Win-win-Situation

Interview/Christof Behren

Ziel von Amada ist, dem Kunden die für seine Einsatzzwecke beste Laserschneidmaschine anzubieten, so versprach Gesamtvertriebsleiter Christof Behrendt auf der Euroblech.

07. Dezember 2010

Amada stellt auf der Euroblech eine ganze Reihe von Neuheiten vor. Was sind aus Ihrer Sicht die Highlights der Messe?

Wir stellen auf der Euroblech 2010 zum ersten Mal einen Faserlaser mit 4000 Watt aus. Und diese Anlage der Baureihe FOL-Fiber präsentieren wir ganz bewusst nicht nur als Lösung für den Dünnblechbereich, denn hiermit erreichen wir auch gute Schneidergebnisse bis 20 mm. Vor allem aber geht es uns auf der Euroblech darum, das Kundenecho einzufangen: Was erwarten unsere Kunden? Was sind die Einsatzbereiche der Maschinen? Welche Lösung ist am besten geeignet?

Wir haben etwa fünf Jahre in die Entwicklung des neuen Faserlasers investiert. Der Laserresonator ist eine Amada-eigene Entwicklung; das heißt, wir können den Fortgang, seien es beispielsweise Leistung, Strahlqualität oder Strahlführung, oder auch die Führungsmaschine, nach unseren Vorstellungen entwickeln und sind nicht auf das angewiesen, was im Markt erhältlich ist.

Sind die 4 kW Laserleistung des Faserlasers ausreichend? CO2-Laser werden doch mit immer höherer Leistung angeboten.

Das hängt von der Anwendung ab. In den letzten Jahren konnte man eine Art Wettrüsten beobachten. Aber der normale Lohnfertiger kommt in der Regel selbst bei einem CO2-Laser mit 4 kW aus. Damit kann man eine große Bandbreite von Anwendungsfällen abdecken. Es mag Einzelfälle geben, wo ein Betrieb höhere Leistungen benötigt, aber das ist eher die Ausnahme.

Die Entwicklung des CO2-Lasers ist aufgrund des geringeren Wirkungsgrades dadurch gekennzeichnet, dass deutlich mehr Leistung aufgebracht werden muss, um eine adäquate Schneidleistung zu erreichen. Mit dem Faserlaser dagegen könnte die Entwicklung in eine andere Richtung gehen. Hier haben wir einen wesentlich höheren Wirkungsgrad. Zudem haben wir mit 4 kW auch bewusst eine Benchmark setzen wollen. Die meisten anderen Faserlaser hier auf der Messe gehen bis 2 oder 3 kW; unser Laser ist der stärkste Schneid-Faserlaser auf der Euroblech. Die Maschine wird sich sehr rasch amortisieren, weil sie schneller arbeitet und einen sehr geringen Energiebedarf aufweist.

Natürlich denken wir über höhere Leistungen nach, auch beim Faserlaser. Ob dies jedoch sinnvoll ist, entscheidet alleine die Aufgabenstellung der Kunden, wobei auch die Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle spielt.

Empfehlen Sie den Festkörperlaser vorrangig für Bunt- und Leichtmetalle oder auch für Stahl?

Mit dem CO2-Laser kann man diese bisher exotischen Bereiche, speziell Kupfer und Messing, kaum abdecken; die Gefahr für die Optiken und die Strahlquelle war definitiv zu groß.

Der Kunde erwartet von uns in erster Linie eine Lösung seiner Aufgabenstellungen: Üblicherweise analysieren wir sein Produktspektrum, die zu schneidenden Materialien, die Materialstärken, Schnittlängen, Stückzahlen und so weiter. Aus dieser Analyse leiten wir einen Anlagenvorschlag ab. Hier gilt es nicht nur festzulegen, welche Strahlquelle die für die Aufgabenstellung am besten geeignet ist, sondern auch das Maschinenkonzept, die Leistung und der Automationsgrad sind ausschlaggebend.

Ein Vorteil des neuen Amada Faserlasers ist unter anderem, dass er eben auch Normalstahl in einer guten Qualität schneidet.

Kommt denn die Maschinendynamik noch mit den hohen Schnittgeschwindigkeiten mit?

Das stellt kein Problem dar. Die Linearantriebe sind immer noch deutlich schneller als der Laserschnitt. Der schnelle Schnitt und die hohen Positioniergeschwindigkeiten stellen allerdings hohe Anforderungen an die CNC. In die Maschinen der Baureihe FOL-Fiber haben wir eine neue Steuerungsgeneration mit deutlich höheren Rechenleistungen eingesetzt, sodass diese den Laser nicht ausbremst.

Wenn nicht die hohe Leistung das Entscheidende ist – worauf kommt es dann an?

Um es auf einen Nenner zu bringen: Wir als Maschinenhersteller sind gehalten, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten, damit der Kunde wirtschaftlich fertigen kann.

Mit dem Faserlaser ist dies deutlich einfacher, man kann je nach Anforderung mehr oder weniger Module einsetzen um eine hohe oder geringe Leistung zu generieren. Die Anlage könnte theoretisch mit ihren Aufgaben wachsen. Diese Flexibilität ist heute mehr denn je gefragt. Welcher Kunde weiß denn heute schon genau, was er in den nächsten zwei bis drei Jahren produzieren wird?

Generell zeichnet sich der Faserlaser durch eine optimale Energiebilanz und geringe Unterhaltskosten aus. Der Laser wird dann eingeschaltet und verbraucht nur dann Strom, wenn er tatsächlich produziert. Die Erweiterung von Produktionsbereichen in Hinblick auf Materialien, die bislang als nicht oder nur schwer schneidbar galten, steht natürlich bei dieser Technik klar im Vordergrund. Nichtsdestotrotz werden wir auch in absehbarer Zukunft weiter zweigleisig fahren, das heißt, mit dem Faserlaser und auch mit dem CO2-Laser. Damit können wir dem Kunden das Verfahren anbieten, welches für seine Produktion am besten geeignet ist. Bei der Anschaffung eines Autos gilt im Grunde dasselbe Prinzip: auch hier stellt sich die Frage nach dem Antrieb, ob Benzin-, Diesel-, Hybrid- oder Elektro. Entscheidend ist letztendlich die Frage nach dem Einsatzzweck.

Warum sollte ein Kunde jetzt in eine neue Laserschneidmaschine investieren?

Es gibt mehrere Gründe. Seien es fehlende Produktionskapazitäten, lang aufgeschobene Ersatzinvestitionen, die Erschließung neuer Produktionsfelder oder der Wunsch, Energie zu sparen – nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch weil es eine messbare Einsparung bei den Produktionskosten bringt.

Welchen Einfluss hat man als Laser- und Schneidanlagenhersteller auf die weitere Entwicklung?

Man kann nur bedingt Trends setzen. Letztlich bestimmen der Kunde und seine Aufgaben über den Erfolg einer neuen Technik. Wir wollten mit unserem neuen FOL-Fiber eine Benchmark setzen, und das ist uns in vielerlei Hinsicht gelungen. Wir haben im Gegensatz zu vielen unserer Mitbewerber ein eigenes Laseraggregat mit eigenem Know-how präsentiert und konnten die vielleicht beste Performance auf der Messe zeigen. Die neue Anlage verfügt über Linearantriebe, die es mit 5 g Beschleunigung bis auf 340 m/min Verfahrgeschwindigkeit bringen. Der neue Faserlaser, das Herz der Maschine, erreicht Schnittgeschwindigkeiten bis 60 m/min bei nur etwa 50 Prozent des Energiebedarfes vergleichbarer Anlagen.

Nicht alle Kunden haben Bedarf an High-End-Lösungen dieser Art, für uns ist wichtig, das anbieten zu können, was der Kunde wirklich braucht. Unser Credo war und ist, gemeinsam mit dem Kunden zu entscheiden, was für ihn die beste Lösung ist!

Hans-Georg Schätzl

Weltweit mit an der Spitze

Der japanische AMADA-Konzern ist einer der weltweit größten Maschinen- und Werkzeughersteller für die Blechbearbeitung und gehört zu den international führenden Unternehmen seiner Branche. Amada bietet ein umfassendes Werkzeugmaschinenprogramm für die Schneid-, Stanz-, Biege- und Lasertechnik mit modularen Automationskonzepten, umfassenden Serviceleistungen, Softwareanwendungen und einem umfangreichen Werkzeugangebot.

AMADA-Technik strebt zukunftsweisende Fertigungslösungen an, die ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit und Produktivität erzielen.

Als internationaler Konzern hat Amada das elementare Ziel, so nah wie möglich am Anwender zu sein, unabhängig davon, in welchem Land er produziert. Die dezentral organisierten Produktionsstätten, Forschungs- und Entwicklungszentren, Niederlassungen und Servicestationen von Amada sollen das Erreichen dieses Ziels weltweit sicherstellen. Die deutsche Niederlassung von Amada befindet sich in Haan (zwischen Düsseldorf und Wuppertal).

Weltweit setzte Amada im Geschäftsjahr 2008/2009 fast 2,3 Mrd. US$ um. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Jahre 2009 von etwa 5750 auf über 6000.

Erschienen in Ausgabe: 06/2010