Ursprung im Technologie-Zentrum

Maßgeschneiderte Lösungen in Metallurgie und industrieller Fertigung

An der Peripherie Münchens ist einer der weltweit führenden Gasehersteller angesiedelt. Basis des Erfolges waren und sind Innovationskraft und Kundennähe. Im Technologie-Zentrum des Unternehmens befassen sich etwa 180 Naturwissenschaftler, Ingenieure und andere Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen mit der Erforschung der Einsatzmöglichkeiten für Gase unter Berücksichtigung von Qualität, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltschutz.

16. März 2001

Wer im Weltorchester der Industrie die erste Geige spielen will, muß in Forschung und Entwicklung investieren. Die Linde AG, Werksgruppe Technische Gase, gehört zu den führenden Gaseherstellern der Welt. Diese Position kann das Unternehmen in erster Linie durch Innovationskraft und Kundennähe ausbauen. Dafür ist es erforderlich, ständig neue Gasequalitäten und -anwendungen sowie spezifische Geräte und Einrichtungen zu entwickeln. Geburtsort vieler Innovationen ist das Linde-Technologie-Zentrum in Unterschleißheim bei München.

Es ist vor allem der spezifisch ausgebaute, anwendungstechnische Bereich, der Forschung und Entwicklung unterstützt. Auf dem Sektor des Thermischen Spritzens hat sich in jüngster Zeit eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten ergeben. Im Anwendungstechnischen Zentrum ATZ, ausgestattet mit den Geräten für alle marktgängigen Spritzverfahren, entstanden wesentliche Impulse für die weltweit stark gewachsene Bedeutung der äußerst vielseitigen Oberflächentechnologie. Zur Ausrüstung gehört eine schallgedämpfte Kabine mit einem Spritzmanipulator sowie eine Digitalkamera zur Kontrolle und Parameteroptimierung des Spritzprozesses. Die verschiedenen Parameter (Spritzverfahren, Spritzwerkstoff, Grundmaterial und Gas als Träger von thermischer und kinetischer Energie) eröffnen immer wieder neue Anwendungen. „Mit der Gründung der GTS, Gemeinschaft Thermisches Spritzen, vor sieben Jahren, haben wir in diesem Bereich mit dem GTS-Gütezeichen Maßstäbe für Qualität gesetzt“, kommentiert Peter Heinrich, Leiter Thermisches Spritzen bei Linde und Geschäftsführer der GTS.

Ein Projektor zur Lichtbogenkontrolle

Für das Gebiet der Schutzgas-Schweißtechnik, dem heute dominierenden Schmelz- Schweißverfahren zum Verbinden metallischer Werkstoffe, stehen neben verschiedenen Vorrichtungen, Stromquellentypen und -fabrikaten auch zwei Roboter mit je acht Achsen zur Verfügung. Mit Hilfe eines Lichtbogenprojektors läßt sich sowohl der MAG- als auch der WIG-Lichtbogen in 80facher Vergrößerung unter Veränderung aller relevanten Schweißparameter darstellen.

Neben den modernen thermischen Trennverfahren wie Laser- und Plasmaschneiden wird im ATZ auch das autogene Brennschneiden zur Optimierung des Schneidprozesses weiter entwickelt. „Die besten und wirtschaftlichsten Ergebnisse erzielt man mit dem Brenngas Acetylen“, bestätigt Burkhard Haas, Leiter Versuch Schneid- und Schweißtechnik. Mit Hilfe einer Koordinaten-Brennschneidmaschine und einer Videokamera werden die Vorteile dieses Gases untersucht und demonstriert. Für die Kostenrechnung lassen sich die Verbrauchswerte und Zeiten online umsetzen.

In der Metallurgie werden metallische Werkstoffe unter Schutz- oder Reaktionsgasatmosphären geglüht, gelötet, aufgekohlt oder nitriert. „In verschiedenen Ofentypen mit modernen Meß- und Regeleinrichtungen - seit neuestem steht auch ein Vakuumofen mit Hochdruckabschreckung zur Verfügung - läßt sich nahezu jede Ofenatmosphäre einstellen. Das heißt, Schutz- und Reaktionsgase sind für jeden einzelnen Anwendungsfall lieferbar“, erläutert Reinhard Strigl, Leiter Anwendungstechnik Metallurgie und Glas. Mit dem Carbocat-Verfahren wurde ein sehr wirtschaftliches System zum kohlungsneutralen Glühen von Stahlrohren und -profilen bereitgestellt. Auch der neue Carboquick- Prozeß, mit dem der Anwender die Aufkohlungsgeschwindigkeit beim Einsatzhärten um bis zu 30 Prozeß steigern kann, fand seinen Ursprung im ATZ.

Für viele Gaseanwendungen findet die Entwicklung der dazugehörigen Brenner ebenfalls in Unterschleißheim statt, ebenso die Fertigung, sofern sie nicht an anderen Linde-Standorten durchgeführt wird. So entstanden im ATZ beispielsweise Sonderbrenner für die Autogentechnik und Oxy-Fuel-Brenner, die den Energieverbrauch, das Abgasvolumen und somit die Emissionen beim Schmelzen von Glas oder Metall reduzieren. Am Brennerprüfstand des ATZ werden speziell auf Kundenanforderungen zugeschnittene Oxy-Fuel-Brenner für gasförmige, flüssige oder feste Brennstoffe erprobt und optimiert.

Das Technologie-Zentrum

Im Technologie-Zentrum der Linde AG, Werksgruppe Technische Gase, in Unterschleißheim bei München, befassen sich rund 180 Mitarbeiter - Naturwissenschaftler, Ingenieure und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen - mit der Erforschung der Einsatzmöglichkeiten für Gase unter Berücksichtigung von Qualität, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Umweltschutz. Nicht nur die hohen Investitionen der vergangenen Jahre und die Verdoppelung der Betriebsflächen auf über 5.500 m2 haben das Technologie-Zentrum zu einem Ort gebündelter Kompetenz gemacht. Es ist vor allem der spezifisch ausgebaute, anwendungstechnische Bereich, der Forschung und Entwicklung unterstützt. „Dabei fließt auch das Wissen der Mitarbeiter aller nationalen und internationalen Konzerngesellschaften mit ein“, erklärt Helmut Meinaß, Leiter Anwendungstechnik Metallverarbeitung.

Rund 120 Spezialisten aus unterschiedlichen Fachgebieten stehen in der Service-Abteilung Anwendungstechnik und im dazugehörigen Anwendungstechnischen Zentrum (ATZ) zur Verfügung, um Kundenprobleme zu analysieren und Lösungen zu erarbeiten. Derzeit umfaßt die Anwendungspalette etwa 200 relevante Verfahren. Die gewonnenen Ergebnisse werden beim Auftraggeber vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Linde Außendienst umgesetzt. Auch nach der genauen Abstimmung eines Verfahrens auf kundenspezifische Belange betreut Linde weiterhin den Einsatzbereich. Persönliche Beratung, Serviceleistungen sowie ein umfangreiches Angebot an Lehrfilmen und Arbeitshilfsmitteln bieten den Kunden wertvolle Unterstützung.

Erschienen in Ausgabe: 11/1999