Weniger CO2 mit künstlicher Intelligenz

Start-ups standen auf der Emo hoch im Kurs. Mehrere Dutzend Jungunternehmer präsentierten ihre Ideen auf dem Gemeinschaftsstand ›Junge innovative Unternehmen‹. Unter den Ausstellern war auch Gerotor aus Puchheim bei München.

06. November 2019
Weniger CO2 mit künstlicher Intelligenz
Situation ohne Schwungmassenspeicher: eine Werkzeugmaschine im Einsatz. (Bild: Gerotor)

»Wir haben bereits 2017 auf der EMO Hannover ausgestellt und waren absolut zufrieden mit dem Verlauf«, erklärt Marcel Werner, Mitgründer von Gerotor und zuständig für Business Development. Mit dem Zielmarkt Maschinen- und Anlagenbau sieht Werner die Messe als Pflichttermin. Weil ein eigener Messeauftritt für das kleine Team aber eine enorme Belastung dargestellt hätte, entschied sich Gerotor diesmal für die Beteiligung an einem Gemeinschaftsstand.

Energie sparen und Strom putzen

Auf technischer Seite läuft es derzeit rund für die Jungunternehmer, die mit der Einsparung von CO2 im Produktionsprozess ein hochaktuelles Thema auf der EMO Hannover präsentieren werden. Werner: »Wir haben Gerotor 2015 zu viert gegründet. Gemeinsam hatten wir die Idee, die Kers-Technologie, die in der Formel 1 zur Bremsenergierückgewinnung eingesetzt wird, auf die Produktion zu übertragen.« Statt elektrische Energie in Wärme umzuwandeln oder unwirtschaftlich ins Stromnetz einzuspeisen, hält nun ein innovativer Schwungmassenspeicher die Energie im DC-Zwischenkreis der Maschine und macht sie auf diese Weise nutzbar. Der Stromverbrauch kann um 60 Prozent gesenkt, der CO2-Footprint der Produktion deutlich verbessert werden.

Das mittlerweile auf 20 Mitarbeiter gewachsene Unternehmen will nicht nur zur Energieeffizienz beitragen, sondern gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mittelständische Unternehmen, die nahe ihrer Anschlussleistung arbeiten, sollen das verbesserte Spitzenlastmanagement zur Erweiterung ihres Maschinenparks nutzen können.

Stromausfälle in der Produktion werden durch den Schwungmassenspeicher überbrückt, der mit einer Speicherdauer von 15 Sekunden typisches Netzflackern übersteht. Sogar qualitativ höherwertiger Strom soll entstehen, indem Oberwellen und Blindleistung abgefedert und die Sinuskurve des Stroms geglättet werden: »Geputzter Strom ist sozusagen ein Abfallprodukt unseres Speichers, der den Anwendern zusätzlich zugutekommt. Das alles erreichen wir mit einem rein mechanischen Aufbau ohne Chemikalien, der schon während der Herstellung und Bereitstellung grüner ist als andere Technologien.«

So soll sich die Investition auch für Kunden schnell rechnen, verspricht Werner: »Wenn ein Maschinenhersteller unser Lastmanagement und die Rekuperation direkt einplant, kann er bei der eigenen Peripherie sparen. Bei einer neuen Maschine mit Downsizing der Peripherie-Komponenten wäre die Amortisation dann noch früher gegeben, beim reinen Add-on des Speichers als Optionspaket von Maschinen wäre sie nach etwa drei Jahren drin.«

Fokus auf Künstlicher Intelligenz

Derzeit erforscht und entwickelt das Start-up mit der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer IPA und Partnern aus der Industrie auch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie soll anhand des Stromprofils das Optimum der Maschine erkennen, um Energieeffizienz auch ohne externe Steuerungsbefehle sicherzustellen. Unterschiede in den Stromprofilen gleicher Maschinen mit gleichem Produktionsprogramm könnten dann etwa Rückschlüsse auf Wartungsbedarfe geben.