Vom Feinsten

Technik/Brennschneiden

Fahrzeuge mit acht Rädern – nebeneinander wohlgemerkt – bekommt man bei Goldhofer in Memmingen. Anlagen für perfekte Zuschnitte bekommt Goldhofer bei Erl in Landau an der Isar.

13. Oktober 2014

Die Goldhofer Aktiengesellschaft, im bayerisch-schwäbischen Memmingen gelegen, ist einer der weltweit renommiertesten Hersteller von Fahrzeugen im Bereich allgemeiner Straßen-, Schwerlast-und Spezialtransporte.

Die spektakulärsten Fahrzeuge der Welt?

Mit mehr als 650 Mitarbeitern werden in Memmingen Anhänger, Sattelauflieger, Modulfahrzeuge und Flugzeugschlepper gebaut – bewährte, modernste und technologisch anspruchsvollste Lösungen für Nutzlasten von 25 bis über 10000 Tonnen – das entspricht 120 vierachsigen Lokomotiven – für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke und Anforderungen. Egal ob Standard-, Sonder- oder Spezialfahrzeug, Goldhofer liefert Produkte mit herausragender Innovation und bester Qualität.

Um diesen Ansprüchen auch in der Produktion gerecht zu werden, sind entsprechende moderne und innovative Produktionsanlagen erforderlich. Diese müssen, synchron zu den Anforderungen an die Produkte, ebenfalls den Veränderungen und Herausforderungen der Zeit angepasst sein.

Der Blechzuschnitt mit den bisherigen thermischen Portalschneidanlagen (eine Plasmamaschine mit Fasenkopf und eine Autogenmaschine mit zwei Senkrechtbrennern), war zum Zeitpunkt ihrer Beschaffung vor gut acht Jahren mit das Modernste, was damals zu bekommen war. Dieser konnte den wachsenden und sich verändernden Anforderungen der Zukunft nicht mehr in vollem Umfang und nicht mehr in wichtigen Details gerecht werden.

- Plasmaschneiden in höchster Präzision und Geschwindigkeit bis 40 mm Blechdicke

- Erzeugung unterschiedlichster Fasen mit höchster Genauigkeit als Schweißkanten für nachfolgende Roboterschweißungen

- Einsparung von Blechverschnitt

- Erhöhung der Ausbringungskapazität

- Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit

Dies waren die wesentlichen Anforderungen bei den Überlegungen zur Neubeschaffung von Maschinen im thermischen Blechzuschnitt. Die beste Lösung wurde Goldhofer schließlich von der niederbayerischen Erl Automation GmbH aus Landau an der Isar angeboten. Das Konzept entsprach genau Goldhofers Anforderungen und überzeugte die Entscheider:

- eine Portalmaschine ›Deltatec‹ mit einer Feinstrahlplasmaanlage ›Hifocus 440i‹

- eine Portalmaschine ›Deltatec‹ mit zwei Autogenbrennern und einer kleinen Luftplasmaanlage

- eine Fasenschneidrobotersystem ›Profi Biber‹ mit einer Feinstrahlplasmaanlage ›Hifocus 440i‹

Diese Anlagen prägen nun seit dem Jahreswechsel 2013/2014 Goldhofers neues thermisches Schneidzentrum.

Das absolute Highlight des neuen Schneidzentrums ist der Fasenschneidroboter ›Biber‹. Der auf einer Lineareinheit verfahrende Roboter kann in einem Arbeitsbereich von 2000 x 4000 mm Fasen mit Schnittlängen bis 200 mm erzeugen. Ein sehr einfach gestaltetes Wechselsystem erlaubt den Einsatz von Feinstrahlplasmatechnik ebenso wie den Einsatz eines Autogenbrenners.

Vorherige Fehler korrigiert

Durch das integrierte Messsystem eines Zeilenlaserscanners werden nicht nur die zu bearbeitenden Bauteile sehr schnell in Position und Lage automatisch erfasst, es sichert zudem, durch permanente Messungen der Werkstückkanten und Schnittflächen nach jedem Bearbeitungsschritt, ein Höchstmaß an Präzision der Schneidresultate. Selbst Maßabweichungen von Bauteilen aus dem vorhergehenden Zuschnitt werden von dem Messsystem erfasst und entsprechend korrigiert.

Durch die Freiheitsgrade, die der Roboter aufgrund seiner Achsenanzahl bietet, sind Fasenausbildungen und -vielfalten möglich, die bisher nur durch aufwendiges Handling oder teure zerspanende Verfahren machbar waren. Durch die integrierte ›dynamische Schneidparametereinstellung‹ ist es sogar möglich, beim Plasmafasenschneiden unterschiedliche Fasenschnittlängen in einer Fasenkontur, ohne einen üblicherweise notwendigen Wechsel von Verschleißteilen mit einem dafür erforderlichen Stoppen des Schneidprozesses, zu erzeugen.

Nun mag man sicherlich denken, dass dies alles sehr aufwendig und zeitraubend vorzubereiten und zu programmieren ist. Dem ist bei diesem Robotersystem nicht so. Das Biber-System von ERL Automation zeichnet sich durch einfachste Programmierung (offline) und Handhabung aus. In fünf kurzen, menügeführten Schritten erstellt der Bediener an der Steuerung das fertige Schneidprogramm, legt das oder die Bauteil(e) auf dem Schneidtisch auf und startet dann den automatischen Schneidprozess. Egal ob Serienteile, unterschiedlichste Bauteile oder nur Einzelteile geschnitten werden – der Biber erzeugt mit kürzester Vorbereitungszeit Fasen in höchster Präzision und Geschwindigkeit.

Die Erzeugung der thermischen Blechzuschnitte findet bei Goldhofer inzwischen auf den beiden neuen Deltatec-Portalmaschinen statt. Diese werden nun ausschließlich für Senkrechtzuschnitte eingesetzt da die früher auf den Vorgängermaschinen erzeugten Fasenarbeiten komplett durch den Biber-Fasenroboter übernommen wurden. Die beiden Deltadec-Maschinen arbeiten auf einer gemeinsamen Längslaufbahn mit einem neuen Schneidtisch, der über einen Kratzförderer zur Entsorgung der Schlacke und Reste verfügt.

Das Kernstück bei den neuen Portalschneidmaschinen ist hierbei die Deltadec-Maschine mit der Feinstrahlplasmaanlage Hifocus 440i. Hier werden Blechzuschnitte bis zu einer Dicke von 40 mm erzeugt mit einer Geschwindigkeit und Präzision die Goldhofer bisher nicht kannte. Durch die konstruktive Gestaltung der Deltatec-Maschinen wurde ein optimales Verhältnis von bester Steifigkeit und geringstem Gewicht erreicht. Die Maschinen verdanken dem zukunftsweisenden Antriebskonzept die Dynamik zur Erzeugung der Präzision und zum Erreichen der hohen Schneidgeschwindigkeiten. Die Deltatec-Maschine schafft es, so die heutige Erfahrung von Goldhofer, die Vorzüge und Vorteile der Hifocus-Plasmaanlagen richtig zu nutzen und im Ergebnis zu beweisen.

Proportionalregelung

Die Deltatec-Maschine mit Autogentechnik steht der Plasmamaschine, abgesehen natürlich von prozess- und technologiebedingten Ergebnissen, in nichts nach. Goldhofer bestätigt hier beste Schneidergebnisse. Selbst im Schneidbereich von 150 mm ist die Schneidqualität, speziell auch die erzeugte Ausbildung von Innenecken, hervorragend. Erreicht wird dies auch durch die neuartige Proportional-Regeltechnik der Autogenbrenner.

Durch den Einsatz der neuen Schneidanlagen von Erl Automation hat sich Goldhofers thermischer Zuschnitt grundlegend und sehr positiv verändert.

Die Deltatec-Portalschneidmaschinen erzeugen heute bessere Schneidergebnisse als bisher und bieten Goldhofer die gewünschte Kapazitätssteigerung mit ausreichend Reserven für die Zukunft.

Das Fasenschneidrobotersystem Biber schafft Goldhofer die Möglichkeit, Fasen in sauberer Geometrie und Genauigkeit zu erzeugen, die Prozesse deutlich zu vereinfachen oder gar erst zu ermöglichen, wie das Roboterschweißen. Bisherige aufwendige und teure Herstellungsschritte wie Fräsen, Schleifen oder manuelle Handarbeit für Fasen konnten die früheren Portalmaschinen Goldhofers nicht erzeugen und wurden nun durch den Biber ersetzt.

Der zusätzliche Blechverschnitt, der beim Erzeugen von manchen Fasenarten mit Fasenschneidaggregaten auf Portalmaschinen unvermeidbar ist, entfällt durch die Fasenerzeugung mit dem Biber komplett – auch ein Baustein der Forderung eines effizienteren und wirtschaftlicheren thermischen Zuschnitts.

Die Verantwortlichen bei Goldhofer sehen alle definierten Anforderungen durch die Realisierung des neuen Schneidzentrums aus dem Hause Erl Automation bereits heute mehr als erfüllt. Darüber hinaus entdeckt man bei Goldhofer immer wieder neue Möglichkeiten, die sowohl die neuen Schneidsysteme als auch die umfassenden weiteren Konzepte aus dem Hause Erl bieten können.

Seit Jahren hat Goldhofer bei verschiedenen Anlässen wie Fachmessen, dem Deutschen Brennschneidtag, aber auch bei Besuchen auf den Fachtagungen, die von Erl in Landau durchgeführt werden, immer wieder Kontakt zu Erl Automation.

Bei der Suche nach dem geeigneten, zukunftsorientierten Partner für unser Vorhaben war Goldhofer wieder mit Erl wieder in Kontakt getreten und hat schnell erkannt, dass Erl Automation das einzige Unternehmen ist, das die angestrebte Lösung (Senkrechtschneiden mit Portalmaschinen und Fasenschneiden mit Roboter) mit den von Goldhofer geforderten Ansprüchen in vollem Umfang aus einer Hand anbieten kann.

Von der Idee über die Planung, Projektierung, Realisierung bis zur Montage, der Installation und den Schulungen, lernte Goldhofer die Erl Automation als zuverlässigen und kompetenten Partner kennen.

Euroblech Halle 13, Stand G30

Erl Automation, Landau a. d. Isar

Die Mechanisierung von Schweiß-, Schneid- und Handhabungsanwendungen ermöglicht es Produzenten von Metallartikeln, sich von hohen Lohnkosten unabhängig zu machen. Einmal erstellte Programme laufen anschließend selbsttätig ab und erfordern außer dem Bauteiltransport keine manuellen Tätigkeiten. Mechanisiertes Schweißen, Schneiden und Handling führt zu besserer Qualität. Optisch ansprechende Schweißnähte, Schnittkanten, die passen, und Teile, die immer am richtigen Ort sind, ohne Nacharbeit – das zeichnet Erls Automationslösungen aus. Und noch ein Aspekt spricht für Mechanisierung und Automatisierung: Es wird immer schwieriger, Mitarbeiter für manuelles Schweißen und Schneiden zu finden. Kein Wunder, denn diese Tätigkeiten sind anstrengend und gehören sicherlich nicht zu den attraktivsten. Allerdings – mit Computern und Robotern kennt sich die junge Generation bestens aus, und sie freut sich über saubere und gesunde Arbeitsplätze in der AV und Programmierung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2014