„Wertvolles Werkzeug“

Der Präsident von UCIMU, dem italienischen Fachverband der Werkzeugmaschinen- , Anlagen- und Roboterbauer, exklusiv in bbr zur Marschrichtung der italienischen Werkzeugmachinenbauer.

06. Juni 2007

br: Signor Tacchella, sind Sie mit den Ergebnissen der neuen, der vierten UCIMU-Studie über den Zustand der italienischen Produktionsstrukturen zufrieden?

Alberto Tacchella: Ich bin sehr zufrieden über die Realisierung dieser Studie. Sie ist ein optimales Arbeitsmittel, nicht nur für die Unternehmen des von UCIMU Sistemi Per Produrre untersuchten Sektors. In diesem Sinne hat das Zentrum für Studien & Arbeitskultur, auch dank der Unterstützung des Außenwirtschaftsministeriums, der Wirtschaftskammer Mailand sowie der Banca Intesa Medio Credito, eine Untersuchung realisiert, die es erlaubt, die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten italienischen Industrie zu analysieren. Die Studie ist ein Dokument, das sowohl den Maschinen- und Anlagenherstellern, den Produktionsbetrieben, als auch dem Sektor der Verbraucher, der Institutionen - vom italienischen Industrieverband bis zu den Regierungsorganen des Landes - nützlich ist. Sie alle können sich nun ein sehr genaues Bild über die gesamte nationale Wirtschaftspolitik bilden.

Wie jung ist denn der Maschinenpark in italienischen Produktionsbetrieben?

Die Untersuchung basiert auf den Ergebnissen von 3.000 untersuchten Unternehmen im ganzen Lande und zeigt den Stand der gesamten Industrie vom 31. Dezember 2005. Aus den Daten geht hervor, dass das mittlere Alter des installierten italienischen Maschinenparks zehn Jahre und fünf Monate beträgt. In der letzten Untersuchung von 1996 waren es noch zehn Jahre und zehn Monate und davor (1984) 12 Jahre und sieben Monate. Trotz dieser Aktivitäten, bei den Investitionen das Durchschnittsalter herabzusetzen, bewegen sich die Investitionen insgesamt unter dem Niveau von 1996. Das ist ein Zeichen, dass sich das Tempo zur Erneuerung des Maschinenparks insgesamt verlangsamt hat. Diese Tatsache sollten die Verantwortlichen in der Regierung zur Überlegung veranlassen, zumindest die Abschreibungszeiten für Maschinen zu verkürzen.

Laut dieser Studie bestehen noch immer etwa zwei Drittel des italienischen Maschinenparks aus nicht NC-Maschinen. Woran lahmt die Automatisierung und Integration von Investitionsgütern?

Das hängt sicher mit der Größe der italienischen KMUs zusammen. Diese Unternehmen haben oft einfache Maschinen, da in Italien fast ausschließlich Großunternehmen über eine Automatisierung ihrer Produktionsstätten verfügen. Trotzdem gibt es heute ein Drittel mehr NC-Maschinen in den Betrieben als noch 1996. Um die Situation zu verbessern bedarf es einer Regelung, dass es sich die Betriebe leisten können, ihre 20 Jahre alten Maschinen durch neue Maschinen zu ersetzen. Eine solche Regelung hätte sicher auch positive Auswirkungen auf das italienische Wirtschaftssystem. Zudem würde eine große Quantität an Gussmaterial frei, das zum Bau von neuen Gussmaschinenbetten verwendet werden könnte. Gerade hier herrscht derzeit ein massiver Nachfrageüberhang. Zuletzt sollte man nicht vergessen, dass neue Maschinen über wesentlich bessere ­Sicherheitsstandards verfügen und auch hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit wesentlich besser abschneiden.

Die Metall verarbeitende Industrie hat mit einem Anteil von 49,4 Prozent am italienischen Gesamtmaschinenpark eine herausragende Stellung. Ist sie auch führend bei den Investitionen?

Das ist richtig. Die Hälfte des italienischen Maschinenparks steht in den Metall verarbeitenden Betrieben. Mit 24,7 % folgt der Sektor des Maschinenbaues und der Mechanik (Landmaschinen, Werkzeugmaschinen, Industrieroboter, Textilmaschinen, Maschinen für die Lebensmittelindustrie und die Chemie et cetera).

Von der Studie zu den Wirtschaftszahlen 2006. Italienische Werkzeugmaschinen sind im Ausland ja gefragter denn je?

Mehr als die Hälfte der italie­nischen Werkzeugmaschinen sind für den Export vorgesehen. Das ist ein Zeichen, dass die Produkte »Made in Italy« überall in der Welt geschätzt werden. Zudem hat sich die Aufmerksamkeit der italienischen Maschinenbauer auf den After­sales-Service konzen­triert. Das ist unabdingbar, um in ausländischen Märkten wettbewerbsfähig zu sein.

Signor Tacchella, Sie erwarten für Italien im Jahr 2007 ein exportgetriebenes Wachstum von 5,5 Prozent. Wird China in diesem Jahr Deutschland als führendes Abnehmerland ablösen?

Der chinesische Markt expandiert sehr stark. Die Exportdaten der italienischen Industrie zeigen, wie groß die Nachfrage nach italienischen Werkzeugmaschinen in China ist. Im Jahr 2005 lag China beim Import italienischer Maschinen noch auf Platz fünf. Nach den letzten Daten der ersten zehn Monate des Jahres 2006 ist China inzwischen nach Deutschland auf den zweiten Platz vorgerückt. Noch bleibt für uns der deutsche Markt am attraktivsten, denn uns verbindet eine lange Tradition des gegenseitigen Handels. Zudem ist der deutsche Markt sehr offen für italienische Produkte, wenngleich Deutschland unser Hauptkonkurrent ist. Der chinesische Markt birgt sicher große Chancen, aber sicher auch eine Gefahr als zukünftiger Konkurrent. Daher arbeiten wir in der CECIMO mit den anderen europäischen Werkzeugmaschinenbauern eng zusammen. Ein Thema der CECIMO ist zum Beispiel, wie wir ›Made in Europe‹ vor einer oftmals unfairen Konkurrenz aus dem asiatischen Raum verteidigen können.

Eine abschließende Frage zur Internationalisierung. Gerade im Hinblick auf den Export werden die Kundenanforderungen (Service, Wartung et cetera) immer höher. Bedeutet dies nicht eine Gefahr gerade für die kleineren und kleinen Unternehmen, die diesen enormen Anforderungen rein personell nicht genügen können?

Da die ausländischen Märkte für die italienischen Hersteller so wichtig sind, müssen Maßnahmen ergriffen werden, damit die Erwartungen der Kunden an Service et cetera sicher erfüllt werden können. UCIMU Sistemi Per Produrre unterstreicht diesbezüglich die Notwendigkeit, dass sich Unternehmen zusammenschließen oder sonst irgend wie produktiv kooperieren können, ohne dass diese Kooperation zu steuerlichen Nachteilen führt.

BackgroundUCIMU

Ucimu Sistemi per prudurre, hinter diesem Kürzel verbirgt sich der italienische Fachverband der Werkzeugmaschinenbauer, Roboterbauer und Automatisierer. UCIMU ist ein Kürzel für Associazione Costruttori Italiani Macchine Utensile, Robot ed Automazione. Der Verband führt alle zehn Jahre eine Studie über den Zustand der italienischen Produktionsstrukturen durch.

Die vierte Studie (von der im Interview die Rede ist) führte UCIMU mit Unterstützung des Zentrums für Studien & Arbeitskultur, dem italienischen Außenwirtschaftsministerium, der Wirtschaftskammer Mailand sowie der Banca Intesa Medio Credito durch.

VitaAlberto Tacchella und sein Unternehmen

Alberto Tacchella, geb. 1960 in Acqui Terme (Alessandria), Italien, begann seine Karriere im Familienbetrieb Tacchella Macchine S.p.A 1982 als Assistent des Verkaufsleiters. 1990 stieg er zum Verkaufsleiter auf und führte das Familienunternehmen von 1990 bis 1995, bevor er zum Unternehmenspräsidenten aufstieg.

Im Juni 2004 wurde er zum Präsidenten von UCIMU Sistemi Per Produrre gewählt und 2006 für die beiden Folgejahre (2006-07) als Leiter des Verbandes bestätigt. Seit 2006 ist Alberto Tacchella zudem der Vizepräsident von Federmacchine, einem italienischen Verbandszusammenschluss, dem sämtliche Herstellerverbände von Nicht-Verbrauchsgütern für industrielle und handwerkliche Verarbeitungsprozesse in Italien angehören.

Die Tachella Macchine S.p.a.

Das Familienunternehmen Tacchella Macchine S.p.A. ist seit über 80 Jahren auf die Herstellung und den Vertrieb von Werkzeugmaschinen spezialisiert. Zum Produktionsprogramm gehören Schärfmaschinen, Universalschleifmaschinen, Räumnadel-Schleifmaschinen, Außen-Rundschleifmaschinen und der Sondermaschinenbau. Im Werk Cassine, Italien, beschäftigt das Unternehmen über 200 hochqualifizierte Mitarbeiter.

Erschienen in Ausgabe: 04/2007