Wasser ist zum Schneiden da

Eisen Neumüller beweist nicht nur, dass sich neue Dienstleistungsangebote lohnen, sondern auch, dass Wasser und Stahl durchaus miteinander harmonieren können. Im konkreten Fall in Form einer Wasserstrahl-Schneidanlage von STM Stein-Moser.

23. Mai 2018
Sichtlich zufrieden mit der Anschaffung: Mit einem Wasserstrahl-Schneidsystem von STM konnte Simon Schuster (rechts), Marketing- und IT-Leiter bei Eisen Neumüller, sein Dienstleistungsangebot erweitern. (Bild: STM)
Bild 1: Wasser ist zum Schneiden da (Sichtlich zufrieden mit der Anschaffung: Mit einem Wasserstrahl-Schneidsystem von STM konnte Simon Schuster (rechts), Marketing- und IT-Leiter bei Eisen Neumüller, sein Dienstleistungsangebot erweitern. (Bild: STM))

Was passiert, wenn ein Stahl- und Schrotthändler seinen Kunden einen Zusatznutzen bieten möchte, dazu im Internet recherchiert und schließlich eine Entscheidung trifft? Ganz einfach: Er schafft sich ein Wasserstrahl-Schneidsystem an. Zugegeben, das klingt nicht unbedingt nach einer alltäglichen Lösung – aber einer mit Potenzial, wie das Beispiel von Eisen Neumüller im niederösterreichischen Ennsdorf zeigt.

1966 von Herma und Johann Neumüller gegründet, hat sich Eisen Neumüller zu einem modernen Stahlhändler und Entsorgungsbetrieb Österreichs entwickelt. Die rund 110 Mitarbeiter schlagen auf einer Gesamtfläche von rund 100.000 Quadratmeter bis zu 400.000 Tonnen pro Jahr um und erwirtschafteten damit einen Umsatz von 142 Millionen Euro. Die Lage im Ennsdorfer Hafen samt eigener Kai- und Gleisanlage ist logistisch günstig.

Neue Geschäftsfelder gesucht

„Die unterschiedlichsten Produkte für den Stahlbau bieten wir ja schon lange an, das ist nichts Neues für uns. Oft sind aber auch Kunden mit Stahl-Schneidewünschen an uns herangetreten, deren Anforderungen so spezifisch waren, dass wir die Aufträge schlussendlich außer Haus geben mussten. Das war für uns der Anstoß, über eine Verbreiterung unseres Dienstleistungsangebots nachzudenken“, erzählt Simon Schuster, Marketing- und IT-Leiter bei Eisen Neumüller.

„Wir wollten unseren Kunden einen attraktiven Zusatznutzen bieten, mussten dabei aber gleichzeitig aufpassen, dass wir mit ihnen nicht in direkte Konkurrenz treten. Vereinfacht könnte man also sagen, wir haben uns damit auf die Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau begeben“, erklärt Schuster. Die Anforderungen waren also soweit klar, die dafür nötige Schneidetechnik weniger.

Schuster gesteht: „Wir sind zu Beginn ziemlich unbedarft an die Suche rangegangen. Im Nachhinein betrachtet war das aber kein Fehler – eher im Gegenteil. So konnten wir uns unvoreingenommen über die unterschiedlichen Technologien sowie deren Vor- und Nachteile informieren“, erinnert sich Schuster.

Schneiden mit Wasserstrahl

Jürgen Moser, Geschäftsführer von STM, kennt diese Unentschlossenheit. „Gerade Lohnschneider sind anfangs sehr unspezifisch, was ihre Anforderungen entspricht. Eisen Neumüller beispielsweise wusste nur, dass man damit auch Rechteckrohre schneiden möchte. Nachdem das kein größeres Problem für uns war und wir ihnen noch mehr Vorzüge präsentieren konnten, waren sie von der Flexibilität unserer Wasserstrahl-Schneidsysteme ganz begeistert“, weiß er.

STM entwickelt seit 1992 Wasserstrahl-Schneidanlagen für die Stahl-, Aluminium-, Metall-, Verbundstoff-, Stein- und Glasindustrie. „Die Testschnitte haben gezeigt, dass man mit diesem System energie- und kostensparend nahezu alle Materialien schneiden kann und es unsere Anforderung erfüllt. Hinzu kommt, dass es – im Gegensatz zu Laser oder Plasma – ein kalter Schnitt ist und es zu keinen thermischen Verformungen oder Materialverhärtungen kommt“, freut sich Schuster.

Die konkrete Wahl fiel schlussendlich auf ein großformatiges Premium-Cut-Wasserstrahl-Hochleistungssystem von STM mit Vollausstattung. Sie sind für Schneidaufgaben mit hohen Genauigkeitsanforderungen und hohen Geschwindigkeiten sowie für die Rohrbearbeitung geeignet. Die Anlagen arbeiten zudem sehr ressourcenschonend und zeichnen sich durch einen geringen Strom-, Wasser- und Luftverbrauch aus.

Baukastensystem und kurze Wege

„Ein Kriterium war für uns auch, dass das Unternehmen in Österreich sitzt und die Wege kurz sind. Zudem ist die Bedienung ziemlich einfach. Bei vielen anderen Herstellern hatten wir eher das Gefühl, dass man CNC-Programmierer sein muss, um die Maschinen zu bedienen“, erläutert Schuster.

STM-Smart-Cut nennt sich das Herzstück jedes STM-Wasserstrahl-Schneidsystems. Die Software ist im Grunde ein Komplettprogramm zum Erstellen oder Importieren von Zeichnungen sowie zum Einstellen verfahrensspezifischer Parameter für den Wasserstrahl – bis hin zur Kostenberechnung. Sie übernimmt die komplette Steuerung, vom Pumpendruck über die Abrasivdosierung bis hin zur Schnittgeschwindigkeit, wobei sie hier von einer Materialdatenbank unterstützt wird.

„Ein Teil dieser Software, das User-Interface, ist eine Eigenentwicklung“, erklärt Moser. Damit habe man auf Markterfordernisse reagiert, da viele Anwender eine flexible Software zu schätzen wissen: So können beispielsweise alle Parameter innerhalb der grafischen Benutzeroberfläche intuitiv eingestellt werden.

Eigenes Rohrschneidemodul

Flexibilität ist auch beim Aufbau der Anlage Trumpf. Ein Baukastensystem verbindet die Vorteile von Standard-Bauteilen mit einem hohen Individualisierungsgrad. Da die einzelnen Komponenten darauf ausgelegt sind, modular eingesetzt zu werden, können alle Wasserstrahl-Schneidsysteme perfekt an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden. Das hat den Vorteil, dass diese Systeme später problemlos auf- oder umgerüstet werden können.

„Indem wir die Maschinen spezifisch an die Anwenderbedürfnisse anpassen, bekommen unsere Kunden wirklich nur das, was sie brauchen. Das spart Kosten. Da es sich außerdem um Standardkomponenten handelt, sind diese auch leichter zu warten“, fasst Moser zusammen.

 

Ausgebucht

„Inzwischen“, so erzählt Schuster, „hat die Wasserstrahl-Schneidanlage eine Art Eigendynamik entwickelt und der Hauptnutzungszweck, für den wir sie eigentlich angeschafft haben, ist in den Hintergrund getreten. Zwar schneiden wir nach wie vor hauptsächlich Stahl, allerdings bekommen wir die unterschiedlichsten Aufträge rein.“ Auch ohne große Werbung musste Eisen Neumüller seine Kunden ein wenig bremsen.

„Wir würden die Aufträge gar nicht alle schaffen. Wir sind jetzt schon zwei Wochen im Voraus ausgebucht“, freut sich Schuster. Und das obwohl man „nicht zu den Günstigsten“ zählt. „Aber unsere Qualität stimmt. Und das wird von den Kunden geschätzt.“ Jetzt steht Schuster schon wieder vor der Wahl: „Entweder wir gehen mit der Schneidanlage in einen 24-Stunden-Betrieb oder wir schaffen uns eine zweite Anlage an.“ Wenigstens wäre die Suche diesmal einfacher.