Herr Hundsdörfer, was verbinden Sie persönlich mit dem Unternehmen Trumpf?

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Ich kenne Trumpf schon sehr lange, bereits aus der Zeit meines Studiums. Trumpf zeichnete sich in mehreren Punkten besonders aus. Zum einen ist Trumpf sehr kundenorientiert und bietet Lösungen, die selbst kleine Kunden mit einer einfachen Infrastruktur produktiv nutzen können. Das technisch Machbare wie beispielsweise die Lasertechnologie, wurde immer wieder konsequent so umgesetzt, daß die Kunden das Potential der neuesten Technologie auch wirklich nutzen können.

Ein Beispiel dieser ausgeprägten Kundenorientierung ist sicher auch, daß wir unsere Werkzeugmaschinen selbst in Entwicklungsländer liefern und sie auch dort unter oft unvorstellbaren Bedingungen sicher funktionieren.

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Aber auch das, was ich als Produktionsintelligenz bezeichnen möchte, verschafft dem Unternehmen heute eine Sonderstellung. Wir haben heute exzellente Fabriken mit einer hervorragenden Struktur, die es uns erlauben, einerseits unsere Kunden in kürzester Zeit mit höchster Qualität zufriedenzustellen und.andererseits jn dem zyklischen Werkzeugmaschinengeschäft die Kapazitäten, falls notwendig, rasch anzupassen. So können wir fast alles sehr kurzfristig liefern und. wenn die Aufträge mal nicht kommen, müssen wir deswegen nicht gleich qualifizierte Mitarbeiter entlassen.

Für mich ist Trumpf einer der Fixsterne am Werkzeugmaschinenhimmel. Es war für mich persönlich und natürlich für meine berufliche Entwicklung von großer Bedeutung bei diesem Unternehmen arbeiten und wirken zu können.

Sie haben lange Zeit im Unternehmen Trumpf in exponierter Stelle agiert. Was konnten Sie an persönlichen Akzenten im Unternehmen setzen?

Für mich war es sehr motivierend und wichtig. schon als kleiner Projektingenieur Dinge zu bewegen und Ideen umsetzen zu können. Die Freiheit mitzugestalten, hatte ich von Anfang an und ich denke, daß ich in den knapp 17 Jahren einiges zum Erfolg von Trumpf beitragen konnte. So hatte ich die tolle Gelegenheit. den Markt in Amerika mit aufzubauen und Trumpf als Marktführer zu etablieren. Auch die nächste Station, bei der heutigen Trumpf Laser GmbH in Schramberg, war für mich ein ganz neues Feld und eine weitere Gelegenheit mich zu beweisen. Das damalige Unternehmen Haas-Laser GmbH, das im Berejch Festkörperlaser aktiv ist, war nur sehr bedingt international tätig. Mein Beitrag war, der Firma Haas-Laser GmbH auch international Bedeutung zu verschaffen, mit einem durchaus sehenswerten Erfolg beispielsweise in Nordamerika und Asien.

Und jetzt bei Trumpf in Ditzingen, in den knapp vier Jahren, wo ich sozusagen zu den Wurzeln, den Werkzeugmaschinen, zurückkehrte, war es eine vorrangige Aufgabe die Brücke vom Kunden auch zur Entwicklung zu schlagen. Denn, entscheidend für den Erfolg ist es, rechtzeitig die richtigen Produkte und Leistungen anbieten zu können. Zudem galt und gilt es, das Vertriebsnetz unter Spannung zu halten. vor allem in einem sich abschwächenden Markt, ständig zu verbessern und auszubauen. Wir haben uns, was die Präsentation unserer Produkte und Leistungen angeht, auch gegenüber der Presse, von den Hausmessen über Fachmessen weiterentwickelt und den ?Standard? in unserer Industrie geprägt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das ?e-business?, was sich in den letzten vier Jahren deutlich weiterentwickelt hat.

Wie hat sich dieser Bereich entwickelt, ist die Idee.nicht auf große Zurückhaltung gestoßen?

Unsere wichtigsten Messen sind die Blechmessen, wie die Euroblech, die Südblech, selbst die Schweißen&Schneiden ist zunehmend eine Blechmesse, dann gibt es die Lamiera in Italien und die Fabtech in den USA. All diese Messen sind enorm wichtig für uns, denn hier ist jeder Messebesucher ein potentieller Kunde. Diese Messen bieten unseren Kunden ein deutlich besseres und übersichtlicheres Informationsangebot. Wir werden daher diesmal in Mailand nicht das Thema Blechbearbeitung präsentieren, sondern dem spannenden Charakter der Messe entsprechend die Laserbearbeitung, die über das Laserschneiden hinausgeht, in den Vordergrund rücken. Wir werden das Generieren, Gravieren, Fügen und Auf- und Abtragen mit dem Laser vorstellen!

Wo sieht Trumpf seine Kunden und Märkte?

Der Fokus auf die Bedürfnisse unserer Kunden hat auch zukünftig höchste Priorität. Nach wie vor ist unser Kundenkreis der Kreis der kleinen und mittleren Unternehmen. Der kleine 5-10-Mann-Betrieb um die Ecke, Lohnfertiger für Blechteile im Schwarzwald, in Ohio, in Taiwan oder sonst wo auf der Welt, macht etwa 70 Prozent unseres Geschäftes aus. Und auf diese Kunden haben wir uns konzentriert und werden es auch in Zukunft tun.

Wenn Sie unser heutiges Produkt und Dienstleistungsportfolio betrachten, so ist es ein breites Spektrum, das auf diesen Kundenkreis zugeschnitten ist. Viele unserer Kunden, die als 1-Mann-Betrieb begonnen haben, haben heute auch dank großem Engagements und der Trumpf-Technik eine respektable Größe von 50 Mann und darüber hinaus erreicht. Ihnen können wir heute Produkte anbieten, die ihren weiterentwickelten Bedürfnissen gerecht werden. So können unsere Kunden ihren Kunden nicht nur ein viel breiteres Produkt- und Dienstleistungsspektrum bieten. Wir bieten ihnen heute nicht nur Maschinen und Anlagen für die unterschiedlichsten Technologien in der Blechbearbeitung. sondern auch zukünftig die Steuerungssoftware für den ganzen Ablauf im Betrieb.

Zur Frage der Märkte kann ich feststellen, daß in Europa der Markt mit Ausnahme Osteuropas sicher zunehmend gesättigt ist und wir auch in Nordamerika bereits gut aufgestellt sind. In Asien sehen wir großes Potential. Wir sind in Singapur, Malaysia und Korea mit eigenen Tochtergesellschaften erfolgreich und sogar in einem schwierigen Umfeld wie in Japan haben wir uns gut etablieren können. Der chinesische Markt wird intensiv bearbeitet und hier versprechen wir uns noch ein großes Marktpotential. Am Beispiel Korea oder USA haben wir gezeigt, daß ein deutscher Maschinenbauer auch international nachhaltig Erfolg haben kann und weltweit die Marktführerschaft erreichen kann!

Wie wirkt sich ihr Engagement auf die Produkte aus, sind Themen, wie das Rohrbiegen oder IHU auf dem Vor- marsch?

Der Sekto Rohrbearbeitung wird sicher immer ein kleiner Teil unserer Aktivitäten bleiben. Wir werden unseren Fokus nach wie vor auf den Blechsektor richten. So sehen wir in der Stanz- Laser-Kombimaschine noch viel Potential. Sie ist die Stanzmaschine der Zukunft. Weiterhin besonders wichtig sind für uns die Laser-Flachbettmaschinen, die bereits heute den größten Teil unseres Geschäftes ausmachen. Aber auch der Sektor des Biegens und ganz besonders des automatisierten Biegens, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Und nicht zuletzt ist das Laserschneiden ein wichtiger Zukunftssektor. Wenn wir hier erreichen, daß jegliche Nacharbeit an Blechteilen überflüssig wird, gibt dies einen gewaltigen Produktivitäts- und Qualitätssprung. Es sind Lösungen gefragt, mit denen auch kleinste Losgrößen wirtschaftlich lasergeschweißt werden können. Die ersten Lösungen, von Handschweißgeräten bis zu komplexen Roboter-Schweißanlagen, können wir jetzt schon anbieten. Einfachere Schweißgeräte sind in der Planung. Die Eliminierung des Schleifens in der Blechbearbeitung ist das große Ziel.

Herr Hundsdörfer, Sie werden das Unternehmen zum 30.6.2003 verlassen. Auch mit einem weinenden Auge?

Ganz sicher. Ein großer Teil dessen, was ich heute kann und weiß, verdanke ich Trumpf und Professor Leibinger, der mir immer die notwendigen Freiräume zur Weiterentwicklung gewährt und meine Entwicklung gefördert hat. Die Unternehmenskultur, der Zusammenhalt aller Mitarbeiter im Unternehmen, von denen ich weltweit sehr viele persönlich kennengelernt habe, ist einzigartig. Diese Kultur hat mich geprägt. Auch die Stabübergabe an Herrn Beilke läuft im Sinne dieser Trumpf-Kultur. Es freut mich sehr, daß er diesen Part übernehmen wird, denn auch er hat die Kunden und Kundenzufriedenheit im Blick. Und auch er ist international geprägt, unabdingbar für ein global agierendes Unternehmen wie Trumpf.