Unternehmenssteuerreform, der große Wurf?

Reinhard Schultz, SPD, (MDB): »Starkes Wirtschaftswachstum und hohe Investitionstätigkeit«, und VDMA-Präsident Dr. Dieter Brucklacher »Wir wünschen uns für die Zukunft eine echte Strukturreform«

06. September 2007

PRO: Wer diese Reform in ihrer Tragweite verstehen will, muss eines wissen: Die Unternehmensteuerreform ist eine steuerpolitische Antwort auf die Globalisierung. Wenn jährlich etwa 100 Milliarden Euro deutscher Konzerngewinne durch strategische Finanzierungsprozesse, Funktionsverlagerungen und Lizenzgeschäfte am deutschen Fiskus vorbei in Niedrigsteuerländer umgeleitet werden, dann ist politischer Handlungsbedarf angezeigt. Auch erfolgreiche deutsche Konzerne haben einen fairen Beitrag bei der Finanzierung von Staatsaufgaben zu übernehmen. Das ist nur gerecht gegenüber den vielen Bürgern und Unternehmen, die ihrer Steuerpflicht im Inland nachkommen müssen. Mit der Senkung der Gesamtsteuerbelastung auf unter 30 Prozent ist Deutschland international wettbewerbsfähig, während der Mittelstand, der in der Vergangenheit kaum Möglichkeiten hatte, Eigenkapital anzusparen und für Investitionen Vorsorge zu treffen, deutlich entlastet wird. Starkes Wirtschaftswachstum und hohe Investitionstätigkeit - dazu trägt diese Reform bei. _

Reinhard Schultz, SPD-Mittelstandsbeauftragter für Handel, Gewerbe und Industrie

CONTRA: Dieses Gesetz als großen Wurf zu bezeichnen, wäre falsch. Es handelt sich um eine Steuersatzsenkung, die die Wirtschaft größtenteils selbst über die Ausweitung der Bemessungsgrundlage finanziert. Die deutliche Absenkung des Körperschaftsteuersatzes sowie die Einführung der Thesaurierungsbegünstigung für Personengesellschaften sind richtig und wichtig. Aber sie wurden teuer erkauft. Obwohl die nominalen Steuersätze jetzt unter 30 Prozent liegen, ist die tatsächliche Belastung bei Einbeziehung der Gegenfinanzierung oft deutlich höher. Wir bedauern besonders, dass gerade die in Deutschland investierenden Unternehmen über die Streichung der degressiven Abschreibung (AfA) besonders stark zur Gegenfinanzierung herangezogen werden. Dabei hat die degressive Abschreibung, die auf Betreiben des VDMA für 2006 und 2007 ausgeweitet wurde, großen Anteil daran, dass auch im Inland wieder mehr investiert wird. Wir wünschen uns für die Zukunft eine echte Struktur­reform, die dann auch zu einer Steuervereinfachung führen würde. _

Dr. Dieter Brucklacher, VDMA-Präsident

Erschienen in Ausgabe: 06/2007