Über kurz oder lang

NEU AUF DER EUROBLECH DAS RAFFINIERTE ZUSAMMENSPIEL VON SCHWENKBIEGEPRESSE UND ROBOTER DES RAS-»ROBOBEND-CENTER« STICHT INS AUGE. WAS IST DRAN AN DIESER KOMBINATION?

27. November 2004

Nicht nur mit der angekündigten Highspeed-Stanzmaschine, zum Stanzen direkt vom Coil, machte die RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH auf der Euroblech Furore. Ein weiterer Höhepunkt war das neue »Robobend-Center«.

Ein langarmiger Kuka-Roboter führt hier vom Kleinteil bis zur großen Schublade alles vollautomatisch zu. Bemerkenswert, die flache Bauweise der Kombination, die ohne »Stelzen« für die Schwenkbiegemaschine auskommt. Die Sindelfinger haben hier wieder einmal einen anderen Weg beschritten und auch in Sachen Zusammenwirken der einzelnen Komponenten, wie Schwenkbiegemaschine und Roboter, können sie mit einigen Besonderheiten aufwarten.

WENIGER AUFWAND

Mit dem »Roboben-Center«, einem integrierten System aus Schwenkbiegemaschine und Roboter wollen die Sindelfi nger viele bekannte Maßstäbe neu definieren. Wo bisher stundenlange Programmierzeiten den Einsatz von Robotern in der Biegetechnik nur für große Stückzahlen wirtschaftlich machten, setzt RAS auf eine vollständige Softwareintegration, bei der die Maschine den Roboter automatisch steuert. Durch die einfache und schnelle Programmierung dringt das hochflexible Biegesystem weit in den Bereich der Kleinserien vor. Bedingt durch die Schwenkbiegetechnologie bleibt das Blech beim Biegen in der Horizontalen. Ein von den Pressen bekanntes und sehr aufwendiges Hochführen und Absenken der Bleche entfällt gänzlich. Das Robobend-Center nutzt den vereinfachten Ablauf, um statt unnützem Handling mehr Teile zu produzieren. Ein Konsolenroboter von Kuka, Augsburg, mit einer Gesamttraglast von 150 kg steht hinter der Maschine. Auf eine Linearachse montiert, gewinnt der Roboter beim Aufnehmen und Stapeln der Bleche zusätzliche Beweglichkeit und vergrößert seinen Nutzraum. RAS verwendet die Linearachse zusätzlich für eine hochinteressante Innovation. Nachdem der Roboter das Blech mit Saugern gegriffen hat, führt er es ohne Ausrichtstation der Maschine zu. Dort messen optische Sensoren die Lage des Blechs und melden den Versatz an den Roboter, der die Position sofort korrigiert. Liegt das Blech parallel zur Biegelinie, »friert die Steuerung den Roboter ein«. Alle sechs Robotergelenke verharren in ihrer Lage, und die Linearachse kommt ins Spiel. Diese siebte Achse fährt nun den Roboter mit dem ausgerichteten Blech vor und zurück, um Schenkel für Schenkel zu biegen. Erst wenn das Blech auf eine neue Seite gedreht wird setzt die Roboterflexibilität wieder ein. Dieses clevere Wechselspiel von flexiblen Roboterbewegungen zum Aufnehmen, Ablegen, Drehen und Wenden einerseits, und Positionieren des Blechs im eingefrorenen Modus andererseits, bringt viele Vorteile. Das Biegesystem kommt ohne Kontaktanschläge aus. Ein zeitaufwendiges Anfahren der Sensoren und Einpendeln des Blechs an den Anschlägen entfällt, was der Produktivität zugute kommt. Die Linearachse des Roboters positioniert das Blech von Biegung zu Biegung. Dieses Vorgehen sichert extrem genaue Schenkelmaße, da sie von den Positioniertoleranzen der Robotergelenke unbeeinflußt bleiben.

Wenn der Roboter das Blech verfährt, befi ndet er sich in einer weitgehend gestreckten Lage. Dadurch entstehen keine Kollisionen zwischen Blech und Roboter oder mit einem seiner Gelenke und Arme. Das RAS-Robobend-Center kann daher Formate bis zu 3.000 x 1.500 mm verarbeiten und Bleche bis zu 3 mm Dicke biegen.

Dieses Verfahren erlaubt es auch, die Maschine ohne Podest direkt auf den Boden zu stellen, was eine gute Zugänglichkeit etwa für den Werkzeugwechsel sicherstellt. Auch beim Wenden der Bleche geht RAS neue Wege. Wo üblicherweise Umgreifstationen das Bild bestimmen, kann der Roboter im RAS-Biegesystem das Blech von oben und unten der Maschine zuführen. Beim Wenden dreht der Roboter das Blech einfach auf die andere Seite ohne es zwischendurch ablegen zu müssen - das spart Zeit.

Möglich wird der beidseitige Zugriff durch eine spezielle Oberwange in der RAS-»Flexibend«-Schwenkbiegemaschine. Die Oberwangenform mit gerade nach oben weisender Rückseite schafft ausreichend Platz, damit der Roboter das Blech nahe an die Biegelinie heran führen kann.

NICHT NUR FÜR GROSSE TEILE

Für noch kleinere Werkstücke hat RAS eine Offsetachse für die Roboterhand parat. Diese Zusatzachse nimmt den Saugrahmen auf und kann sich nach vorne und hinten aus dem Mittelpunkt der Roboterhand bewegen. Damit kommt das System dicht an die Biegelinie heran. Für noch kleinere Teile bis zu 360 x 360 mm ist eine optionale Sauger-Umsetzposition verfügbar.

Um das gebogene Blech aus den Werkzeugen herausführen zu können, sind spezielle Schwenk-Eckstücke verfügbar, die beim Öffnen der Oberwange automatisch aus den Biegeteilecken heraus fahren.

Zusätzlich zu den Pluspunkten der Roboterintegration bietet das Schwenkbiegen als Basistechnologie ganz entscheidende Vorteile beim Biegen von flächigen Teilen. Die Biegewange schwenkt 0,1 Grad genau auf den programmierten Winkel. Das direkte Anfahren des Winkels sichert extrem genaue Biegeergebnisse. Toleranzen in der Blechdicke beeinflussen das Biegeergebnis nicht, da die Biegewange immer die Außenseite des Blechs berührt. Auf zusätzliche Winkelmeßsysteme kann man verzichten.

Erschienen in Ausgabe: 11/2004