Wie von der Tafel, aber vom Coil

Technik - Bandanlagen

Eine neue flexible Bandanlage kann Teile nicht nur in der Quer-, sondern auch in der Längsrichtung ineinander verschachteln. Hauptvorteil ist eine starke Reduzierung der Coilvorräte im Lager des Benützers.

10. September 2012
Die Querteil-, Stanz- und Längsteilanlage von Dimeco benötigt wenig Platz.
Bild 1: Wie von der Tafel, aber vom Coil (Die Querteil-, Stanz- und Längsteilanlage von Dimeco benötigt wenig Platz. )

Das französische Unternehmen Dagard ist Hersteller isolierter Kühlanlagen und Reinräume. Da gibt es viele Blechwände, Hauben und Umhausungen in allen möglichen Formaten. Es gibt kaum noch Standardanfertigungen. Man muss sich jedes Mal den produktspezifischen Gegebenheiten anpassen.

Bisher verfügte Dagard über eine Dimeco-Querteilanlage zur Produktion von Tafeln. Diese wurden mit Hilfe einer Stanzmaschine gelocht, um dann auf Biege- oder Abkantpressen verformt zu werden.

Folienbeschichtung und Stanzen integriert

Die neue Aufgabe bestand darin, den Prozess der gestanzten Tafeln zu optimieren, die Fertigungszeiten zu reduzieren und Material zu sparen.

Dimeco hat diese neue Linie konzipiert, basierend auf einer traditionellen Bandanlage für Coils mit einer Bandbreite von 1300 Millimeter und einer Blechdicke bis 1 Millimeter. Die Anlage besteht aus einer Haspel für 8-Tonnen-Coils, einer Richtmaschine und einem Walzenvorschub – alles nur Dimeco-Standardmaschinen. Im Bereich der Bandanlage befindet sich zudem eine Folienbeschichtungseinrichtung oben und unten, da es sich meistens um Sichtteile handelt, die während des Bearbeitungsprozesses geschont werden müssen.

Anschließend ist die Linie mit einer elektrischen Stanzmaschine ausgestattet, einem Tintenstrahldrucker für die Markierung der Teile, einer Querteilschere, einer programmierbaren Längsschere und einem Fanuc-Palettierroboter.

Grundsätzlich kann diese Linapunch-Coilstanzmaschine alles, was ein Stanzautomat ab Tafel macht, aber eben vom Coil. Eingesetzt wird der elektrische Stanzautomat mit zwei oder mit vier Werkzeugkassetten in Stanzlinien mit Bandbreiten von 520 bis 1650 Millimeter.

Anwendungen der Maschinen sind beispielsweise in der Produktion von Teilen für die Gebäudetechnik, von Metallmöbeln, von Beleuchtung oder im Schaltschrankbau. Ganz grundsätzlich spricht einiges für die Fertigung vom Coil. So sind der Einkauf, der Transport, das Lagern und das Handling von Tafelblechen in der Regel teuer und aufwendig. Zudem können vom Coil auch sehr lange Teile produziert werden, und das bis zur gesamten Bandbreite. Der Schrottanteil ist geringer.

Sehr kurze Be- und Entladezeiten

Im Vergleich zu CNC-Stanzautomaten und Lasermaschinen sind die Lade- und Entladezeiten für Coilanlagen zudem sehr kurz. Insbesondere für Großserien sind Coilanlagen rentabler, zumal dann ein Bediener gleichzeitig mehrere Maschinen betreuen kann.

Mit der Linapunch kann das Material kratzerfrei von oben und von unten bearbeitet werden. Und letztendlich verbinde die Maschine, so die Hersteller, eine bislang unerreichte Energieeffizienz mit höchster Produktivität. Servomotoren ersetzen Hydraulikstempel. Stattdessen gibt es nur zwei synchron verfahrende Servomotoren von Siemens, die über eine einfache Kniehebelmechanik und eine zentrale Stößelplatte die Hubbewegung ausführen. In diesem Fall bis zu 200-mal pro Minute beim Stanzen und bis zu 400-mal beim Nibbeln, bei Stanzkräften von 2 x 200 Kilonewton.

Platz für 52 Standard-Stanzwerkzeuge

Der obere und der untere Totpunkt des Kniehebelsystems sind frei programmierbar und lassen sich an die jeweilige Stanzaufgabe anpassen. Daraus ergeben sich für jede Anwendung günstige Kraftverhältnisse und kurze Zykluszeiten. Das Stanzen wird über zwei sogenannte Striker (Hämmer) zwischen der Stößelplatte und den bis zu 52 Standardwerkzeugen realisiert. Dazu werden zuerst die jeweiligen Stanzwerkzeuge in Querrichtung in Position gebracht. Diese sind paarweise in an den Seiten angeordneten Kassetten montiert, die unabhängig voneinander in Querrichtung über Kugelrollspindeln und Servomotoren verfahren werden.

Die Werkzeugkassetten lassen sich leicht herausziehen und sind in Minutenschnelle mit den erwünschten Standard-Tools bestückt. Die Werkzeuge fahren eine beliebige Position auf dem Blech an, zeitgleich werden die Striker über dem Werkzeug positioniert und lösen den Stanzhub aus. Zu den neun Servoachsen von Vorschub und Grundmaschine können zusätzliche Achsen genutzt werden, wie Auto-Index Revolver-Werkzeuge. Die Installation des elektrischen Stanzautomaten ist einfach, ist gut zugänglich und benötigt wenig Aufstellfläche.

Auf Maß Schneiden und Stapeln

Gleich hinter der Stanzmaschine befindet sich die Ablängschere. Die gestanzten und auf Maß geschnittenen Platinen werden von servo-motorisch angetriebenen Zangen gegriffen und indexiert. Eine Viermeter-Längsteilschere von Schechtl kann nun die in die richtige Breite geschnittenen Platinen einem Fanuc-Roboter übergeben. Dieser legt die Platinen in ein Neunfach-Regalsystem.

Der Roboter kann die Platinen von oben oder von unten packen. Somit sind dann für spätere Bearbeitungen keine mühseligen Kippoperationen von Teilen in Abmessungen bis immerhin 4 x 1,3 Metern erforderlich.

Automatische Programmierung

Insgesamt müssen in der Linie 13 elektromotorisch bewegte Achsen schnell und präzise miteinander koordiniert werden. Dafür ist das Dimeco- Steuerungssystem Simostar zuständig, eine Kombination aus dem antriebsbasierenden Motion-Control-System Simotion D und einem netzwerkfähigen Multi-Panel des Typs Simatic MP 377 von Siemens.

Stanzprogramme können über das Hausnetz oder USB-Stick eingespielt, aber auch komfortabel bei laufender Produktion erstellt, editiert und auf Knopfdruck in die Steuerung übernommen werden.

Für die Verschachtelung sehr komplexer wird das CAM-Tool Radan eingesetzt, das aus DXF-Daten automatisch Tabellen für Simotion generiert. Das System erkennt die zu produzierenden Teile und generiert automatisch die richtigen Programme (Stanzgeometrie, Länge, Breite, Stapeln im richtigen Regalfach).

Euromold Halle 27, Stand H80

Zahlen & Fakten

Seit 50 Jahren bietet Dimeco Alipresse ein breites Spektrum an Bandanlagen für nahezu jeden Anwendungsfall : Haspeln, Richtmaschinen und CNC-Vorschübe. Diese Bandanlagen sind für alle Coil-Anwendungen in der Stanzindustrie einsetzbar.

Zudem bietet Dimeco Alipresse komplette kundenspezifische flexible Stanzlinien an, basierend auf Coil-Technik, die Flexilines. Diese Blechbearbeitungsanlagen integrieren unterschiedliche Operationen wie Stanzen, Nibbeln, Profilieren oder Biegen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2012