Wettbewerbsfähig

Technik/Rohrbearbeitung

Was kann ein mittelständisches Unternehmen tun, um die wachsenden Marktanforderungen gewinnbringend zu nutzen? Der Rohrleitungsbau Süd hat sich eine Längsnahtschweißmaschine von Schnelldorfer angeschafft.

22. März 2018
Damit tatsächlich alle Durchmesser auf der Maschine geschweißt werden können, sorgt eine motorische Höhenverstellung dafür, dass die Holmhöhe zwischen 1.100 und 4.100 Millimetern variierbar ist.
Bild 1: Wettbewerbsfähig (Damit tatsächlich alle Durchmesser auf der Maschine geschweißt werden können, sorgt eine motorische Höhenverstellung dafür, dass die Holmhöhe zwischen 1.100 und 4.100 Millimetern variierbar ist.)

Die 1975 gegründete Rohrleitungsbau Süd GmbH ist auf den Apparate-, Behälter- und Anlagenbau für Industrieanlagen spezialisiert. Schwerpunkte sind Engineering und Bau von Edelstahltanks, Edelstahldruckbehältern und Kolonnen. In den vergangenen Jahren zeigte sich hier der Trend zu immer größeren Anlagenformaten.

Das ließ die Vorfertigung im Werk an ihre Grenzen stoßen. Anlagen und Tanks mussten zunehmend auf der Baustelle gefertigt werden. Einige Aufträge mussten Geschäftsführer Ralf Ferhadbegovic und der kaufmännische Leiter Dr. Edwin Ferhadbegovic sogar ablehnen. In dieser Situation investierten die Brüder zwischen 2013 und 2015 rund vier Millionen Euro, um ihre Produktionsanlagen an die Anforderungen anzupassen und neue Märkte zu erschließen.

Dabei trieben sie zwei große Ziele: kürzere Rüstzeiten und die Werksfertigung größerer Bauteile. Waren bis 2013 Bauteile mit 20 Tonnen Gewicht die Obergrenze, liegt die Kapazitätsgrenze heute bei 80 Tonnen.

Flexibel automatisieren

Ein wichtiger Bereich für die Realisierung dieser Pläne war das Längsnahtscheißen von Großbehältern. Das bisher eingesetzte Tandem- oder Spiegel-Handschweißverfahren hatte zwar den Vorteil hoher Flexibilität, aber das Schweißergebnis hing in den Augen der Geschäftsführung zu stark vom persönlichen Können der Mitarbeiter ab.

Zudem sollten das Produktionstempo und die Homogenität der Schweißnahtqualität verbessert werden. »Dieser Punkt war uns besonders wichtig, weil wir viele Behälter mit integriertem Rührwerk bauen, oder solche, die einen hohen Druck aushalten müssen«, erläutert Ralf Ferhadbegovic. »Da gibt es keine Kompromisse. Die Schweißnähte müssen fehler- und porenfrei sowie röntgensicher ohne Bindefehler sein.«

Die Lösung für diese Herausforderung fanden die Ferhadbegovics bei dem Schweißmaschinenhersteller Schnelldorfer Maschinenbau, dessen Projektleiter im technischen Vertrieb Cengiz Yel die Wunschliste des Brüderpaares am besten in ein konkretes Maschinenangebot umsetzte. Das an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg angesiedelte Unternehmen bietet mit seiner Produktionslinie ›Elena‹ individuell bestückbare Längsnahtschweißmaschinen an. Die Bandbreite reicht je nach Maschinentyp von Rohrdurchmessern zwischen 30 Millimetern bis zu sechs Metern oder von 0,25 bis 12 Millimeter Blechstärke.

Rohrleitungsbau Süd entschied sich für eines der größten Modelle, die ›Elena 3100-II‹. Deren Eckdaten sind beeindruckend. Aufgebaut bringt sie es auf eine Kompletthöhe von 6.280 Millimeter und hat das stolze Gewicht von 17.350 Kilogramm. Sie kann Bauteile bis zu einem Durchmesser von fünf Metern, einer Länge von 3.100 Millimeter und einer Wandstärke von einem bis zwölf Millimeter schweißen.

Doch es war die technische Ausstattung und die komfortable Bedienbarkeit der Schnelldorfer-Längsnahtschweißmaschine, die das Brüderpaar Ferhadbegovic begeisterte. Das Besondere an der auf die Bedürfnisse der Rohleitungsbau Süd angepasste Elena 31200-II ist, dass sie Blechstärken bis zwölf Millimeter ohne Nahtvorbereitung schweißen kann.

Damit entfällt ein ganzer Arbeitsschritt, der für das vorher eingesetzte Handschweißverfahren unabdingbar war.

Schweißen ohne Nahtvorbereitung

Als Schweißverfahren wird das Plasmastichlochverfahren eingesetzt. Das ermöglicht, bei geringer Energiezufuhr hochlegierte Werkstoffe in einer Lage im I-Stoß zu schweißen. Selbst bei großen Blechstärken können dadurch Sonderwerkstoffe wie Hasteloy, Titan und Inconel sauber mit feinen anlauffreien Schweißnähten verschweißt werden. Und das in einer Qualität, die auch unterm Röntgen-Gerät zuverlässig die Prüfung besteht.

Gleichzeitig sorgt die einfache Bedienbarkeit der Maschine über eine SPS-Siemens-Steuerung dafür, dass an der gewohnten Flexibilität keine Abstriche zu machen sind. Der Maschinenbediener kann über das Touch-Display Schweiß- und Bewegungsparameter schnell und komfortabel einstellen. Ein Softwarepaket speichert und verwaltet rund 200 Bearbeitungsprogramme. Diese können bei Bedarf aufgerufen werden. So sind wiederkehrenden Tätigkeiten schneller umzusetzen. Verschiedene Einstellungen wie Drahtvorschub, Geschwindigkeit, Stromstärke und Plasmagas können über eine Fernbedienung während des Schweißvorgangs verändert werden.

Die nächste Herausforderung war, die Längsnahtschweißmaschine für die gewünschten Durchmesser von 300 bis 5.000 Millimeter einzurichten. Damit tatsächlich alle Durchmesser auf der Maschine geschweißt werden können, sorgt eine motorische Höhenverstellung dafür, dass die Holmhöhe zwischen 1.100 und 4.100 Millimeter variierbar ist.

Das Tempo für diesen Vorgang ist beeindruckend: Im Eilgang schafft die Elena 3100-II 1.200 mm pro Minute. »Die Längsnahtschweißmaschine leistet einen wichtigen Beitrag zur Verkürzung der Arbeits- und Umrüstzeiten beim Behälterbau«, so Ralf Ferhadbegovic. Hinzu käme die verbesserte Homogenität der Schweißnahtqualität. »Wir haben deutlich weniger Nacharbeiten und können so leichter die Anforderungen unserer ASME- und ISO-Zertifizierung erfüllen«, resümieren Ralf und Edwin Ferhadbegovic.

Erschienen in Ausgabe: 02/2018