Wie wird 2006?

Markteinschätzungen, wirtschaftliche Ausblicke, das haben wir uns von unserer großen Umfrage zu Beginn des neuen Jahres erwartet. Die Resonanz war überwältigend. Hier zehn Statements aus der Branche, die eines bestätigen: Man sieht insgesamt positiv ins neue Jahr.

27. Februar 2006

Christof Behrendt, Gesamtvertriebsleiter Amada GmbH, Haan:

Das Geschäftsjahr 2005 ist für Amada ausgezeichnet verlaufen. Der Konzern erzielte einen Gesamtumsatz von 1,55 Milliarden Euro, das entspricht einer Steigerung von 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragseingang um 17,8 Prozent. Alleine die Amada GmbH erzielte ein beachtliches Umsatzplus von 23 Prozent gegenüber 2004. Unsere Meinung ist, dass gerade der Standort Deutschland, im Mittelpunkt des „neuen Europas“, an Attraktivität gewonnen hat und noch weiter gewinnen wird. Für 2006 bieten sich folglich sehr gute Perspektiven, wir gehen von einer weiterhin steigenden Nachfrage und Investitionsbereitschaft aus. Nach wie vor wird sicherlich auch die EU-Osterweiterung positive Effekte auf den inländischen Markt haben, hier insbesondere im Hinblick auf die anhaltende Markterschließung der neuen Beitrittsländer. Die Stimmung in den Märkten ist grundsätzlich gut, auch wenn der Fertigungsdruck aufgrund der steigenden Qualitätsansprüche und immer kürzer werdenden Lieferzeiten nach wie vor anwächst. Die Qualität und kurze Lieferzeiten bei mittleren Losgrößen werden zu den entscheidenden Kriterien bei der Nachfrage gehören. Die Trends im Inlandsmarkt gehen, verstärkt in Richtung der automatisierten Blechfertigung. Insbesondere die Roboter unterstützte Automation in der Abkant- und Umformtechnologie wird dabei eine immer größere Rolle spielen. Alles in allem geht Amada von einem positiven Verlauf für das Jahr 2006 im deutschen Markt aus und rechnet erneut mit zweistelligen Zuwachsraten.

Albert Reiss, GF der Arku Maschinenbau GmbH, Baden-Baden:

Dem Jahr 2006 sehen wir bei Arku mit Optimismus entgegen. Grund dazu haben wir nach einem für uns erfolgreichen Jahr 2005 allemal. Umsatz und Auftragseingang wuchsen mit zweistelligen Zuwachsraten. Erfreulich ist dabei, dass unsere Neuentwicklungen einen großen Beitrag dazu geleistet haben. Durch eine besondere Belebung im vierten Quartal starten wir mit einem guten Auftragsbestand ins neue Jahr. Aufgrund der hohen Anfragentätigkeit erwarten wir einen weiterhin stabilen Auftragseingang in 2006 - auch aus dem Inland. Positiv bewerten wir auch die Entwicklung auf dem nordamerikanischen Markt, den wir seit 2004 mit einem eigenen Vertriebs- und Servicebüro in Detroit betreuen. Weitere Zuwächse erwarten wir uns im Bereich Kundenservice, der bereits jetzt eine herausragende Stellung im Unternehmen einnimmt und im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gewachsen ist. Als Risiken betrachten wir gesamtwirtschaftliche Entwicklungen wie zum Beispiel einen starken Anstieg der Energiepreise und eventuelle Folgen für die Automobilindustrie.

Patrick Diederich, GF der Bystronic Deutschland GmbH, Leonberg:

Nach einem guten Ergebnis im vergangenen Jahr rechnen wir in Deutschland auch 2006 mit einem anspruchsvollen, aber insgesamt positiven Marktumfeld. Nicht zuletzt dank der guten Entwicklung von Bystronic Deutschland ist Bystronic bestens gerüstet, auch im laufenden Jahr ihren hiesigen Marktanteil weiter zu erhöhen. Die Investitionsbereitschaft ist zwar nach wie vor verhalten, aber spürbar zunehmend. Viele Blech verarbeitende Unternehmen nutzen das derzeit niedrige Zinsniveau, um mit einer Investition in neue, leistungsfähige und hoch wirtschaftliche Bystronic-Lösungen eine deutlich verbesserte Wettbewerbssituation zu erlangen. Dass die Unsicherheit im Vorfeld der Regierungsbildung mittlerweile beseitigt ist, wird nach unserer Einschätzung ebenfalls einen positiven Einfluss auf das Marktgeschehen haben, und wir dürfen gespannt sein, mit welchen Inhalten das von der neuen Regierung angekündigte Konjunkturpaket ausgestattet wird. Daneben stützen der Euro-Dollar-Wechselkurs sowie eine breite Dynamik der Weltwirtschaft die Exportaussichten für die kommenden sechs Monate.

Dr. J. Hohnaus, Geschäfts­bereichsleiter Umformtechnik, Dieffenbacher:

Strukturelle Änderungen in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie sowie gestiegene Anforderungen an den Produktionsprozess der blechverarbeitenden Industrie zwingen auch Ausrüster wie die Firma Dieffenbacher, einer der führenden Hersteller von hydraulischen Pressen und Anlagen, umzudenken und sich für die Zukunft zu rüsten. Der weiteren Entwicklung ist zu entnehmen, dass wenige, aber große Zulieferer immer mehr Pressteile oder ganze Module liefern werden. Hier eröffnet sich ein Markt für uns, da diese großen Zulieferer ihre Kapazitäten zwangsläufig erweitern müssen. Diese Erweiterung wird überwiegend in Europa und Asien stattfinden. Besonders interessant wird Osteuropa werden, das den Zulieferern mit den niedrigen Lohnkosten, sehr flexiblen Arbeitszeiten und niedrigen Steuersätzen besondere Vorteile bietet. In der mittelständischen Industrie, die auch von der Verlagerung in der Lieferkette profitieren sollte, ist derzeit ein Investitionsstau zu erkennen. Vor allem in Deutschland wurde in den letzten fünf Jahren nur wenig in Neupressen investiert. Dieser Investi­tionsstau muss sich zwangsläufig lösen, jedoch ob dies bereits 2006 sein wird, ist gänzlich ungewiss. Hohe Investitions- und Lohnnebenkosten sowie eine unsichere Zukunft schrecken unseren Mittelstand vor Neuinvestitionen bei Pressen ab. Deshalb sehen wir bei diesen gegebenen Randbedingungen für 2006 noch keine Erholung oder gar einen Wiederaufschwung des Pressenmarktes. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir auch für 2006 ein schwieriges Jahr im Bereich der Blechumformung voraussehen, in dem nur in Nischen ausreichende Erträge erwirtschaftet werden können. Da wir jedoch im Gesamtbereich Umformtechnik eine Vielzahl solcher Nischen bedienen, sehen wir nach einem erfolgreichen Jahr 2005 auch 2006 wieder optimistisch entgegen.

Johannes Hülshorst, GF Hieger GmbH, Rietberg-Mastholte:

Durch das große Interesse in der blechverarbeitenden Industrie an unserem Produkt „synchropress“ komme ich zu vielen Gesprächen mit den Entscheidern in dieser Branche. Grundsätzlich lässt sich hier ein Trend zu mehr Investitionsbereitschaft beobachten. Der Eindruck, dass sich hier in der Vergangenheit etwas aufgestaut hat, ist vorhanden. Die politischen Veränderungen der letzten Wochen scheinen hier ebenfalls eine noch bis vor kurzem vorhandene latente Angst vor der wirtschaftlichen Entwicklung abzuschwächen. Für viele Unternehmen ist es ein wichtiges Thema, größere Investitionen finanziell zu bewältigen. Basel II macht für die Betriebe ihre Entscheidung sicherlich nicht leichter. Ich glaube, dass ein zu erkennender wirtschaftlicher Aufschwung einhergeht mit einer konstruktiveren Art und Weise der Mittelbeschaffung. Die Betriebe sollten stärker die Alternativen wie z.B. Leasing in Betracht ziehen. Im Bereich des Arbeitsmarktes wird ein weiterer Stellenabbau stattfinden, er wird allerdings über die ganze Branche gesehen wesentlich schwächer ausfallen als in den letzten Jahren. Wir begegnen mit unserer neuen, rein elektrisch angetriebenen Presse synchropress natürlich sehr stark dem Bestreben, Produkte durch komplexere Fertigungsvorgänge noch kostengünstiger herstellen zu können. Mit diesen verbesserten Kostenstrukturen wird es möglich, der starken Abwanderung von Fertigungsprozessen ins Ausland zu begegnen. Dies ist ein Prozess, der sicherlich über eine längere Zeit wachsen wird. Die Beobachtung, die ich in diesem Zusammenhang mache, ist eine Art Aufbruchstimmung. Die Möglichkeiten, die sich mit dieser neuen Technologie auftun, werden jetzt mehr und mehr in der Branche erkannt. Für synchropress zeigt sich das Jahr 2006 von seiner besten Seite, die Nachfrage nach unserem Produkt ist enorm. Wir werden versuchen, durch Standardisierung der großen Nachfrage nachzukommen.

Heiko Müller, GF Müller Stanz- + Umformtechnik GmbH + Co. KG, Gefrees:

Seit Sommer 2005 hat sich die Bereitschaft auf dem Markt deutlich verbessert, im Bereich der Investitionsgüter wieder zu investieren. Dies zeigt sich an zwei Zahlen. Der Angebotsbestand ist derzeit circa fünf Mal höher, als noch vor einem Jahr. Der Auftragseingang 2005 liegt um ca. 50?% höher, als im Jahr 2004, womit sich der derzeitige Auftragsbestand auf einem Rekordniveau befindet. Getragen wird dies vor allem durch ein starkes Anwachsen der Inlandsnachfrage im Bereich der Systemlösungen und Komplettanlagen. Die jahrelange Investitionspause scheint beendet, oder zumindest unterbrochen. Für 2006 erwarten wir einen Umsatzanstieg von circa 30 Prozent, was mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl von circa 10 Prozent begleitet wird. Die derzeitige Ausbildungsquote von etwa 10 Prozent wird beibe­halten. Größte Wachstumsbremse scheint derzeit allerdings der Mangel an gut ausgebildeten Facharbeitern, Technikern und Ingenieuren zu sein. Die Fa. Müller Stanz- + Umformtechnik ist Komplettlieferant für die Stanz- und Umformtechnik, wobei mittlerweile fast die Hälfte des Umsatzes im Bereich Pressenperipherie und Automatisierung erwirtschaftet wird. Rund 60 Prozent des Jahresumsatzes wird derzeit mit Sondermaschinen- Neu- und Weiterentwicklungen generiert. Wir werden konsequent in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investieren und damit Arbeitsplätze in Deutschland zu halten und neue zu schaffen.

Lutz Abram, Geschäftsführer PS Laser GmbH & Co. KG, Thedinghausen:

In unserer Branche - Metallbearbeitung mit Laserlohnfertigung - sehe ich für 2006 einen verstärkten innerdeutschen Verdrängungswettbewerb. Hierbei beeinflussen zum Beispiel bezuschusste Anlagen und Personal in den neuen Bundesländern und zunehmend bei osteuropäischen Anbietern. Wir müssen uns regelmäßig mit anderen, auch erheblich kostengünstigeren Alternativstandorten messen lassen. Bestehen können wir als Unternehmen nur, wenn sich die im Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten aus Löhnen, Lohnnebenkosten und sonstigen Abgaben durch technologische und strukturelle Vorsprünge rechtfertigen lassen. Das heißt: Wir können nur um so viel teurer sein, wie wir besser sind als der Wettbewerb ... innerhalb Deutschlands bzw. Europas! PS Laser wird den in den letzten Jahren erfolgreichen Weg weiter beschreiten und mit innovativer Anlagentechnik, permanenten betriebsinternen Optimierungen und einer offensiven Marktpräsenz die bestehenden Kunden zufrieden zu stellen und neue Kunden und Anwendungsfelder anzugehen. Wir werden in 2006 weiter wachsen und streben eine Verbesserung des letztjährigen Ergebnisses an - klein, aber fein mit additiver Power!

Dr.-Ing. Peter Zeller, Vorsitzender des Vorstands der Schuler AG:

Für das Geschäftsjahr 2005/06 erwartet der Schuler Konzern keine wesentliche Veränderung der Investitionstätigkeit der internationalen Automobil- und Zulieferindustrie. Der Schwerpunkt des Aufbaus weiterer Presswerkskapazitäten wird unverändert in den Wachstumsmärkten in Asien und Osteuropa liegen. Der interna­tionale Fertigungsverbund von Schuler mit Produktionsstandorten in Europa, Südame­rika und Asien bedeutet einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bei der flexiblen Belieferung dieser Regionen. In den traditionellen Märkten in Westeuropa und Amerika werden sich die Investitionen der Kunden auf erhöhte Wirtschaftlichkeit des Produktionsprozesses sowie auf den Einsatz neuer Technologien konzentrieren. Mit innovativen, marktgerechten Produkten und Dienstleistungskonzepten zur Neuausrüstung und Modernisierung von Presswerken wird Schuler auch von diesem Trend pro­fitieren. Insgesamt rechnet Schuler für 2005/06 mit einer Geschäftsentwicklung auf dem Niveau des Vorjahres.

Hans-Jochen Beilke, GF Marketing und Vertrieb, Trumpf Werkzeugmaschinen GmbH + Co. KG, Dietzingen:

Die Trumpf Gruppe ist auch für das Kalenderjahr 2006 zuversichtlich gestimmt. Unser Optimismus kommt von überaus positiven Reaktionen aus nahezu allen Weltmärkten. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung in den USA, in Asien und Osteuropa. Wir erwarten für unser Geschäftsjahr, welches am 30.06.2006 zu Ende ist, erneut einen Zuwachs in der Größenordnung von 100 Mio. Euro, was uns auf circa 1,5 Mrd. Euro Gruppenumsatz bringen wird. Erst vor wenigen Tagen haben wir unsere Herbst-INTECH (Herbst 2005, Anm. d. Red.), eine Hausausstellung, durchgeführt, die auch zu unserem Optimismus beiträgt. Noch nie hatten wir so viele Besucher, insbesondere auch aus dem Ausland, und noch nie wurden so viele Abschlüsse getätigt, wie bei dieser Veranstaltung. Optimistisch stimmt uns auch unser Innovationsprogramm. Wir werden wie gewohnt auch in 2006 einige Neuheiten präsentieren, die unsere Marktposition weltweit weiter festigen werden.

Wolfgang Fritsch-Albert, Vorstandsvorsitzender der Westfalen AG:

Nahezu alle wesentlichen Konjunktur­indikatoren und Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen für 2006 einen Aufwärts­trend an. Und auch die Endverbraucher scheinen konsumfreudiger zu werden, obwohl oder vielleicht gerade weil unsere neue Regierung einige auch schmerzliche Schritte angekündigt hat. Diese lassen den Willen zum Handeln erkennen, und das macht Mut. Für die Westfalen AG erwarte ich insgesamt einen Geschäftsverlauf etwa auf dem Niveau von 2005. Unser sehr erfolgreicher Geschäftsbereich Technische Gase sieht sich jedoch mit saftigen und nicht zu umgehenden Preissteigerungen bei Strom konfrontiert. Bei der Produktion der Gase ist elektrische Energie, vor allem für die Luftgase, der entscheidende Kostenfaktor. Nach der bereits erheblichen Verteuerung der Kraftstoffe und der Mauteinführung, kommen wir um Preisanpassungen nicht umhin. Zudem werden wir in diesem Bereich, selbst bei weiter steigendem Absatz, einen Ergebnisrückgang hinnehmen müssen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2006