Treffpunkt der Stanzer

Auf den 2. Stamping-Days Pforzheim konnte so mancher Aussteller bereits zu Beginn Fachbesucher aus den Niederlanden, der Schweiz oder Frankreich begrüßen. Ein Kurzrückblick.

22. November 2005
Die Stamping-Days Pforzheim sind der Treffpunkt der Stanzer.
Bild 1: Treffpunkt der Stanzer (Die Stamping-Days Pforzheim sind der Treffpunkt der Stanzer.)

Vor zwei Jahren, als die ersten Stamping-Days Pforzheim das Licht der Welt erblickten, da lief natürlich nicht alles so glatt, wie es sich die Veranstalter wünschten. Organisatorisch gingen die Aussteller, die auf der ersten Etage des Congress-Centrums ausstellten, ein wenig am Besucherstrom vorbei. Eine provisorische Beschilderung war jedoch fix erstellt, und so fanden sich bereits am zweiten Tage auch dort zahlreiche Besucher.

Ulrich Brosz, einer der Väter und Organisator der Stamping-Days wäre nicht Ulrich Brosz, wenn er daraus nichts gelernt hätte. So geriet der erste Stock diesmal zur »Premium-Etage«, und einige der Zugpferde, wie etwa die Firma Bruderer (Hochleistungs-Präzisionsstanzautomaten, www.bruderer-presses.com), Leicht-Stanz­automation (Bandanlagen, www.leicht-stanzautomation.de), Härter (Werkzeugbau, www.haerter.de) oder Enayati (Oberflächen- und Anlagentechnik, www.enayati.de) fanden sich hier wieder. Sie zogen zahlreiche Besucher an, die im Beispiel Härter dann in Shuttlebussen direkt ins Werk nach Königsbach-Stein bei Pforzheim zur Betriebsbesichtigung fahren konnten.

Der Eindruck, dass sich die Stamping-Days von der reinen Tischmesse etwas wegbewegen, zeichnete sich auf der Premium-Etage bereits ab. Hier kamen die Aussteller teils mit eigenen Ständen. Neben Härter boten auch im Erd­geschoss einige Unternehmen ­einen Shuttledienst an und verbanden so die Messe mit einer Betriebsbesichtigung. So etwa Haulick + Roos (Präzi­sions-Stanzautomaten, www.haulick-roos.de) oder Stepper (Werkzeugbau, www.stepper.de), um nur wenige zu nennen.

Worüber man auch spricht

Im Gespräch war natürlich die soeben abgehaltene Bundestagswahl, aber auch die Entscheidung von Schuler, nicht zur Euroblech 2006 zu kommen, die in den Augen der meisten Aussteller nach wie vor die wichtigste Interna­tionale Messe der Branche ist. Schuler (www.schulergroup.com) kam jedoch mit eigenem Stand zu den 2. Stamping-Days, denn die Göppinger wollten hier Flagge zeigen, nachdem sie bei den ersten Stamping-Days (nur) mit einem Fachvortrag präsent waren. Diesmal kamen sogar mehr Unternehmen als zuvor - Ulrich-Brosz konnte zu den 2. Stamping-Days sogar eine Warteliste vorweisen.

Stimmungen

Natürlich interessierte uns die Stimmung der Aussteller der Stamping-Days, und auf dem Stand des Bandanlagenspezialisten P/A (www.pa.com) trafen wir auf den Firmengründer Jarome E. Finn, der extra aus den USA angereist war, um diese kleine lokale Messe zu besuchen - nicht zuletzt, um dort auch seinen neuen schwedischen Mitarbeiter kennen zu lernen. „Die Deutschen sind „mechanical mindet“, was ich im besten Sinne meine. Hier ist der wichtigste Markt Europas, von hier kommt Präzisions­ingenieurskunst, wie wir das an BMW, Audi oder Mercedes ­sehen. Es ist für uns wichtig, die Kultur zu verstehen, um Geschäfte zu machen, und wir haben einiges hier von der Ingenieurskunst gelernt. Inzwischen sind P/A-Maschinen in den USA der Mercedes auf dem Markt.“ Und Mr. Finn sieht eine Tendenz, die sowohl der Fachpresse als auch den Messeveranstaltern zu denken geben sollte: „Immer mehr Ingenieure greifen auf das Internet zu, um sich über die neuesten Maschinen und Standards zu informieren. Wo sonst können Sie so rasch, umfassend und kostengünstig zum Ergebnis kommen?“, lautet seine entwaffnend direkte Frage.

Hans Schärli, Geschäftsführer der Beutler Nova AG (www-beutler-nova.ch), einer Tochter der Müller Weingarten AG, verzichtete diesmal auf den Sattelschlepper, der bei den ersten Stamping Days noch für »kontroverse« Diskussionen sorgte. Wider Erwarten hatte auch kein anderer Aussteller diese pfiffige Marketingidee der Schweizer diesmal aufgegriffen. Schärli sieht aber nicht nur den deutschen Messemarkt: „Die Messe Brünn (Tschechien) wird zunehmend interessant und größer. Hier treffen wir auf zahlreiche Kunden und Besucher aus dem osteuropäischen Raum.“

Messeneuling und Messeneuheit

Neu in Pforzheim dabei war Hieger (Synchropress-Pressen, www.synchropress.de) mit seinem Synchropress-Infostand. Ob das hochinteressante Pressenkonzept hier auf eine große Resonanz stoßen würde? Unterstützt wurde Johannes Hülshorst, Firmengründer und geschäftsführender Gesellschafter, vom Geschäftsführer Dr. Holger Stritzke sowie dem Verkaufsleiter Markus Eidhoff. Am Schluss konnte sich das Unternehmen, das sich erstmals im neuen »Corporate Design« zeigte, auf eine Reihe interessanter Fachgespräche mit hochkarätigen Anwendern zurückblicken. Zudem entwickelten sich aus den Gesprächen viel versprechende Ansätze für weitere Innovationen der Ostwestfalen. Beim Synchropress-Pressenprinzip kristallisieren sich inzwischen zwei wichtige einzigartige Eigenschaften her­aus. Zum einen die fein einstellbare Prozessgeschwindigkeit und zum zweiten, die Möglichkeit der Presse komplexe Fertigungsvorgänge hundertprozentig zu dokumentieren. Ein Beispiel, was diese fein einstellbare Prozessgeschwindigkeit vermag, ist der wesentlich höhere Glattschnittanteil beim Werkstück, wie er beim konventionellen Stanzen so nicht erreichbar ist.

Zum zweiten Male dabei war Vester Elektronik (www.vester.de) aus Straubenhardt. Diesmal mit einer Messeneuheit. Mit ihrer für den Kunden

Hoffmann, Pforzheim, modi­fizierten Stanzstreifen-Über­wachungsanlage »Videocheck VCC 600« stellen die Vollblut­elektroniker ein System vor, das die Stanzstreifen nicht nur von oben und unten überwachen kann, sondern auch den Blick von der Seite erlaubt. Mit einem einfachen Kniff wird dies möglich: »Wir lenken den Stanzstreifen über eine Um­lenkrolle nach oben, über eine zweite Rolle wieder zurück nach unten, um über die dritte Rolle wieder auf die Bezugs­ebene zurückzukommen. Zur Straffung des Streifens verwenden wir eine Magnetpulverbremse. Quer zur oberen Umlenkrolle haben wir eine weitere Kamera untergebracht, die den Stanzstreifen so von der Seite zusätzlich überwachen kann«, erklärt Geschäftsführer Thomas Vester die Innovation, die zusätzliche Sicherheit bringt, wenn es beispielsweise um die Überwachung der nach unten und oben gebogenen Stege et cetera geht.

Traumergebnis

Viele Aussteller zeigten sich wieder begeistert von dieser Spezialmesse. Dass mehr Fachbesucher, als noch auf den ers­ten Stamping-Days vor zwei Jahren zu verzeichnen sein würden, war für alle Aussteller schnell spürbar. Die Besonderheit der Stamping-Days ist jedoch, dass man hier ausschließlich auf echtes Fachpublikum trifft. Daher wird die Qualität der Kontakte von den Ausstellern im Allgemeinen hoch gelobt.

Auch der Werkzeugbauer Stepper konnte von einem überwältigenden Ergebnis der Stamping-Days sprechen. Der Messestand der Pforzheimer wurde an den ersten beiden Messetagen förmlich überrannt. »Wir konnten viele Fachbesucher aus den USA und Asien begrüßen, die teilweise extra von der EMO direkt nach Pforzheim gekommen sind. Um unseren Shuttledienst zum Unternehmen sicherzustellen, haben wir extra für die Stamping-Days einen VW-Bus gekauft«, so ein euphorischer Geschäftsführer Michael Stepper nach der Messe im Telefongespräch mit bbr.

H. Dopfer, auf dem Bihler-Messestand (www.bihler.de) wusste bereits am ersten Tag, was sein Unternehmen an den Stamping-Days hat: »Wir sind zum zweiten Mal auf den Stamping-Days. Hier treffen Sie nur auf ein spezifisches Fachpu­blikum.« Zu der Pforzheimer Spezialmesse sieht auch er nur noch eine Steigerungsmöglichkeit, die einer Hausmesse. Zufälligerweise fand eben eine solche vom 11. bis 14. Oktober in Halblech statt, die „BihlerTec“ (Bericht folgt in bbr 12).

Stanzers heile Welt

Die Veranstalter Günter Ihlenfeld und Ulrich Brosz konnten mit ihren 2. Stamping-Days zufrieden sein. Mit immerhin 3.800 Fachbesuchern (Schulklassen etc. nicht eingerechnet) konnten sie etwa 1.000 Fachbesucher mehr zählen, als noch 2003. Die Rückbucherquote von bereits 25 % für die nächsten Stamping-Days - die für September 2007 geplant sind - zeigt, dass sich diese Fachmesse endgültig etabliert hat. Auch der Kongress, der am 22. September (2. Messetag) in der Pforzheimer Stadtbibliothek stattfand, war ausgebucht und wird, losgelöst von den Stamping-Days, bereits im Mai nächsten Jahres wieder in Pforzheim stattfinden. Geplant ist hier ein jährlicher Kongress für die Stanzer. Und noch eine positive Nachricht konnte Ulrich Brosz verbuchen: „Von meinem Branchen- und Spezialitätenführer „Prozesskette Hochleistungsstanzen“ wurden bereits auf der Messe 4.200 Exemplare ausgehändigt. 5.000 Exemplare haben wir insgesamt gedruckt und wir versenden bereits weitere Exemplare, die nachbestellt wurden“, so Ulrich Brosz, und freut sich über die positive Resonanz seines „Erstlingswerks“.

Erik Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 11/2005