Von der Praxis für die Praxis

Im Januar 2011 erschien das Arbeitsblatt K20 „Korrosionsschutz von Stahl durch Duplex-Systeme (Feuerverzinkung + Beschichtung)“ der Arbeitsgemeinschaft Industriebau e.V. (AGI), die eine unabhängige Plattform für den interdisziplinären Erfahrungsaustausch im Industrie- und Gewerbebau ist. Der Arbeitsgemeinschaft gehören neben Bauabteilungen deutscher Wirtschaftsunternehmen auch Produkthersteller, Verbände, Planungsbüros und Hochschulen an.

12. Mai 2011

Das Arbeitsblatt K20 ist eine Arbeitshilfe, die sich auf Duplex-Systeme aus einer Feuerverzinkung und einer zusätzlichen Beschichtung bezieht. Es gilt für die Planung, Ausführung und Überwachung von Duplex-Systemen im Industrie- und Gewerbebau, kann aber auch sinngemäß für andere Bauten und Anwendungsbereiche verwendet werden. Das AGI Arbeitsblatt K20 ergänzt die für Duplex-Systeme relevanten Regelwerke. Dies sind DIN EN ISO 1461 (Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken)), DIN EN ISO 12944 Teil 1-8 (Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssysteme), die DIN EN ISO 14713 Teil 1-2 (Zinküberzüge - Leitfaden und Empfehlungen zum Schutz von Eisen und Stahlkonstruktionen vor Korrosion), DIN 55633 (Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Pulverbeschichtungssysteme) sowie die Verbände-Richtlinie „Duplex-Systeme“.

Ein Duplex-System besteht aus einer Verzinkung in Kombination mit einer oder mehreren nachfolgenden Beschichtungen. Dabei können sowohl Flüssig- als auch Pulverbeschichtungen eingesetzt werden. Die Verzinkung und die Beschichtung ergänzen sich bei einem Duplex-System in idealer Weise. Der Zinküberzug wird durch die darüberliegende Beschichtung vor atmosphärischen und chemischen Einflüssen geschützt. Ein Abtrag des metallischen Zinks wird vermieden, der Zinküberzug bleibt lange Zeit in neuwertigem Zustand unter der Beschichtung erhalten. Hierdurch „lebt“ der Zinküberzug länger. Durch die Feuerverzinkung haben Beschädigungen an der Beschichtung keine nachteiligen Auswirkungen zur Folge, da die hohe Widerstandsfähigkeit und Abriebfestigkeit des darunterliegenden Zinküberzuges auch hohen Belastungen standhält. Typische Unterrostungen können erst gar nicht entstehen, der Stahl bleibt auch an Stellen, an denen die Beschichtung schadhaft ist, wirksam geschützt.

Der wesentliche Vorteil von Duplex-Systemen ist die lange Schutzdauer. Sie ist im Regelfall deutlich länger als die Summe der jeweiligen Einzelschutzdauer aus Verzinkung und Beschichtung. Der sich einstellende Verlängerungsfaktor liegt je nach System zwischen 1,2 und 2,5. Duplex-Systeme werden aus gestalterischen Gründen eingesetzt und da, wo eine maximale Schutzdauer erreicht werden soll.

Das AGI-Arbeitsblatt K20 definiert Anforderungen an die Feuerverzinkung. Hierzu gehören die Dicke des Zinküberzuges und Vorgaben hinsichtlich Unregelmäßigkeiten der Oberfläche und für eventuelle Nacharbeiten an der Feuerverzinkung. Die Anforderungen an die Beschichtung beziehen sich auf die Beschichtungsstoffauswahl sowie die Oberflächenvorbereitung und -vorbehandlung. Im Kapitel „Beispiele für Duplex-Systeme“ werden Angaben zur Schutzdauer gemacht. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Schutzdauer ausschließlich auf das Beschichtungssystem bezieht.

Da der langlebige Zinküberzug einen zusätzlichen Schutz bietet, ist die Schutzdauer des Gesamtsystems deutlich höher als die Schutzdauer des Beschichtungssystems. Desweiteren werden im selben Kapitel in der Praxis bewährte Duplex-Systeme aus Flüssig- und Pulverbeschichtungen tabellarisch dargestellt (Tabelle 1 und 2) sowie Vorgaben zur Bestimmung der Trockenschichtdicke der Beschichtung gemacht.

Fazit: Das vierseitige Arbeitsblatt K20 gibt in praxisgerechter Form wichtige Hinweise zur Planung, Ausführung und Überwachung von Duplex-Systemen an Gewerbe- und Industriebauten, die auch auf andere Anwendungsbereiche übertragen werden können.