Wider den Fachkräftemangel bei Konstrukteuren

Am 8. Oktober startete das Projekt „Konstrukteur 2020".

17. November 2010

Die Konstrukteure fehlen. Und es fehlen immer mehr. Das Problem ist das Image. „Es gibt dieses Bild, dass Konstrukteure den ganzen Tag nur vorm Rechner sitzen, dabei sind sie eigentlich die Treiber und Gestalter im Entwicklungsprozess, von der Ideenfindung bis zur Erprobung", sagt Friedrich Charlin, Diplom-Ingenieur und Projektbetreuer am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover. Um das aktuelle Berufsbild sichtbar und die Ausbildung attraktiver zu machen, starteten Wissenschaftler am Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover (PZH) zusammen mit weiteren Partnern am 8. Oktober das Projekt „Konstrukteur 2020".

Mit dem Projekt will ein interdisziplinäres Team aus Mitgliedern der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), des Instituts für Produktentwicklung des Karlsruhe Instituts für Technologie, der Hochschulforschung Wittenberg und des IFW der Leibniz Universität Hannover dem Klischee Fakten entgegensetzen. Ziel ist es, den Studienschwerpunkt Konstruktion für angehende Ingenieure attraktiver zu machen und so dem bestehenden und prognostizierten Mangel an Konstrukteurinnen und Konstrukteuren entgegenzuwirken.

Diesen Mangel haben die Acatech-Mitglieder Professor Dr.-Ing. Berend Denkena, Leiter des IFW, und sein Vorgänger Professor em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. mult. Dr. h.c. Hans Kurt Tönshoff in vielen Berufsjahren in der Industrie und als Hochschullehrer im Maschinenbau feststellen müssen. „Wir haben das Problem in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften getragen", erläutert Denkena, „und freuen uns nun über die Möglichkeit, mit dem Projekt Konstrukteur 2020 zu einer grundlegenden Lösung beitragen zu können. Denn ohne Konstrukteure steht der Innovationsmotor der deutschen Industrie irgendwann still."

Der gestalterische Spielraum für Konstrukteure könnte kaum größer sein - gleiches gilt aber auch für die Anforderungen an sie: In den vergangenen Jahren haben sich Materialien, Produkte, Prozesse und computergestützte Entwurfstechnologien enorm verändert. Längst ist nicht mehr nur von mechatronischen, sondern auch von adaptronischen und opto-elektronischen Komponenten die Rede, zum Berufsalltag gehören komplexe Abstimmungs- und Managementaufgaben. Innovation und Wertschöpfung in der Produktion hängen daher immer mehr vom Know-how exzellent ausgebildeter Konstrukteure ab. Doch der Arbeitsmarkt entwickelt sich gegenläufig: Die ohnehin zu wenigen Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge meiden noch dazu die Konstruktion, offenbar erscheinen ihnen Schwerpunkte wie Produktion, Betriebsorganisation oder Logistik attraktiver. Und es fehlt nicht nur an Nachwuchs – für die bereits in der Industrie tätigen Konstrukteure gibt es kaum angemessene Weiterbildungskonzepte.

Im Projekt wird zunächst der Ist-Zustand erhoben: Was lernen Konstrukteure in deutschen Hochschulen heute, wie arbeiten sie zurzeit, welche Anforderungen kommen aus der Industrie? Daraus werden - in Zusammenarbeit mit Experten aus der Hochschullehre und der Industrie - Empfehlungen für die künftige Hochschulausbildung von Konstrukteuren und deren spätere berufsbegleitende Weiterbildung abgeleitet.