Wenn sich Familie Stahl im Bahnhof trifft ...

Es war wieder ein Branchentreff der exklusiven Art. Auf dem Deutschen Brennschneidtag traf sich die „Familie Stahl“ im ehemaligen Solinger Hauptbahnhof zum Tausch von Praxistipps und Wissen rund ums Thema Schneiden. Im Mittelpunkt stand diesmal das Thema Wirtschaftlichkeit.

24. Juni 2013
Grammophon mal anderes: Kjellberg präsentierte auf dem Brennschneidtag seine Plasmatechnik in ungewohnter Form  Bilder: Nikolaus Fecht
Bild 1: Wenn sich Familie Stahl im Bahnhof trifft ... (Grammophon mal anderes: Kjellberg präsentierte auf dem Brennschneidtag seine Plasmatechnik in ungewohnter Form Bilder: Nikolaus Fecht)

„Niemals zuvor waren so viele Unternehmen auf eine präzise Kosten-Nutzen-Analyse ihrer Maschinen angewiesen wie heute“, schwor Dipl.-Ing. Gerhard Hoffmann die Familie Stahl (interner Begriff der Stammbesucher des Deutschen Brennschneidtages) auf das Leitthema Wirtschaftlichkeit ein. Der Inhaber der Schneidforum Consulting GmbH & Co. KG und Initiator des Deutschen Brennscheidtages betonte, dass sich in der Schneidbranche nur noch Unternehmen behaupten können, die Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Betriebssicherheit stets im Visier haben.

Doch das ist schwierig, denn es handelt sich um einen kleinen, aber feinen Insiderclub, in dem Hersteller und Anwender in Sachen Schneidtechnik unterwegs sind. „Ohne Fügetechnik ist nix mit Nachhaltigkeit“, betonte Dr.-Ing. Klaus Middeldorf, Geschäftsführer der GSI - Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH, Duisburg. Doch trotz der Bedeutung dieser Technologie mit Blick etwa auf den Leichtbau und neue zu schneidende Werkstoffe wirke die Schneidbranche eher unauffällig und bescheiden im Hintergrund.

Im Bereich Fügetechnik erwirtschafte die Schneidtechnik europaweit mit rund 1100 Mitarbeitern 38 Millionen Euro (gesamte Fügetechnik inklusive Beschichten: rund 417 Millionen Euro). Im Vergleich zum Schweißen vermisst der Fügespezialist Innovationen. Sein Aufruf an die Branche: „Forscht mehr!“ Ein Zuhörer des Brennschneidtages hakte bei Dr. Middeldorf, dem ehemaligen Hauptgeschäftsführer des Deutscher Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS), nach: „Kann es nicht auch sein, dass der DVS das Schneiden vernachlässigt?“ Der GSI-Geschäftsführer nickte und meinte: „Ich will anregen, mehr zusammen zu tun.“

Wie innovativ diese Branche tatsächlich ist, zeigten die Talkrunden, in denen prominente Vertreter von Industrie und Forschung Themen wie „Mehr Effizienz und Wirtschaftlichkeit für Schneidanlagen“ und „Geschnitten und was kommt jetzt?“ diskutierten. Es ging dabei nicht nur um gängige Verfahren wie Laser, Plasma, Autogen oder Wasserstrahl, auch Neues stand auf der Agenda.

So präsentierte Dr.-Ing. Thomas Hassel, Bereichsleiter vom Unterwassertechnikum des Instituts für Werkstoffkunde (Leibniz Universität Hannover) das Elektronenstrahlschneiden ohne Vakuum (NVEBC), das die Niedersachsen im Laborversuch erproben. Ein NVEBC-System hat zum Beispiel 30 Millimeter dicke Schiffsbleche mit einem beachtlichen Tempo von 0,6 Metern pro Minute (Leistung: rund bis 25 Kilowatt) geschnitten.

Noch sei die Methode nicht industrietauglich, denn bei dem Verfahren würden Röntgenstrahlen erzeugt. Gegen sie würde beispielsweise eine eingehauste Roboterzelle helfen, in der sich das System dank erfolgreichem Schrumpfen der Masse von einer Tonne auf 100 Kilogramm mittlerweile einsetzen ließe. Die Innovation sei zwar noch Zukunftsmusik, die sich noch nicht für Lohnschneidbetriebe lohne. Doch der Bereichsleiter ist optimistisch. Dr. Hassel: „Vor Jahrzehnten wurden die ersten Laserschneidsysteme vorgestellt und viele waren skeptisch. Heute hat es sich durchgesetzt.“

Mehr zum Brennschneidtag folgt in den nächsten Print-Ausgaben von bbr.

Nikolaus Fecht, Fachjournalist aus Gelsenkirchen

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