»Wir können nur profitieren«

Fokus/Schweißen

Durch einen Kooperationsvertrag wollen die Carl Cloos Schweißtechnik und das chinesische Unternehmen Shen-Zhen Riland Industry eine ganz neue Generation von Schweißanlagen auf den Weg bringen .

13. Oktober 2014
Gerald Mies (re.) und Simon Qiu, Präsident von Shen-Zhen Riland, unterzeichnen den Vertrag, der eine weitreichende und strategische Zusammenarbeit vorsieht. Bildquelle: Cloos
Bild 1: »Wir können nur profitieren« (Gerald Mies (re.) und Simon Qiu, Präsident von Shen-Zhen Riland, unterzeichnen den Vertrag, der eine weitreichende und strategische Zusammenarbeit vorsieht. Bildquelle: Cloos)

Kooperationen mit Partnern in China sind im Kommen. So hat auch Carl Closs Schweißtechnik aus Haiger mit der chinesischen Shen-Zhen Riland Industry einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Vereinbart wird darin eine weitreichende strategische Zusammenarbeit im Bereich der Produktentwicklung. Erklärtes Ziel der Kooperation ist die Entwicklung einer völlig neuen Generation von Schweißgeräten. Gerald Mies, Geschäftsführer des Spezialisten für Schweißsysteme erzählt über die Hintergründe des Kooperationsabkommens und die Auswirkungen für den deutschen Firmensitz in Haiger, südlich von Siegen.

Herr Mies, welches Ziel hat die Kooperation mit Riland konkret?

Wir stehen noch am Anfang der Entwicklungskooperation. Aber Sie können davon ausgehen, dass es ein enormes Marktpotenzial gibt in dem Segment zwischen den von uns bislang offerierten Hightech- und Highend-Produkten sowie dem Portfolio von Shen-Zhen Riland Industry, das eher auf den Einsteigerbereich und die untere Mittelklasse ausgerichtet ist.

Diese beiderseitige Lücke im Programm wollen wir in partnerschaftlicher Weise schließen. Als Full-Liner können wir dann wesentlich breiter an den internationalen Märkten agieren als bislang.

Bis wann erwarten Sie die ersten Ergebnisse?

Wir sind mit Riland bereits in die produktive Entwicklungsarbeit eingestiegen und sind zuversichtlich, bereits im Herbst das erste Schweißgerät zur Marktreife entwickelt zu haben. Die Weltpremiere auf unserem Messestand zur Euroblech ist jedenfalls fest eingeplant.

Warum ist Cloos den Weg nicht allein gegangen?

Jede unternehmerische Entscheidung orientiert sich an Aufwand, Chancen und Risiken. Den Aufwand, eine völlig neue Geräteserie zu entwickeln, hätten wir mit unserer Kompetenz schon stemmen können. Und sicherlich hätten wir in angestammten Märkten damit Erfolg gehabt, wobei der Wettbewerb in diesen Segmenten hart und das Risiko entsprechend hoch ist. Wir peilen schließlich Marktsegmente an, die für uns neu sein werden und in denen Verdrängungswettbewerb herrscht. Das kann nur erfolgreich, wenn man in der Summe aus Preis und Leistung quantifizierbar besser ist. Genau vor diesem Hintergrund bietet uns die Kooperation mit Riland die Chance, den entscheidenden Mehrwert für den Kunden zu erreichen.

Wäre das von Haiger aus nicht machbar gewesen?

Man kann die Welt heute nicht mehr aus deutscher Sicht sehen. Wie es geht, zeigen exemplarisch die Erfolgsgeschichten der deutschen Automobilhersteller in China und in Deutschland. Bei Cloos ist die Ausgangssituation ähnlich. Unser Stammsitz in Haiger hat unzählige Stärken in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Prozess-Know-how und Hightech-Produktion, die wir zukünftig sogar noch ausbauen werden.

Aber wir können in Haiger keine preissensiblen Geräte für Verdrängungsmärkte bauen, beispielsweise nach Indien oder China transportieren und dort zu marktfähigen Preisen anbieten.

Wird die Kooperation Folgen für den deutschen Standort haben?

Ich bin überzeugt, dass unser Stammsitz in Haiger von der Kooperation nur profitieren kann und wird. Schon jetzt kauft beispielsweise Riland bei uns Hightech-Stromquellen für den chinesischen Markt, die wir selbst nie dort hätten platzieren können. Gleichzeitig beliefert uns unser Partner mit einer Vielzahl elektronischer Bauteile in erst-klassiger Qualität, die uns helfen, unsere Hightech-Produkte wettbewerbsfähiger zu machen.

Durch die Kooperation wird dieses für beide Seiten ertragreiche Wechselspiel zunehmen. Darüber hinaus wird Cloos mit den neuen Geräten zum Full-Liner in der Schweißtechnik, der in den internationalen Märkten, speziell auch in Wachstumsregionen wie Südamerika, Indien oder Südostasien entsprechend breiter und damit auch erfolgreicher agieren kann, was sich unmittelbar auch in Haiger widerspiegeln wird.

Haben Sie keine Sorgen vor einem Knowhow-Transfer?

Wir bei Cloos wissen viel und können viel. Und teilweise können wir gerade im Hightech-Bereich und in der System- und Prozesstechnik heute noch mehr als andere. Man darf sich aber nicht der Arroganz hingeben, Produkte von Cloos wären auf ewig unnachahmbar. Wir haben mit Riland einen Partner auf Augenhöhe gefunden, mit dem wir seit Jahren bereits vertrauensvoll zusammenarbeiten und der zugegebenermaßen von unserer Erfahrung und Kompetenz profitieren wird.

Aber auch Cloos profitiert durch die Zusammenarbeit – und das nicht nur aufgrund der günstigen Produktionskosten in China. Kurzum: Beide Partner werden durch die Kooperation weitaus stärker sein als im Alleingang – und das nicht kurzsichtig, sondern langfristig.

Kann die Zusammenarbeit zu finanziellen Verflechtungen beider Unternehmen führen?

Die Frage ist zwar berechtigt, sie stellt sich für uns zum jetzigen Zeitpunkt gleichwohl noch nicht. Inwieweit sich im Verlauf der vereinbarten Entwicklungskooperation Ansatzpunkte für eine noch engere Zusammenarbeit ergeben werden, muss die Zukunft zeigen. Allerdings sind weder Riland noch wir der Zeit verpflichtet, sondern allein dem Erfolg unserer Unternehmen.

Selbst die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, heißt es in China. Diesen Schritt sind wir nun gemeinsam gegangen. Was sich weiter entwickelt kann, wird sich zeigen, erst einmal wollen wir exzellente Produkte bauen.

Euroblech Halle 13, D25

Erschienen in Ausgabe: 06/2014