einer Presse. Und es ist nur ein Bediener erforderlich.

Hinzu kommt die Arbeitserleichterung. Auf unserer Schwenkbiegemaschine lassen sich Bleche bis zu einer Dicke von acht Millimetern bearbeiten. Man stelle sich einmal vor, was das für ein Gewicht ist, das normalerweise bei einem Zwei-Meter-Blech zu stemmen wäre. Das entfällt bei der Schwenkbiegemaschine.

Immer mehr Hersteller arbeiten mit Robotern. Tun Sie das auch?

M. Schröder: Ein Roboter ist langsam und fürs Schwenkbiegen eigentlich uninteressant. Darum sieht man ein solches Werkezug eigentlich auch so gut wie nie bei einer Schwenkbiegemaschine. Und das hat seine Berechtigung, denn er ist nicht so flexibel und daher für unsere Zwecke ungeeignet. Wir nutzen Roboter nur zur Be- und Entladung.

Warum bauen Sie Ihre Steuerungen und Automationssysteme selbst?

S. Schröder: Der Markt für Schwenkbiegemaschinen ist nicht so groß, dass sich die Unternehmen damit beschäftigen. Darum liegt es auf der Hand, dass wir die Steuerungen selber machen, weil wir das notwendige Maschinen-Know-how haben.

Die Steuerungen sind mittlerweile fast das Wichtigste überhaupt. Da sich Schröder auf die Fahnen geschrieben hat, alles aus einer Hand zu bieten, können wir im Bedarfsfall unseren Kunden sehr schnell helfen beziehungsweise unsere Steuerungen genau auf den Kundenbedarf einrichten. Dabei versuchen wir, die Maschinen so »intelligent« wie möglich zu gestalten, damit für die Maschinenbedienung kein Fachpersonal mehr erforderlich ist.

Was ist für Sie Automation?

M. Schröder: Automation bedeutet, dass ich möglichst einfach von einer Platine zum fertigen Bauteil komme und das mit möglichst geringem Personalaufwand. Was in den letzten Jahren sehr stark im Vormarsch ist, das sind die automatischen Werkzeugwechsler. Die Rüstzeit ist bei Pressen viel eklatanter als bei Schwenkbiegemaschinen, weil Sie Ober- und Unterwerkzeuge wechseln müssen, wobei das in der Regel bei der Schwenkbiegemaschine nur beim Oberwerkzeug der Fall ist.

Vor etwa sieben Jahren haben wir die erste manuell bedienbare Schwenkbiegemaschine gebaut mit automatischem Werkzeugwechsler. Mittlerweile hat der Wettbewerb nachgezogen. Vollautomatische Anlagen sind aber nicht unbedingt immer die beste Lösung. Wir müssen bei den Anforderungen immer flexibel reagieren. Eine Maschine aus unserem Sortiment muss sehr viel können, was vollautomatische Anlagen nicht leisten können.

Ein gutes Beispiel sind hier die Rüstzeiten: In einer typischen Anwendung wird zwölf Minuten gerüstet und zwei Minuten gekantet. Da stellt sich dann nicht mehr die Frage »Was kostet so eine Maschine« sondern »Was kann sie?« Deswegen suchen wir immer nach intelligenten Fertigungslösungen, um Fertigungs- und Materialflusszeiten zu verkürzen.

Wie verhält es sich bei Ihren Kunden mit den Programmierzeiten?

M. Schröder: Das ist relativ einfach: Der Kunde hat seine eigene CAD-Software, mit der er seine Blechteile erstellt. Über ein spezielles Abwicklungsmodul können die einzelnen Schritte dann in 3D dargestellt werden. Der Laser oder die Stanze bekommt als erstes Informationen über die Kontur des Bauteils. Die Biegeinformationen sind aber trotzdem darin enthalten.

Anschließend laden wir die Steuerung ein, also Parameter wie Biegelinien, Materialart oder Materialstärke, und dann bauen wir das alles wieder in 3D zusammen, allerdings in dem Format, das wir verwenden können. Wir programmieren ja nicht die Maschine, sondern die Maschine programmiert sich alleine durch die Geometrie, in der das Bauteil im Endeffekt rauskommen soll.

Gutes Personal ist heute oft schwer zu finden. Wie ist das bei Ihnen?

M. Schröder: Wir bilden zunächst einmal im Schnitt zwischen 25 und 28 Lehrlinge über alle Lehrjahre hinweg aus – im kaufmännischen wie auch vor allem im technischen Bereich. Und wenn diese gute Leistungen zeigen, übernehmen wir sie und bilden sie weiter aus beziehungsweise schicken sie zu einer Technikerschule oder zu einer Meisterschule. Unsere 180 Mitarbeiter, die wir hier in Wessobrunn beschäftigen, kommen vornehmlich aus der Region. Allerdings wird der Einzugsbereich allmählich größer. Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit unserem Personal, was sich auch in unserer geringen Fluktuationsrate widerspiegelt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2014