Vom Job-Shopper zum Maschinenbauer

Technik/Laser

Genau das liefern, was der Kunde wünscht – so könnte das Motto des Laserbearbeitungsbetriebes Felastec lauten. Wenn also der Kunde eine CNC-Laserbearbeitungsmaschine haben will, bekommt er die – mit einer Steuerung von Num.

02. Oktober 2018
Mit der LSW 330 stellte Felastec die erste selbstentwickelte Laserschweißmaschine vor. Bild: Num
Bild 1: Vom Job-Shopper zum Maschinenbauer (Mit der LSW 330 stellte Felastec die erste selbstentwickelte Laserschweißmaschine vor. Bild: Num)

Felastec in Unterseen, malerisch eingebettet zwischen Thuner- und Brienzersee im Berner Oberland, wurde 1998 gegründet. Rudy Reichen leitet die Geschicke des kleinen, kreativen Laserbearbeitungsbetriebes mit vier Mitarbeitern seit Anfang 2017 und hat mehr als 25 Jahre Erfahrung mit Festkörper- und Faserlasern. Felastec führt in erster Linie Kundenaufträge für Laserschneiden, Laserschweißen und Laserbohren aus.

Aber auch das knifflige Titanschweißen wird angeboten – eine Bearbeitung, die spezielles Know-how und geeignete Vorrichtungen erfordert, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Des weiteren werden Ersatzteile für Festkörperlaser angeboten, für Abnehmer in der ganzen Welt. Mit der LSW 330 hat Felastec jetzt seine erste selbst entwickelte Laserschweißmaschine auf den Markt gebracht.

Rund 90 Prozent aller Aufträge erhält der Hersteller aus der Medizintechnik, aber auch aus der Automobil- und Uhrenindustrie werden vermehrt Anfragen entgegengenommen, unter anderem für Spezialentwicklungen und den Prototypenbau. Die Losgrößen betragen dabei einige Hundert bis wenige Tausend Einheiten. Im medizinischen Bereich werden zum Beispiel Stents für Gefäße, Titan-Pinzetten zur operativen Behandlung des grauen Stars oder Titan-Knochenplatten mit Gewindebolzen hergestellt. Mittels Faserlaser können auch keramische Werkstoffe wie Industriesaphire bearbeitet werden.

Die Partnerschaft mit Num begann schon vor vielen Jahren. So setzt Felastec unter anderem die erste je ausgelieferte, digitale 1050er-Steuerung ein – und die ist noch heute im Einsatz. (Die Num 1050 wurde von 1997 bis 2002 gebaut.) Dazu Rudy Reichen: »Was ich an der Zusammenarbeit mit Num wirklich schätze, ist der unkomplizierte und stets hilfreiche Kundendienst. Wir setzen sogar noch Num-Steuerungen der Generation 760 ein, die im Bedarfsfall immer noch Support von Num erfahren.« Die 760er wurden von 1983 bis 1995 angeboten. Als weiteres großes Plus erachtet Reichen die Qualität der Produkte von Num: »Es gab in all den Jahren nie Probleme.«

Die hier vorgestellte Laserschweißmaschine ist Felastecs erste, selbst entwickelte CNC-Maschine und ›hört‹ auf den Namen LSW 330. Der Endkunde aus dem benachbarten Ausland möchte den Laserschweißprozess künftig ›in-house‹ durchführen und hat so Felastecs Kreativität geweckt. In Zusammenarbeit mit Num und einem Experten für Sicherheitsfragen wurde eine Risikoanalyse durchgeführt und ein Konzept für die neue Maschine erarbeitet. Der Kunde wünschte außerdem eine gute Zugänglichkeit sowie kompakte Abmessungen, was Felastec gelungen ist. Die komplette Maschine ist 170 Zentimeter lang, 90 Zentimeter breit und 190 Zentimeter hoch, bei einem Bearbeitungsvolumen von 300 mm?. Für die nötige Stabilität sorgt ein Maschinenbett aus Naturschwarzstein. Außerdem ist die Maschine, ebenfalls gemäß Kundenanforderung, CE-zertifiziert und mit einem Nd:YAG-Laser mit Schutzklasse 1 bestückt. Ein offener Betrieb in Sicherheitsklasse 4 ist mit den nötigen Schutzmaßnahmen ebenfalls möglich. Das wird gerade beim Laserschweißen kleiner Stückzahlen und großer Teilevielfalt oft gewünscht.

Zur Steuerung der vierachsigen Maschine wird eine Flexium+ 6 eingesetzt, samt Numdrive-X-Antriebsverstärkern und einer Numsafe-Sicherheitsarchitektur. Verwendet werden auch SPX-Motoren mit der bekannten ›Einkabel-Lösung‹, in der kein separates Geberkabel mehr notwendig ist. Ein modernes FS192i HMI, ergänzt mit einem von Felastec entwickelten Bedienpanel sowie ein separater Totmannknopf runden die Bedienung ab.

Der Aufbau der Maschine ist sehr variabel ausgeführt – bei Kundenwunsch kann jederzeit eine Anpassung von Laserschweißen auf Laserschneiden oder Laserbohren vorgenommen werden, ohne eine Anpassung des Steuerungskonzeptes zu erfordern. Durch die Bündelung von Felastecs Kenntnissen von Maschinen und Prozessen rund um die Laserbearbeitung sowie Nums Expertise im Bereich Steuerung und Umsetzung konnte so in kurzer Entwicklungszeit eine neue Maschine entstehen.

Zahlen & Fakten

Bereits 10 Jahre, bevor NC und CNC eine breite Akzeptanz bei den Anwendern fanden, nämlich im Jahre 1961, begann Güttinger, die erste computergestützte Steuerung zu entwickeln. Zur Markteinführung 1964 war Güttinger einer der ersten CNC-Anbieter weltweit. 1978 wird in Paris die Num SA gegründet, 1981 Güttinger übernommen. Telemecanique, inzwischen das Mutterunternehmen von Num, schloss sich Mitte der 90er-Jahre dem Schneider-Electric-Großkonzern an. Anfangdes Jahres 2006 wird Num mit allen weltweiten Niederlassungen von einem Investor und dem Management übernommen und in der Num-Gruppe zusammengefasst. Gleichzeitig wird der Hauptsitz, bis zu diesem Zeitpunkt in Paris, nach Teufen in der Schweiz verlegt. Num betreibt heute weltweit elf Technologie-Center (NTC = Num Technology Center) mit den Bereichen Applikationsentwicklung, Verkauf und Service und betreut zahlreiche Agenten und Kontaktpunkte.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018