Unsere Qualität ist top.

Interview/Gabriella Kunz

Zu den weltweit wichtigsten Herstellern von Federbiege- und -schleifmaschinen sowie der zugehörigen Peripherie gehört die OMD Officina Meccanica Domaso SpA. Ein Interview mit der Geschäftsführerin Gabriella Kunz.

01. März 2012

Meine Großeltern und mein Vater – sie stammen aus Schaffhausen – sind nach dem Krieg gerne hierher an den Comer See in die Ferien geradelt, und 1947 haben sie sich entschlossen, da zu arbeiten, wo man auch Ferien machen kann. 1948 wurde die Officina Meccanica Ingenieur Emil Kunz gegründet. Emil Kunz, mein Großvater, hat mit kleinen Federwindemaschinen angefangen, die er vor allem an die vielen Hersteller von Elektrogeräten in der Gegend verkauft hat.

Stimmt es, dass Ihr Vater die Maschinen mit dem Fahrrad ausgeliefert hat?

Ja. Mein Großvater hat die Maschinen gezeichnet und gebaut, und mein Vater hat sie auf den Fahrradanhänger geladen und ist den ganzen See runter gefahren bis Como und Lecco, um die Maschine vorzustellen. Er musste sich die kleinen Straßen mit dem auch damals schon vorhandenen Autoverkehr teilen. Die Schnellstraße am Ostufer gibt es erst seit gut 20 Jahren.

Wann haben Sie das Unternehmen übernommen?

Angefangen hier in der Firma habe ich 1989. Aber als mein Vater starb, musste ich sie komplett alleine übernehmen. Das war zehn Jahre später.

Wo würden Sie denn OMD heute einordnen in der Branche?

Für die Federendenschleifmaschinen sind wir nach meiner Einschätzung Weltmarktführer.

Und die Biegemaschinen?

Zweiter oder Dritter, was die Stückzahlen betrifft. Von der Qualität her, finde ich, sind wir top. Das ist zumindest unser Ziel. Wir arbeiten nur für die Qualität, aber nicht für billige Preise. Denn das können die Fernostländer auch, aber unsere Qualität, mit der die Kunden Top-Federn herstellen können, erreichen sie nicht.

Wo sind denn Ihre Hauptwettbewerber?

Unsere Hauptwettbewerber finden sich vor allem in Deutschland und ein wenig in Italien – und in Japan natürlich.

Auf der Wire fallen drei Länder auf: Italien, China und Indien. Welche Rolle spielt Indien?

Im Drahtbereich eine beachtliche. Im Maschinenbereich glücklicherweise noch nicht. Aber das sind sehr intelligente Leute. Bei denen muss man aufpassen.

Viele sagen, dass Indien langfristig ›gefährlicher‹ werde als China.

Ich sehe das auch so, denn die Inder haben sehr viel Phantasie. Die können etwas Neues entwickeln; die Chinesen kopieren lieber.

Immerhin haben sie das Porzellan und das Schießpulver erfunden.

Das ist lange her. Aber Sie haben recht: Die Chinesen sind auch sehr kluge Leute. Die jetzt aktive Generation hat aber nicht gelernt, flexibel zu denken. Die nächste könnte ganz anders, nämlich phantasievoller sein.

Wo sind denn Ihre Hauptzielmärkte?

Wir möchten Europa immer sehr gut pflegen. Das ist immer unser Hauptmarkt. In Europa gibt es sehr viele Federnhersteller, wenngleich viele nach Fernost gehen, vor allem Indien und China, und denen folgen wir natürlich.

Diegehen zur Federproduktion nach Fernost. Auch um Maschinen da zu kaufen?

Nein! Die kaufen dann die hochwertigen Maschinen von uns und lassen dort die relativ billigen Arbeitskräften daran arbeiten, weil da doch sehr viel Handarbeit daranhängt.

Asien ist für Sie also eher eine Chance als eine Gefahr?

Momentan ja. Die Gefahr ist, dass viele Niederlassungen in China gründen und ihr Know-how dorthin bringen. Die Chinesen wechseln oft das Unternehmen und nehmen das Know-how mit, oder sie gründen gleich ein eigenes Unternehmen. Aber: Auch wenn die Löhne in den meisten asiatischen Ländern nach mitteleuropäischen Maßstäben extrem niedrig sind – die Produkte sind oft nicht perfekt, weil Nacharbeit nötig ist oder Ausschuss geliefert wird.

Wenn man dann in Europa viele Unternehmen zugemacht hat, bevor man die Probleme bemerkt, sind oft die qualifizierten Leute weg.

Spielen die USA als Markt eine Rolle?

Ja, sicher. Wir haben schon ziemlich viele Maschinen in die USA verkauft.

Vor allem in die Automobilindustrie, oder in welche Branchen liefern Sie?

Alle Fahrzeugbereiche, sowohl Straße als auch Schiene, sind wichtig, ebenso Land- und Baumaschinen. Das ist aber von Land zu Land sehr unterschiedlich. In Russland und Indien zum Beispiel setzt man sehr auf die Eisenbahn. Die größten Federn, die auf unseren Maschinen gebaut werden, schützen Hochhäuser bei Erdbeben. Die kleinsten bestehen aus haarfeinen Drähten.

Ich habe bei Ihnen fast nur Schraubendruckfedern gesehen, bauen Sie auch Biegemaschinen für andere Federn?

Ja, Maschinen für Zugfedern zum Beispiel. Vergessen Sie aber die Peripherie nicht: automatische Ladevorrichtungen für die Schleifmaschinen etwa. Und spezielle Maschinen für ganz spezifische Anwendungen nach Kundenbedarf.

Was gibt es zur Wire Neues von Ihnen?

Vorgestellt werden: eine neue Serie von Federendenschleifmaschinen mit zwei elektronisch gesteuerten, übereinander angeordneten Schleifspindeln, vorgesehen für das planparallele Schleifen der Federenden an zylindrischen und konischen Druckfedern; ein automatische Federendenschleifmaschine mit Pendel und Wasserkühlung für das Endenschleifen von Federn mit mittleren und großen Drahtdurchmessern; eine Windemaschine für Zugfedern mit hoher Vorspannung und einen Multiformer für Zugfedern, Torsionfedern und Biegeteile.

Gibt es einen allgemeinen Trend in Ihrer Branche?

Wir müssen die Maschinen intelligenter machen, um den Materialausschuss zu mindern, und die automatische Korrektur muss Standard werden.

Federmacher sollte wieder Lehrberuf werden; ist das gelungen?

Absolut. Dieser Schule in Velbert geht es gut. Die haben sehr viele Schüler, denn die Federnhersteller schicken ihren Nachwuchs gerne dorthin. Man lernt wesentlich mehr als nur Knöpfchen drücken. Wir haben dort auch eine Schleifmaschine zur Verfügung gestellt.

Wird es auch in Italien schwieriger, Mitarbeiter zu bekommen.

Ja, vor allem gute Leute; unqualifizierte findet man überall.

Haben Sie unter der Krise gelitten?

Wir haben eine sehr hohe Exportquote, etwa 85 Prozent. Alleine über 50 Prozent unsere Maschinen liefern wir nach Deutschland, den Rest zum größten Teil in die wichtigsten europäischen Länder sowie nach Asien, wo die Nachfrage stabil blieb. Deswegen hat uns die Krise gar nicht so arg getroffen, und wir haben uns mit dem deutschen Markt erholt. Unsere aktuelle Auftragslage ist hervorragend.

Hans-Georg Schätzl

Wire Halle 10, Stand E18

Hintergrund

In ihrer mehr als 60-jährigen Tätigkeit konnte OMD etliche neue Technologien entwickeln; viele wurden patentiert. Dadurch wurde OMD einer der wichtigsten Maschinenhersteller für die Federindustrie.

Heute produziert OMD Federendenschleifmaschinen, Federwindemaschinen, Schenkelfederwinde- und Wickelmaschinen, Wickelbänke für kalt- und warmgewickelte Federn, Innen- und Außenentgratmaschinen, Kalt- und Warmsetzanlagen und auf Kundenwunsch Sondermaschinen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2012