Und der Haifisch ...

Irrtum!

Das Mit den Zähnen stimmt ja auch wenn sie viele der etwa 450 noch existierenden, aber meist von der Ausrottung bedrohten Haiarten, etwa die Rochen, gar nicht so offensichtlich im Gesicht tragen. Aber – was Bertolt (auch so kann man das schreiben) Brecht und Kurt Weill noch nicht wissen konnten (und wohl auch nicht wollten): Stimmt auch das mit dem Fisch?

07. Dezember 2010
Bild 1: Und der Haifisch ...
Bild 1: Und der Haifisch ...

Kaum hat man das Wort »Walfisch« ausgesprochen, wird man schon verbessert: »Der Wal ist kein Fisch! Der Wal ist ein Säugetier!! So wie Du auch, Du Quappe!!!« Jedes Kind weiß heutzutage, dass Flipper, Willy und all die anderen Zahn- und Bartenwale Nachkommen von Urwalen (nicht zu verwechseln mit Urwahlen) der Familie Ambulocetidae (ambulare = umhergehen; Cetus = mythologisches Meerungeheuer) sind, die wieder zurück in die alte, nasse Heimat wollten, die ihre lurchähnlichen, aber fischartigen Vorfahren einst verlassen hatten. Auf das Thema Lurch kommen wir gleich noch einmal.

Diese von Generation zu Generation mit immer kräftigeren Strahlenflossen ausgestatteten Fische – bald musste man sie als Fleischflosser bezeichnen – hatten vor etwa 360 Millionen Jahren, Ende des Devons, Laune bekommen, sich gelegentlich an Land umzusehen. Schon vor Beginn jenes Erdzeitalters, zum Ende des Silurs, hatten sie sich von den eigentlichen Strahlenflossern, zu denen unsere Knochenfische gehören, getrennt. Das war vor etwa 420 Millionen Jahren.

Doch schon rund 50 Millionen Jahre früher, ›kurz‹ nach der Kambrischen Explosion, hatten sich diese Knochenfische von den Rundmäulern (Neunaugen und Schleimaale) und den Knorpel-›Fischen‹, also Haien und Rochen, getrennt.

Was die Entwicklungsgeschichte vermuten lässt, bestätigen inzwischen Genetiker: Die Fleischflosser Mensch und Lurch sind näher verwandt als Echte Fische und Haie. Mit anderen Worten: Seepferdchen sind uns ähnlicher als den Haien. Und »Haifisch« ist viel falscher als »Walfisch«.

Erschienen in Ausgabe: 06/2010