Von 900 auf 50

WARMPRESSEN ZUR PATENTIERTEN FORMFIXHÄRTUNG GEHÖREN EXTREME TEMPERATUREN UND EINE SCHNELLE, ROBUSTE PRESSE.

09. November 2004

Leichte und haltbare Sicherheitsteile für die Automobilindustrie entwickelt und produziert das Unternehmen Accra im nordschwedischen Piteå. Durch Verwendung des sogenannten »Borstahls«, der sich schnell erhitzen, formen und härten läßt, kommt ein Material mit unvergleichlich guten Eigenschaften für Sicherheitsteile zustande. Bei Accra werden Profile im Rollverfahren umgeformt und gehärtet. Jetzt hat man sich jetzt auch für die Umformung des Materials in Pressen entschieden, woraus sich neue Möglichkeiten ergeben.

HÄRTEN IN DER PRESSE

Die bisherige Technik von Accra basiert auf der Umformung geschlossener Profi le im Rollverfahren. Aus den geraden Profilen fertigt man hierbei fertige Sicherheitsteile für die Automobilindustrie an - unter anderem für Volvo und Porsche. Jetzt wurde ein Prozeß entwickelt, bei dem man auch gebogene Profi le mit Pressen herstellen kann. In einer Presse werden erhitzte Profile bearbeitet, was als »Formfixturhärtung« bezeichnet wird und von Accra patentiert worden ist. »In der Automobilindustrie besteht ein großes Interesse an gebogenen und gehärteten geschlossenen Profilen«, weiß Conny Nilsson, Projektleiter bei Accra. Der Grund liegt in der Möglichkeit, mehr Teile aus dem einzigartigen Borstahl herzustellen. Bei der Pressentechnologie hat Accra sich für den schwedischen Pressenbauer und Automatisierer AP&T als Partner entschieden. »Wir haben Vertrauen zu diesem Hersteller. Diese Zusammenarbeit sehen wir als langfristig an, und AP&T hat durch stabiles technisches Know-how und kompetente Mitarbeiter einen guten Eindruck auf uns gemacht«, berichtet Nilsson.

SPEZIALLÖSUNG

Für AP&T ergaben sich daraus erhebliche Anforderungen bei der Lieferung einer Gesamtproduktionslösung an Accra. Neben Pressen und Automationsanlagen mußte auch der Ofen berücksichtigt werden, in dem das Material erhitzt wird. Die Temperatur ist extrem, und man hat nur einen sehr kurzen Zeitraum zur Erzeugung der richtigen Materialeigenschaften zur Verfügung. Borstahl ist ausgesprochen haltbar, allerdings nur unter den richtigen Bedingungen.

Nach der Erhitzung auf etwa 900 Grad Celsius muß das umgeformte Material in wenigen Sekunden auf etwa 50 Grad abgekühlt werden, andernfalls erhält es eine ungeeignete Molekülstruktur und wird zu weich. Wenn Borstahl in einer Presse umgeformt werden soll, wird dafür ein schneller Hub benötigt, damit die Kühlung im richtigen Zeitraum erfolgen kann. AP&T bringt hier das Konzept mit Stufenschaltung der Zylinder im Stößel zum Einsatz. »Beim Pressen arbeiten wir mit genau der Anzahl an Zylindern, wie für die richtige Kraft benötigt wird. Je weniger Zylinder zum Einsatz kommen, desto schneller wird der Hub«, erklärt Bela Repits, für Accra zuständiger Fachmann bei AP&T.

»Unser Konzept läuft darauf hinaus, daß wir Zeit gewinnen, indem wir nicht die gesamte Hydraulik einsetzen und Öl in einen großen Zylinder pumpen müssen.«

Bei der Presse handelt es sich um das ZM-Modell von AP&T, das eine verhältnismäßig geringe Preßkraft hat. Dennoch können mehrere Werkzeuge in ein und demselben Hub verwendet werden. »Außerdem benötigen wir nur eine Presse und formen das Teil in einem einzigen Arbeitsgang - so erreichen wir extrem niedrige Teilekosten«, meint Repits. Nach der Umformung werden die Teile direkt im Werkzeug gekühlt, und dieser Prozeß ist teilweise neu für AP&T.

»Da die Kühlung sich auf die Eigenschaften des Materials auswirkt, ist es ausgesprochen wichtig für den Kunden, daß der Prozeß richtig gesteuert und dokumentiert wird. Dabei handelt es sich um die sehr wichtige Qualitätssicherung des Kühlvorgangs«, erklärt Nilsson. Der Transport von Werkstück und fertigem Teil hat AP&T ebenfalls vor neue technische Probleme gestellt. Bei der Lösung ist man von den eigenen standardisierten Produkten in Modulen ausgegangen und hat diese aufgrund der Wärme in den Werkstücken leicht modifiziert.

»Dies ist einer der wichtigsten Gründe für unsere Entscheidung zugunsten von AP&T«, sagt Nilsson. »Da AP&T mit Modulen arbeitet, können wir uns darauf verlassen, daß sie wissen, wie das funktioniert, und daß Pläne für Service und Wartung vorliegen. Die meisten Teile sind Lagerware, wie etwa ganze Zylinderbaugruppen. Daraus ergibt sich für uns eine hohe Verfügbarkeit.«

Für Accra bedeutet die neue Produktionsanlage, daß man jetzt auch endgültig den Schritt vom Entwicklungsunternehmen zum Zulieferer der Automobilindustrie gemacht hat. Zur Zeit arbeitet etwa die Hälfte der 28 Vollzeitmitarbeiter des Unternehmens in der Produktion.

Erschienen in Ausgabe: 10/2004