Vom leeren Blatt Papier zum 3D-Modell

IFSYS im fränkischen Großbardorf stellt Zuführsysteme her, vorrangig für die Automobilindustrie. Für die Konstruktion wird dabei Solidworks verwendet. Als Betreuer ist von Beginn an DPS Software gesetzt. Mit beiden Entscheidungen ist der Anwender nach wie vor sehr zufrieden.

23. September 2019
Vom leeren Blatt Papier zum 3D-Modell
Komplettes Zuführsystem als 3D-Modell in Solidworks. (Bild: DPS Software)

2006 haben die Geschäftsführer Adelbert Demar und Rigobert Zehner IFSYS gegründet. Beide waren zuvor bereits bei einem Hersteller von Zuführsystemen beschäftigt, hatten das Berufsfeld aber zwischenzeitlich gewechselt. Dennoch wurde von potenziellen Kunden immer wieder Interesse an der Zuführtechnik und Vertrauen ins Know-how der beiden herangetragen. Aus dem günstigen Umfeld des Standortes Großbardorf heraus – Arbeitskräfte, Infrastruktur und Lieferantenpotenzial waren vorhanden – entstand schließlich die Idee zu einem eigenen Betrieb.

Demar und Zehner begannen zu zweit auf rund 30 Quadratmetern angemieteter Fläche, schon nach kurzer Zeit wurden die ersten Mitarbeiter eingestellt und entsprechend war eine größere Immobilie unverzichtbar. Rasch erfolgte der Umzug. Ende 2007 waren schon rund 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Konstruktionsabteilung eingegliedert

Nach der Gründungsphase beauftragten Demar und Zehner zunächst ein externes Konstruktionsbüro, 2008 gliederten die Franken die Abteilung aber wieder ins Unternehmen ein. Die Konstruktionsabteilung entwickelte sich schnell. »Ich kam 2008 dazu und war bereits der 34. Mitarbeiter«, erinnert sich Gernot Merklein, zuständig für Softwareentwicklung und CAD-Administration. Gearbeitet wurde von Beginn an mit Solidworks, auch weil die externe Firma das Programm bevorzugte und die ersten Zeichnungen in Solidworks vorlagen. »Da mussten wir nicht mehr lange überlegen«, erklärt Rigobert Zehner.

Als Lieferant und Betreuer entschied sich IFSYS für DPS Software, »weil wir den Eindruck hatten, dass wir dort die besten Ausbildungsmöglichkeiten haben«, wie Rigobert Zehner ausführt. »Wir hatten einige Mitarbeiter, die schon dort waren. Deren Feedback war sehr positiv. Und der Eindruck hat bis heute Bestand.«

Aktuell hat IFSYS 36 Solidworks-Lizenzen im Haus, »die von 32 Konstrukteuren und Mitarbeitern der Arbeitsvorbereitung, in der Dokumentation und in der Fertigung genutzt werden«, so Konstruktionsleiter Alexej Fischer. In Sachen Software ist Solidworks in der Standard-, Professionell- und Premium-Version installiert. Dazu kommen E-Drawings, Draftsight Enterprise und das Paket Composer.

Starkes Wachstum bis heute

Nach Überwindung der Wirtschafts- und Bankenkrise 2008/09 winkte 2010 ein Großauftrag eines deutschen Automobilherstellers. »Wir haben uns überlegt, wie wir das stemmen könnten, und haben letztlich Jopp Holding als Hauptgesellschafter gewinnen können«, so Rigobert Zehner. Der neue Gesellschafter brachte nicht nur Kapital und weltweite Vernetzung mit, sondern auch Know-how.

2013 hat IFSYS bereits eine Niederlassung in den USA gegründet, ein Jahr später folgt ein Servicestützpunkt in Suzhou, China. Damit ist das Unternehmen auf den drei wichtigen Weltmärkten Europa, USA und Fernost vertreten. Aktuell sind 220 Mitarbeiter beschäftigt.

Das IFSYS-Portfolio umfasst Zuführsysteme und Sondermaschinen, die voll- oder halbautomatisierte Montagelinien der Kunden unterstützen. Kernkompetenz sind Bauteilzuführungen mit hohem technischem Anspruch in Bezug auf Mechanik, Elektrik, Pneumatik sowie Steuerungs- und Messtechnik.

»Hauptprodukte«, so Geschäftsführer Rigobert Zehner, »sind Zuführsysteme, durch die kleine Teile in großen Mengen mithilfe von Vibration transportiert werden.« Das können unter anderem Schrauben, Muttern oder Unterlegscheiben sein. Auf Basis dieser Technologie hat IFSYS seine Vibroliner-Technik aufgebaut. Die Anlagen sind variabel für alle Taktzeiten, Bauteilgrößen und Bevorratungsvolumen. Sie erlauben die Schonung der Teile durch minimale Fallhöhe.

Dazu passen Stufenförderer, die die Teile vorsortieren und die zur dosierten Beschickung der Vibrolinersysteme eingesetzt werden. Darüber hinaus hat IFSYS auch Palettiersysteme zum Stapeln und Verladen aller üblichen Behälter- und Produkttypen im Programm.

Problemloses Arbeiten

Nach den Vorgesprächen startet die Konstruktion bei IFSYS direkt in 3D. Man arbeitet sowohl von unten nach oben, sprich vom Einzelteil zur Gesamtkonstruktion, als auch umgekehrt vom Systemansatz zum Einzelteil. Beides ist mit Solidworks problemlos möglich.

Handelt es sich um eine Kundenkonstruktion, kann auf vorhandene Teile und Baugruppen, aus denen der aktuelle Auftrag dann zusammengesetzt wird, zurückgegriffen werden. Steht dagegen ein interner Entwicklungsauftrag an, bei dem völlig neue Dinge entstehen, »haben wir es mit einem ganz anderen Prozess zu tun. Da geht es quasi auf dem leeren Blatt Papier los«, wie Alexej Fischer verrät. Hier werden zunächst Skizzen gemacht und viel ausprobiert, bis eine Neuentwicklung steht.

Zurück zum Kundenauftrag: »Wenn der eine bestimmte Reife hat, erhält der Kunde schon einmal unser 3D-Modell, um es in sein Gesamtmodell einzusetzen und zu prüfen«, erklärt Alexej Fischer. »Simuliert wird gelegentlich«, so Gernot Merklein, »dafür reichen aber die Tools aus, die Solidworks von Haus aus schon mitbringt.«

2D-Inhalte anzeigen

Nach notwendigen Korrekturen aufgrund von Kundenwünschen werden Zeichnungen angefertigt. »Wobei wir hier Programme haben, die Zeichnung aus Solidworks auslesen und sie kundenorientiert nacharbeiten – zum Beispiel Schriftköpfe ergänzen«, wie Merklein berichtet. Das geschieht automatisch mit einer Kombination aus Solidworks und Draftsight.

Draftsight ist eine Software aus dem Haus Dassault Systèmes, die die Verarbeitung, Erstellung und Veröffentlichung von DWG-Files unterstützt. Dagegen ist E-Drawings ein Viewer, der es erlaubt, Modelle und 2D-Inhalte anzuzeigen, zu drucken und prüfbar zu machen. Das Tool wird bei IFSYS unter anderem in der Montage eingesetzt.

Zurück zum Engineeringprozess: In der Dokumentation wird Solidworks Composer eingesetzt – ein 3D-Tool, das 3D-Inhalte aus dem CAD-System nutzt, um grafische Inhalte wie fotorealistische Bilder zu erstellen und diese mit Texten verknüpft. So entstehen beispielsweise Montageanleitungen, Produkthandbücher, Wartungsanleitungen oder Schulungsunterlagen. »Damit wollen wir auch Videos für den Service zu erstellen«, verrät Gernot Merklein.

Starker Partner

»Die Erfahrungen, die wir mit Solidworks gemacht haben, sind hervorragend. Wir wollen gar nichts anderes«, betont Merklein. Sein Kollege Alexej Fischer ergänzt: »Wir haben im vergangenen Jahr eine ganze Reihe neuer Konstrukteure eingestellt. Wie schnell die sich mit Solidworks zurechtgefunden haben, ist sehr bemerkenswert.«

Auch DPS werden gute Erfahrungen zugeschrieben. Der Software-Anbieter sei servicestark. »Wir haben mittlerweile doch recht spezielle Fragen an die DPS-Hotline. Die werden sehr kompetent beantwortet. Da staunen wir immer wieder selbst«, so Gernot Merklein.