Von der Vision zur Innovation

Neue Fertigungsmöglichkeiten erweitern die Spielräume der Kunden

Mit gleich drei Innovationen konnte die BLM-Group, Marktführer im Bereich der Rohrbearbeitung, aufwarten, als sie nach Cantù in der Nähe des Comer Sees lud. Insbesondere die 3D-Laserstrahl-Schneidanlage für Rohre bewies, wie aus Visionen reale Produkte werden und dem Anwender neue Fertigungsmöglichkeiten eröffnen. Das BBR-Interview mit dem Unternehmensgründer Pietro Colombo zeigte zudem einmal mehr, daß Innovationen ein zuverlässiger Erfolgsgarant sind. „Immer einen Schritt vor den Konkurrenten zu sein“ klingt simpel, bedeutet jedoch harte Arbeit und unbedingte Kundennähe.

24. September 2003

„Wir arbeiten sehr eng am Kunden, denn wir wollen ihm einen Vorsprung ermöglichen und seine Produktionskosten senken helfen“, erzählt der Market Development Manager von BLM Group, Antonio Farese. Allein im letzten Jahr hat die BLM-Gruppe deshalb 1221 Kundenlösungen erarbeitet. Daß sich Innovationen rechnen, beweist eine interne Studie. Die meistverkauften Neuentwicklungen der Gruppe - fünf Innovationen von BLM und sechs von Adige - nahmen im Gesamtumsatz der letzten drei Jahre 49 Prozent ein.

„Das bedeutet für uns, daß unser Weg, in die Entwicklung neuer Produkte zu investieren, richtig ist und sogar verstärkt werden muß“, so Antonio Farese weiter. Die Unternehmensgruppe mit 301 Beschäftigten hat im letzten Jahr 74,6 Mio. Euro Umsatz erzielt, ein Plus von 5,2 Prozent zum Jahr 2001. Die Exportrate lag konstant bei über 60 Prozent, mit einem verstärkten Trend zu außereuropäischen Märkten. Fünf Prozent des Umsatzes werden auch in diesem Jahr wieder in die Forschung und Entwicklung fließen.

Beim Kunden nachgefragt

BLM führte 2002 auch eine Kundenbefragung bei seinen europäischen Kunden zur Kundenzufriedenheit durch. Farese: „Hier sollten sich unsere Kunden zu unseren Produkten und den Kundenservice äußern. Neben der Leistung und Zuverlässigkeit standen auch der After-sales-service und die Kundenschulungen an den Maschinen auf dem Prüfstand. Noten von 0 (sehr schlecht) bis 9 (gut/sehr gut) waren zu vergeben. Was uns aber am meisten erstaunte, war die hohe Teilnehmerrate, denn von 1.000 verschickten Fragebögen wurden satte 43 Prozent beantwortet, für uns ein klares Signal, daß unsere Kunden einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch wünschen“, zeigt sich Antonio Farese zufrieden. „Selbstverständlich legten unsere Kunden länderspezifisch Wert auf unterschiedliche Punkte. Sie benoteten uns mit einer 7,3. Das ist zwar ziemlich zufriedenstellend, aber noch nicht sehr gut“, fährt Antonio Farese fort: „Wir haben die Punkte daher intensiv abgearbeitet und lassen die erlangten Kenntnisse nun in unsere Leistungen einfließen.“

In Cantù hat die die BLM-Gruppe in einer neuen Halle ein ständiges Ausstellungszentrum errichtet. Die hier ausgestellten Maschinen dienen jedoch nicht allein der Anschauung, hier können Kunden Zeichnungen oder Muster abgeben und die Ingenieure erarbeiten Lösungen auf den Maschinen dieses Kundenzentrums. Neben den Rohrbiegemaschinen und Endenbearbeitungsmaschinen finden sich auch die Laserschneidmaschinen von Adige sowie Meßmaschinen und Automationslösungen.

Innovationen im Blickpunkt

Selbstverständlich steht hier auch eine große Anzahl an Musterteilen zur Verfügung, die die Fertigungsmöglichkeiten der ausgestellten Einzelmaschinen und Fertigungsinseln veranschaulichen. „Über 1.000 Besucher konnten wir vom 13. bis 25. Mai auf unserer Hausmesse unter dem Motto & pos;Innovationen für die Wettbewerbsfähigkeit& pos; begrüßen. Das hat unsere Erwartungen klar übertroffen“, erzählt Antonio Farese.

Neue Fertigungsmöglichkeiten dank der LT 905D

Mit der Adige-Lasertube LT 905D präsentierte die BLM-Group ein ausgereiftes Verfahren, das eine völlig neue Fertigungsorganisation ohne Spannwerkzeuge oder Spezialwerkzeuge erlaubt. „Materialabhängig gibt es beim Rohrbiegen Fertigungstoleranzen. Das 3D-Laserschneidsystem muß also unbedingt damit umgehen können. Ein Roboter kann zwar das Rohr positionieren jedoch nicht genau genug führen, um ein erstklassiges Schnittergebnis zu erreichen. Daher haben wir dem Roboter nur die Aufgabe der Werkstückaufnahme, Positionierung und Werkstückablage übertragen. Die Feinarbeit leistet der Fünfachs-Laserkopf, der jedes zugeführte Werkstück vermißt und dann schneidet“, erklärt Antonio Farese.

Zur Betriebssicherheit bleiben beim Laserschneiden Mikrostege stehen, damit der Laserkopf nicht an ausgeschnittenen Teilen anstößt. So kann die Anlage auch mannlose Schichten fahren und 24 Stunden am Tag laufen. Die LT 905D ist mit zwei von außen zugänglichen Bestückungskabinen ausgestattet. Wenn auf dem einen die Maschine manuell bestückt wird, kann der Roboter die Teile aus der Zweiten Kabine abarbeiten. Ein Fließband im Arbeitsraum sorgt für den sicheren Abtransport der fertigen Teile aus dem Arbeitsraum. „Mit dieser Technik konnten wir Bauteile stark vereinfachen“, meint Antonio Farese und zeigt ein V-Rohrstück, bestehend aus nur zwei Rohrstücken. Früher waren für dieses Bauteil vier Rohrstücke nötig.

„Schwerbieger“

Die BLM-Dynamic D5, D6, D7 und D8, neue Fünfachs-CNC-Biegemaschinen für Rohrdurchmesser von 90, 102, 120 und 130 mm sind die Schwerathleten im BLM-Biegemaschinen-Programm. Die großen Dynamics sind mit einem Multifunktionswerkzeugsatz für unterschiedliche Radien versehen, das Dreh-Zugbiegen und variables Radiusbiegen ermöglicht, einem Zuführsystem für leichtes Radienbiegen sowie einem CNC-Drückwerkzeug-System. Gesteuert wird die Dynamic mit einer Siemens 840 D.I. die mit zahlreichen benutzerfreundlichen Funktionen aufwarten kann und das System auch zukunftsfähig macht.

Perfektes Ende

Die BLM-AST-Rohrendenbearbeitungsmaschine, die sowohl als vollelektrische- als auch als hydro-elektrische- Version zu haben ist, stellte BLM integriert in einer Fertigungsinsel, mit einem Magazin, einer Rohrbiegemaschine, einem Roboter für das Material-Handling sowie einer Meßstation für die 100-Prozent Qualitätsprüfung der Rohrenden vor. An der AST stehen insgesamt sechs, einzeln programmierbare Arbeitsstationen zum Umformen, der spanenden Bearbeitung und dem Trennen zur Verfügung. „Ob durch Druck oder mit Rotierenden Werkzeugen, die Rohrendenbearbeitung läßt keine Wünsche offen. Speziell im Automobilbereich sind die Maßstäbe hoch, daher die 100 Prozent Kontrolle. Die hier gezeigte Konfiguration erlaubt es den Herstellern auch ihr Material kostenoptimiert einzukaufen, denn der kontrollierte Umformprozeß gibt ihm eine hohe Sicherheit für die Qualität des Endproduktes“, erklärt Antonio Farese.

Die Zukunft heißt Spezialisation

?Herr Colombo, welchen Stellenwert hat die Forschung und Entwicklung in der BLM-Group?

!Generell gilt es heute den Sektor der Forschung und Entwicklung zu dominieren. Das betrifft unsere Laseranlagen gleichermaßen, wie unsere Rohrbiegeanlagen oder Endenbearbeitungsmaschinen. Eine Innovation von heute kann schon nach kurzer Zeit auch von den Konkurrenten gebaut werden. Das bedeutet, von uns muß die Entwicklung ausgehen, wir müssen immer einen Schritt vorausgehen und unseren Kunden eine Lösung für ihre Fertigungsprobleme anbieten. Ziel unserer Bemühungen müssen Kundenlösungen sein, die es erlauben die Produktion weiter zu vereinfachen und effizienter zu gestalten oder komplett neue Fertigungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Daher kann man die Bedeutung der Forschung und Entwicklung nicht hoch genug bewerten. Wir gehen auch in Deutschland daher diesen Weg gemeinsam mit einer Forschungsanstalt, um neue Fertigungstechniken und Produkte zu entwickeln!

?Sich nach international anerkannten Normen zertifizieren lassen, immer strengeren Richtlinien zu genügen, bedarf es seitens der Unternehmen enormer Anstrengungen. Wie sehen Sie die Entwicklung?

!Wir sind nach ISO 9001 zertifiziert und gerade dabei, die im Rahmen des Programms „Vision 2000“ die weiter aktualisierte, weitergehende UNI EN ISO 9000:2000-Norm zu erreichen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Mir persönlich ist sehr wichtig, in unseren Werken eine Atmosphäre der Zusammengehörigkeit unter den Mitarbeitern zu erzeugen. Das bedeutet eben nicht, daß keine Kritik gewünscht wird - ein Betrieb, wo alle alles kritiklos hinnehmen was sich das Management ausdenkt, ist tot -, nein, ich möchte, daß sich alle mit den anstehenden Themen kritisch auseinandersetzen. Wir müssen miteinander diskutieren und einander kritisieren können. Nur so kann kreativ gearbeitet werden und Innovation entstehen. Wir müssen in die Menschen investieren, damit sie ihr Potential entfalten können und so das gesamte Unternehmen weiterbringen. Nur mit kreativen Menschen können wir die richtige Kundenlösung entwickeln und kreativ bedeutet nicht angepaßt und auch mal Kontroverse statt Homogenität! Daß sind für mich die Punkte, die für mich ein innovatives Unternehmen ausmachen.

? Was kann der Kunde von BLM erwarten, Standardmaschinen oder wirklich individuelle Lösungen?

!Der Kunde von heute fragt nicht mehr nach irgendeiner Maschine, beispielsweise einer Rohrbiegemaschine, oder möchte sich das passende aus Standardkomponenten im Katalog zusammensuchen müssen. Zunehmend kommen unsere Kunden mit einem Musterteil oder einer Zeichnung zu uns und fragen, wie man dies effizient herstellen kann. Heute können wir als Marktführer nicht Maschinen in großen Mengen von der Stange verkaufen. Der Kunde will eine 100prozentige Lösung für sein spezielles Fertigungsteil, oft eingebunden in eine Fertigungslinie. Selbst eine einzelne Maschine wird heutzutage bis zu 30 Prozent & pos;personalisiert& pos;; es gibt also eigentlich keine Maschine von der Stange. Zudem ist eine hohe Flexibilität gefordert. Die Maschine von heute muß schnellstmöglich umrüstbar sein, das betrifft die Software als auch die Hardware. Die Maschine muß also modular aufgebaut sein und zudem einfach auf spezielle Kundenwünsche einzurichten sein. Die Zukunft heißt also Spezialisation!

? Welchen Märkten gehört die Zukunft?

! Wir exportieren heute in viele Märkte, wie Brasilien, den USA, und England. In Europa ist sicher der deutsche Markt sehr wichtig. Mit China und Rußland rücken zwei Märkte zunehmend in unser Blickfeld und werden auch intensiv von uns bearbeitet!

? Welche Strömungen der Politik beobachten Sie derzeit als Unternehmer mit besonderem Interesse?

! Ich persönlich sehe mit Besorgnis die neue Klassifizierung der kleinen und mittelständischen Betriebe, wie sie von der EU-Kommision am 6. Mai 2003 (Empfehlung 2993/31/CE) vorgelegt wurde. Die neuen Parameter sehen vor, daß Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz über 43 Millionen Euro, rechtlich wie ein Großunternehmen beziehungsweise ein börsenorientiertes Unternehmen (bei dem die Umsatzhöhe nicht ausschlaggebend ist) behandelt werden. Auffällig ist, wie unterschiedlich kleine und mittelständische Unternehmen somit im Markt behandelt werden. Diese neue Klassifizierung soll am 1.1.2005 in Kraft treten!

? Noch ein Wort zu einer Zukunftsvision?

!Es gäbe da schon was. Persönlich würde ich es schätzen, wenn sich so etwas wie eine & pos;Altmaschinenverordnung& pos; manifestieren würde, die dazu führt, daß nach einem bestimmten Zeitpunkt in neue Maschinen investiert werden muß und Altmaschinen zu entsorgen sind. Ich denke eine solche Maßnahme könnte positive Impulse an die Wirtschaft geben!

Erschienen in Ausgabe: 08/2003