Virtuoses Quartett

Produktivität ist nicht nur eine Frage der Leistung

Die steigende Bedeutung des italienischen Maschinenbaues in Europa kommt nicht von ungefähr. Die dynamischen Maschinenbauer jenseits der Alpen können Konzepte vorweisen, die schnörkellos und gleichzeitig hochproduktiv sind. So auch die BLM-Gruppe, ein „virtuoses Unternehmens-Quartett“, das immer darauf bedacht ist den Ton anzugeben und nicht aufgesetzten Trends hinterherzulaufen. Die Konzentration auf ihre Kernkompetenzen und -Märkte, bei gleichzeitiger Beobachtung „artverwandter“ Themengebiete, lassen die Italiener zu Dirigenten ihres Fachs werden.

02. September 2002

Stetiges Wachstum, jede Menge Fachkompetenz, ein glückliches Händchen und eine Unternehmenskultur, die Integration fördert, jedoch keine Selbstaufgabe der Tochterunternehmen einfordert, das ist nur ein Teil der Erfolgsgeschichte der BLM-Gruppe, die sich mit Rohrbiegemaschinen, Endenbearbeitungsmaschinen, Trenn- und Laser-Schneidsystemen für Rohre und Blech einen festen Platz nicht nur in der italienischen Oberliga erarbeitet hat.

Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete im letzten Jahr fast 71 Millionen Euro und beschäftigt 300 Mitarbeiter. Dieser relativ schlanke Mitarbeiterstamm wird durch ein geschicktes Management möglich. Die Maschinen werden aus zugekauften und „extern“,in Gruppeneigenen Betrieben gefertigten Komponenten, in den eigenen Werken lediglich montiert. Das komplette „Engineering“ erfolgt allerdings in den eigenen großen Konstruktionsbüros der BLM-Gruppe, und da sammelt sich einiges an Know-how, denn die gute Mischung aus Spezialisten fürs Rohrbiegen, Sägen, Lasern, Anwendungs-Software, Automation, und neue Technologien ermöglicht es den innovativen Italienern speziell im Rohrbearbeitungsbereich den kleinen Schritt voraus zu sein. Ein Großteil der Produktion geht in den Automobilbereich, danach folgen der Möbelbereich, der Bereich „Klima“ und noch weitere kleinere Sektoren.

Die „Mutter“ der Unternehmensgruppe, die BLM mit Sitz in Cantù bei Como (I) ist mit Rohrbiegemaschinen groß geworden. Adige-Sala aus Levico Therme (I), ein Spezialist für Sägen kam hinzu, als sich die italienische Wirtschaft Anfang der 90er Jahre in einer tiefen Krise befand. Die Integration verlief erfreulich und der Spezialist für Sägen widmete sich dem Thema Laserschneiden, als es noch nicht absehbar war, ob der Laser jemals wirtschaftlich eingesetzt werden könnte. Dieser Mut, in neue Technologien zu investieren wurde belohnt und der Lasersektor entwickelte sich überproportional gut.

Ende 2000 wurde Adige Systems gegründet, eine Innovationsschmiede, die dem Mutterhaus zahlreiche Spezialitäten bescherte und sich insbesondere der Laserbearbeitung verschrieben hat. So entwickelte das junge Unternehmen etwa eine Maschine, die sowohl den Bereich Blechschneiden als auch Rohrschneiden beherrscht, und auf beiden Gebieten eine vollständige Laserschneidmaschine repräsentiert. Unter drei Minuten kostet die Umrüstung vom Blechschneiden zum reinrassigen Rohrschneiden auf der Vierachs-CNC-Maschine „Adilas2“. Bleche bis3.000 x 6.000 mm bis 20 mm Dicke und Rohre mit einem maximalen Durchmesser von 225 mm können mit der Adilas2 bearbeitet werden.

Die Automatisierung spielt für BLM eine wichtige Rolle, da das Unternehmen seinen Kunden ein ganzheitliches Konzept bieten will. Somit war klar, daß ein Softwarespezialist, wie die MGS aus Turin, die perfekte Ergänzung zu einem „virtuosen Unternehmens-Quartett“ darstellt. Ende letzten Jahres stießen die Turiner Software-Spezialisten hinzu, die für die neuen optischen Kontrollsysteme an den BLM-Maschinen verantwortlich zeichnen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ließ sich schon auf der Tube in Düsseldorf bewundern, wo ein Ensemble von Rohrbiegemaschine, Umformmaschine sowie ein Roboter zum Teilehandling und ein optisches Meßgerät zur 100-Prozent-Prüfung, vollautomatisch zu Werke gingen. Die Software-Entwicklung und die Entwicklung optischer Systeme spielen für die Zukunft eine zunehmende Bedeutung.

Innovation wird groß geschrieben

In den letzten 12 Monaten stellte die BLM-Gruppe drei neue Maschinen unter dem BLM-Logo (Dynam4, NC880 und Dynam0-MR200) sowie drei weitere Produkte unter dem Namen Adige (LT652 und die Softwarepakete Cad-Cam, TS72 und CM601). Auch in diesem Jahr werden 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes in die Forschung und Entwicklung fließen.

Antonio Farese, der „Market Development Manager“ der BLM-Gruppe führt durch das Betriebsgelände von Adige-Sala in Levico Therme. Zwei Sektionen prägen das Unternehmen, daß mit Sägemaschinen großgeworden ist. Die eine befaßt sich mit Rohrsägen, wobei „einfache“ Rohrsägen bis hin zu vollautomatisierten Sägen, aus der TC- oder TS-Baureihe, hier zu finden sind. Ein Rohrmagazin, eine Zuführeinheit, integrierte Spann- und Meßsysteme, eine Abführeinheit mit automatischer Rohrreinigung, die 100-Prozent-Gütemessung sowie die anschließende Trennung von „Gut“- und „Schlecht“-Teilen, zeigt eindrucksvoll, was automatisierte Maschinen heute zu leisten vermögen. Durch den modularen Aufbau kann der Kunde sich zuerst für eine einfache Sägeeinheit entscheiden und diese dann nach Bedarf aufrüsten. Doch auch der Weg zur Komplettbearbeitung wird bei Adige-Sala konsequent verfolgt. Die CM502 etwa, erledigt in drei Bearbeitungsstationen nicht nur das Ablängen von Rohr- und Stangenmaterial, sondern übernimmt auch die Endenbearbeitung und fertigt so komplette Werkstücke.

„Sägen“ mit dem Laser

Die zweite Sektion von Adige-Sala widmet sich ausschließlich der Laserbearbeitung von Rohren. In einem „Showroom“ stehen zwei Lasertube-Maschinen, die als Demonstrationsanlagen, beziehungsweise zur Schulung der Kunden verwendet werden. Hier lernen die frischen Lasertube-Besitzer das Programmieren mit der Adige-eigenen Software und die Feinheiten ihrer Maschine kennen. So ist etwa bemerkenswert, daß die Umstellung auf verschiedene Rohrquerschnitte oder Rohrdurchmesser nicht mit aufwendigen Umrüstarbeiten verbunden ist.

Prozeßkettenbetrachtungen

Antonio Farese führt in Cantù bei Como durch die Konstruktions- und Entwicklungsabteilung, wo Soft- und Hardware-Spezialisten bestehende Produktgruppen oder Werkzeuge auf Kundenwunsch hin konstruieren, optimieren, und wo zukünftige Produkte entstehen. Aufgeräumt, hell und klar strukturiert präsentiert sich auch die Werkshallen. Hier verlassen Rohrbiegemaschinen, wie die Dynam4, die Planet, oder die Swing um nur drei der erfolgreichsten Modellreihen zu nennen die aufgeräumten Montageplätze. Befragt auf den Wettbewerb und die Leistungssteigerung der Maschinen nennt Antonio Farese einen wichtigen Grundsatz des Unternehmens: „Innovation nicht nur auf die Leistung zu beschränken, sondern die ganze Prozeßkette zu betrachten, daß ist unser Anliegen“, und er führt das eben gesagte auch gleich am Beispiel der „Planet“ vor, die gerade ihr Testprogramm abspielt. „Sicher läßt sich die Leistung weiter steigern, aber hier haben wir uns Gedanken über die Prozeßkette gemacht, und damit unserem Kunden bares Geld gespart“, so Antonio Farese weiter.

Schneller, weil intelligenter

In der Tat wäre eine Leistungssteigerung der ohnehin fixen Planet mit einem enormen Aufwand verbunden, doch die Frage war nicht „schneller“, sondern „intelligenter“. So bestellte der Kunde früher fertig abgelängte Kupferrohre, die er anschließend bog und vermaß. Die Kosten der vorgefertigten Rohre waren hoch, zudem waren mehrere Maschinen zur Bearbeitung, damit verbunden mehrere Arbeitsschritte und mehr Personal nötig. Daher schlug BLM dem Kunden vor, doch Rohrmaterial vom Coil zu verwenden, was dem Qualitätsstandard des Endproduktes voll entsprach. Nun wird das Coil an der Planet aufgehaspelt, gerichtet, geformt, gebogen, geschnitten und auf Wunsch auch zu 100 Prozent vermessen, also alle Arbeitsgänge ohne Umspannen auf ein und derselben Maschine erledigt, was die Teile genauer und exakt reproduzierbar macht. Und dies alles innerhalb einer nur Sekunden langen Durchlaufzeit. Aufgrund der guten Erfahrungen mit der automatisierten Planet, konnte dieses Gesamtkonzept auch vielen Neukunden erfolgreich vermittelt werden. An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal die Kompetenz der Unternehmensgruppe, wo Soft- und Hardware-Know-how zu einem Gesamtkonzept verschmilzt.

Erschienen in Ausgabe: 05/2002