Virtuose Stanzer

PRESSENTECHNIK EBERHARDT WERKZEUGBAU VERLÄSST SICH BEIM PROBIEREN UND PRODUZIEREN AUF DIE PRESSEN VON HYLATECHNIK.

27. November 2004

Wer als Partner der großen Systemlieferanten bestehen will, muß flexibel sein und Spitzenleistungen in zuverlässiger Qualität bringen. Wie die Eberhardt Werkzeugbau GmbH und die angegliederte Stanzerei Hans Eberhardt Metallverarbeitung, die soeben ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude mit über 6.000 m2 Nutzfläche in Cleebronn bezogen haben: Das etablierte Familienunternehmen setzt bei der Erprobung komplexer Folgeverbundwerkzeuge und bei der Serienfertigung von Stanzteilen auf Pressen des Ilsfelder Herstellers Hylatechnik. Dank Schnittschlagdämpfung und Parallelhaltung bewähren sich diese Maschinen insbesondere bei der Werkzeugerprobung und bei der Fertigung anspruchsvoller Sichtteile.

Begonnen hat die Partnerschaft mit Hylatechnik vor 17 Jahren, als Firmengründer Hans Eberhardt das zuvor genutzte Geschäftsgebäude bezog: Eine alte 50-t-Presse mußte instandgesetzt werden. Hylatechnik reparierte das Fremdfabrikat und rüstete eine neue, sichere Steuerung nach. Das Ergebnis fi el so überzeugend aus, daß Eberhardt dem Hersteller seither treu blieb. Drei Jahre später kaufte er bei Hylatechnik eine 250-t-Presse. Ursprünglich sollte diese Maschine dem Ausprobieren von Werkzeugen dienen. »Dafür allein war die Investition freilich zu groß«, verrät Hans Eberhardt. Also baute der gelernte Werkzeugmachermeister die Teileproduktion zum zweiten Standbein aus. In beiden Bereichen ist das 1977 gegründete Unternehmen zum gefragten Partner der Autozuliefer- und Weißware-Industrie geworden - und für beide Aufgaben kommen die inzwischen vier Hylatechnik- Pressen vielseitig zum Einsatz. Die erste Stanzpresse des Ilsfelder Unternehmens mit Programmspeicher-Steuerung von Siemens und automatischem Vorschub hatte Eberhardt 1993 direkt von der Messepremiere weg gekauft.

TECHNIK, DIE BEGEISTERT

Für die Produktion mit Folgeverbundwerkzeugen eignet sich diese Maschine besonders gut, bemerkt Bernd Wölffl e, Leiter der Stanzerei. Erst recht gilt das für die derzeit größte Hylatechnik-Presse in Eberhardts nagelneuer Halle - eine 400-t-Stanzpresse mit einem Zwei-Meter-Tisch. Bei einer Werkzeugabnahme für einen namhaften süddeutschen Automobilhersteller an dieser Maschine sei der Kunde regelrecht ins Schwärmen geraten, berichtet der Firmenchef. Auslöser der Begeisterung: die hervorragenden Laufeigenschaften und die Parallelhaltung der Maschine. »Das Werkzeug kommt schnell herunter, wird abgebremst und läßt sich feinfühlig schließen ohne sich zu verkanten - gerade für empfindliche Werkzeuge ist das geradezu ideal«, erläutert der Werkzeugmacher. Man kann den Biegevorgang mit dem bloßen Auge verfolgen; für die Fehlerkontrolle bei Erprobung und Fertigung ist das essentiell. Trotzdem arbeitet die Hylatechnik-Maschine mit Hubzahlen bis zu 40/min schnell genug, um rationell produzieren zu können: »Komplexe Folgeverbundwerkzeuge fahren selten mehr als 30 bis 35 Hub pro Minute«, weiß Eberhardt. Auch bei anspruchsvollen Sichtteilen - einer weiteren Spezialität des Hauses -, wo selbst die kleinste Abweichung zum Ausschuß führt, bewährt sich diese Präzision.

PRÄZISE UND ZUVERLÄSSIG

Ihre Vier-Ständer-Architektur prädestiniert die Hylatechnik- Stanzpressen für die präzise und zuverlässige Arbeit mit Folgeverbundwerkzeugen. Die kompakte und platzsparende Bauform verbindet massive Stabilität mit höchster Flexibilität. Durch ihren breiten seitlichen Durchgang ist die Vier- Ständer-Bauform für die Automatisierung gut geeignet. Bei dem Metallverarbeiter ist die große Stanzpresse mit einem Coil-Abwickler für Blechbandbreiten bis 900 mm verbunden. Für die von Hans Eberhardt und seinem Team geschätzte Präzision und Zuverlässigkeit stehen zwei Technologien, die für Hylatechnik-Stanzpressen typisch sind: Die Parallelhaltung, ein hydraulisches System, das ein Kippen des Pressenstößels wirkungsvoll verhindert, und die optimal auf das jeweilige System abgestimmte Schnittschlagdämpfung.

Der Einsatz dieser hydraulischen Technologien reduziert nicht nur den Werkzeugverschleiß auf ein Minimum, sondern auch den bei der Blechumformung unvermeidlichen Lärm. »Was Sie hier hören, sind vor allem Werkzeug- und Werkstückgeräusche«, bemerkt Abteilungsleiter Wölffl e - in der Tat: die Presse selbst arbeitet geradezu im Flüsterton. »Keine Probleme mit Verschleiß«, bescheinigt Wölffl e seinen Hylatechnik-Pressen. Die Maschinen seien einfach und sicher zu bedienen, und auch der Service stimmt: »Wenn doch mal ein Problem auftaucht, ist es schnell behoben, meist schon am gleichen Tag.« Die Serviceorientierung gehört für Peter und Uwe Chrubasik zur Firmenphilosophie von Hylatechnik - der Vater und Firmengründer hatte seine Erfahrungen bei der Instandhaltung in der Pressenschlosserei der Heilbronner Firma Läpple gesammelt.

»Schon bei der Konstruktion der Maschinen lege man Wert auf Servicefreundlichkeit«, unterstreicht Uwe Chrubasik. Service und Reparaturen bietet Hylatechnik auch an Fremdfabrikaten. »Das hat uns schon viele Türen geöffnet - auch hier bei der Firma Eberhardt«, ergänzt Peter Chrubasik.

Eine weitere Hylatechnik-Spezialität sind preisgünstige hydraulische Stanzpressen auf Altgestellbasis. Für die Hans Eberhardt Metallverarbeitung wurde eine alte mechanische Exzenterpresse auf massivem Gußständer mit Hydraulikantrieb und moderner Steuerung ausgestattet. »Alle beweglichen Teile sind neu. Trotzdem kostet so ein Umbau etwa ein Drittel weniger als eine komplett neue Maschine«, erklärt Uwe Chrubasik. Der stabile Ständer, wie er früher üblich gewesen sei, erweise sich als zusätzlicher Vorteil. Abteilungsleiter Wölffle jedenfalls läßt auf die Leistung dieser Maschine nichts kommen: »Für kleine Teile sei sie aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Größe optimal«, sagt er und nimmt ein Bauteil für den neuen 5er BMW aus der Presse. Nicht die ausländische Billigkonkurrenz macht Hans Eberhardt Sorgen, sondern die verengte Perspektive vieler Einkäufer, die nur Zahlen sehen, aber nicht beurteilen können, was sie einkaufen. »Billig, billig allein kann& pos;s auf die Dauer nicht sein«. Ausländische Lieferanten könnten in der Qualität oft nicht mithalten; trotzdem griffen viele lieber auf billige Werkzeuge zurück und nähmen dafür umständliche Nachbearbeitungen in Kauf. Die Cleebronner Werkzeugschmiede hat jedenfalls ihre Marktlücke erkannt: Spezialisten für anspruchsvolle Sichtteile und große Folgeverbundwerkzeuge sind gefragt, die möglichst viele manuelle Arbeitsgänge entbehrlich machen - das Hinzufügen von Gewinden, Muttern, Bolzen oder Schrauben in Fügefolgeverbundwerkzeugen inbegriffen.

Erschienen in Ausgabe: 11/2004