Weg mit dem Zunder

"Druckvolle" mechanische Zunderentfernung

Zunehmende Legierungsanteile bei Stählen stellen in vielen Fällen eine kaum mehr lösbare Anforderung an vorhandene konventionelle hydraulische Entzunderungsanlagen dar. Vorhandene Wasserdrücke von 100 bis 200 bar reichen nicht aus, um hartnäckigen Klebezunder ausreichend vor dem Umformen in einem Walzwerk oder einer Schmiedeanlage von den Blöcken zu entfernen.

03. Juli 2003

ITWH, Krefeld, hat deshalb für ein Rohrwalzwerk eine neuartige kombinierte mechanisch-hydraulische Höchstdruck-Entzunderung für Drücke bis 1.000 bar entwickelt und eingesetzt. Neu daran ist das Zusammenwirken von mechanischer Vor-Entzunderung zum Lockern des Primärzunders und anschließender hydraulischer Höchstdruck-Entzunderung zum Entfernen des Klebezunders. Für den nachfolgenden Umformbetrieb ergeben sich hieraus wesentliche Kostenvorteile wie etwa eine geringere Ausschussquote durch Schonung der Umformwerkzeuge und weniger Nachbearbeitung in der Adjustage.

Die zu entzundernden Blöcke rotieren auf angetriebenen Walzen, die mit Schlagmessern bestückt sind und dabei den Primärzunder lockern. Anschließend wird die gesamte Blockoberfläche einschließlich beider Stirnseiten über speziell geformte Düsen mit Höchstdruck von bis zu 1.000 bar beaufschlagt. Um jeden Punkt der Blockoberfläche zu erreichen, wird ein Düsenbalken mit mehreren Düsen entlang des rotierenden Blockes geführt. Eine Frequenzregelung der Pumpenantriebe erlaubt eine schnelle Variation des Wasserdruckes. Gegenüber herkömmlichen Entzunderungen zeichnen sich die Anlagen von ITWH neben restloser Zunderbeseitigung durch einen geringeren Wasserverbrauch aus.

Die angetriebenen Messerwalzen zur Aufnahme des Blockes befinden sich auf einem Wagen, der die Blöcke in die Entzunderungskabine und anschließend in den Bereich des Manipulators einer Schmiedepresse beziehungsweise in den Einzugsbereich eines Walzgerüstes transportiert. Die Lage der Kabine und der Fahrweg des Wagens können für jeden Bedarfsfall individuell angepaßt werden. Damit läßt sich eine solche Anlage bei Modernisierungsprojekten auch bei schwierigsten Platzverhältnissen unterbringen. Seit Inbetriebnahme der ersten Anlage konnte ITWH umfangreiche Erfahrungen mit unterschiedlichen, schwer entzunderbaren Werkstoffen gewinnen.

Bei geringer legierten Werkstoffen und entsprechend geringerer Neigung zur Bildung von Klebezunder kann die Anlage auch im rein mechanischen Betrieb gefahren werden. Darüber hinaus bietet das Krefelder unternehmen für das Entzundern von ausschließlich gering legierten Werkstoffen rein hydraulische Entzunderungsanlagen mit Wasserdrücken ab 200 bar an. In jedem Fall liefert ITWH eine Gesamtanlage nach eigener Technologie als integrierte Lösung aus einer Hand an: Einplanung in die Produktionsanlage, Lieferung, Montage und Inbetriebnahme der Pumpenanlage, der Entzunderungskabine mit Düsensystemen, Blocktransport und Zunder-Entsorgung.

Erschienen in Ausgabe: 03/2003