Transparenz in Stahl

Technik/Produktionsplanun

Der Normalienhersteller Meusburger nimmt seit langem hinsichtlich Produkt- und Lieferqualität eine Spitzenposition ein. Die konnte trotz rasanten Unternehmens-Wachstums gehalten werden. Nicht zuletzt dank der transparenten Informationen, die das Manufacturing Execution System (MES) von Industrie Informatik liefert.

01. Oktober 2012

Vor knapp 50 Jahren als Einmannbetrieb gegründet, steht Meusburger aus Wolfurt in Vorarlberg heute mit 550 Mitarbeitern und über 8000 Kunden mit an der Spitze der europäischen Anbieter qualitativ hochwertiger Formaufbauten für Guss- und Presswerkzeuge. Höchste Produktqualität ist die Voraussetzung für diesen Erfolg: Da die Kunden große Beträge in den Bau ihrer Formen investieren, muss garantiert sein, dass das Ausgangsmaterial perfekt ist und sich bei der Bearbeitung nicht verzieht. Dieses Risiko schließt Meusburger durch Spannungsarmglühen aus. 58000 Standardartikel einer Lieferverfügbarkeit von 98 Prozent gegenüber. Daneben werden auch rund 20 Prozent Sonderdimensionen gefertigt.

800 Lieferungen pro Tag

700 bis 800 tägliche Lieferungen gehen an die internationale Kundenbasis. Dank des großen Fertigproduktelagers im Wert von 55 Millionen Euro, der termingerechten auftragsbezogenen Fertigung und einer ausgeklügelten Logistik kann Meusburger kurze Lieferzeiten versprechen: Ab Lager ist die Ware am nächsten Tag beim Kunden, bei auftragsbezogener Fertigung werden drei Tage Lieferzeit zugesagt – eine große Herausforderung für die Flexibilität in der Produktion.

Hohe Anforderungen an die MES-Lösung

Für die gesamte Software, die den reibungslosen Produktionsablauf und die Logistik steuert, zeichnet Daniel Fuchs verantwortlich. Als Projektleiter war er auch für die MES-Umstellung vor einigen Jahren zuständig.

Da auch das ERP-System durch die eigene IT-Mannschaft ›customized‹ wurde, war die Erwartung an die neu einzuführenden Programmbereiche Betriebsdaten-, Maschinendaten- und Personalzeiterfassung, möglichst flexibel und einfach parametrierbar bei gleichzeitiger Release-Fähigkeit zu sein.

Die Entscheidung fiel auf Industrie Informatik, die sich mit ihrem MES auf die integrierte Unterstützung von Produktionsabläufen spezialisiert hat und mit mehr als 300 Installationen der Standardlösung Cronetwork bei namhaften Fertigungsunternehmen einer der führenden Anbieter am Markt ist.

»Bis dahin war ein wenig flexibles System zur Betriebsdatenerfassung ohne funktionelle Abprüfungen im Einsatz, das zu wenige Informationen bot. Die Personalzeiterfassung war größenmäßig an ihre Grenzen gestoßen. Daher war es uns wichtig, ein zukunftssicheres System zu finden, das mit neuen Herausforderungen und unserem rasanten Wachstum mithält«, erläutert Daniel Fuchs die Anforderungen an das neue System. »Cronetwork von Industrie Informatik entsprach unserem Wunsch nach Informationsdarstellung ohne administrativen Aufwand, technologischer Innovation, Flexibilität und einfacher Informationsdarstellung.«

Transparente Informationen an vorderster Front

Informationen übersichtlich und bereichsübergreifend darzustellen ist bei Meusburger besonders wichtig, da viele Entscheidungen direkt von den Mitarbeitern an den Maschinen getroffen werden: »Wir haben bewusst viele Freiheiten an die vorderste Front verlagert. Entscheidungsträger sind bei uns in der Regel die Maschinenbediener: Reihenfolge der Auftragsbearbeitung, Zeiteinteilung etcetera«, erläutert Daniel Fuchs das Unternehmensprinzip für die Aufgabenverteilung in der Produktion.

Auch die Staplerfahrer haben wichtige koordinatorische Aufgaben. Seit sie mit mobilen Terminals ausgestattet sind, über die ihnen viele Informationen zur Verfügung gestellt werden, sehen sie die laufend aktualisierten Termine und Prioritäten der nächsten Tage und können drohende Engpässe erkennen. Durch den hohen Anteil an Lageraufträgen haben sie die nötige Flexibilität, die Puffer vor den Maschinen intelligent zu nutzen, damit die Kundenaufträge selbst an Spitzentagen termingerecht ausgeliefert werden können.

Auch der Verkaufsinnendienst kann jederzeit prüfen, wie weit ein Auftrag ist, ob er termingerecht fertig wird, und bei Verzug sieht man, wo er aktuell steht. »Das ist für uns extrem wichtig, da wir laufend 3000 bis 4000 Aufträge in Arbeit haben. Ohne gezielte Systemunterstützung könnten wir unsere Lieferzuverlässigkeit nie so hoch halten.«

Unerwarteter Nutzen

»In der Praxis haben wir erkannt, wie wichtig es ist, eine Lösung zu haben, die es ermöglicht, Ursachen von Problemen einfach zu lokalisieren und Steuerungsmechanismen zu implementieren, um sie künftig zu vermeiden. An den Engpassmaschinen haben wir die Steuerungsmechanismen so integriert, dass die Mitarbeiter wissen, welche Aufträge Priorität haben; wie viele terminlich wichtige Aufträge im Laufe der Schicht noch zu bearbeiten sind; welche Aufträge in den nächsten Tagen zur Maschine kommen, um anhand dessen zu entscheiden, ob Überstunden nötig sind«, geht Daniel Fuchs auf einen der Cronetwork-Vorteile ein.

Meusburger bietet in einem Teilbereich der Fertigung auch die weitergehende Bearbeitung an, die einen speziellen Maschinenpark und den Einsatz hochqualifizierter Mitarbeiter verlangt. So beauftragen Kunden für sehr große Formen Meusburger auch mit der Grobzerspannung als Vorarbeit für den Formenbauer.

Je nach Plattengröße kann so etwas sehr komplex werden und den Einsatz unterschiedlichster Maschinen und bis zu 100 Stunden Bearbeitungszeit erfordern Hier glänzt die Cronetwork-Feinplanung. »Durch die Integration mit der Betriebsdatenerfassung ist auch hier der lückenlose Informationsfluss gegeben. Der Maschinenbediener sieht komprimiert und übersichtlich auf einer Maske: Welche Aufträge sind geplant? Ist die Zeichnung fertig? Wann muss er damit beginnen? Sind die Vorgänger-Arbeitsgänge erledigt? Und so weiter, und so weiter.«

Integierte Information in der Feinplanung

Die Arbeitsvorbereitung weiß wiederum, wann welche Maschine mit welchem Auftrag beginnen soll, wie viel Zeit dafür eingeplant ist, wie weit der Auftrag ist und so weiter, um die Prioritäten richtig setzen zu können. Bis zur Einführung von Cronetwork wusste die AV nicht, wann welche Zeichnung tatsächlich fertig sein musste. Wenn sich heute etwas in der Plantafel verschiebt, sehen das auch die Mitarbeiter in der Auftragsvorbereitung.

»Dass die Maschinenbediener heute zeitlich perfekt abgestimmt mit der Arbeitsvorbereitung agieren und Material und Zeichnungen zur richtigen Zeit an der Maschine sind, ist ein schönes Beispiel für ein kleines Detail, dass in der Praxis extrem viel bringt«, so Logistikleiter Fuchs.

Zukunftssichere Partnerschaft

»Wir sind ein Familienbetrieb und können langfristig planen und suchten uns auch Partner, die einen langen erfolgreichen Weg gemeinsam mit uns gehen. Industrie Informatik hat diesbezüglich unsere Erwartungen voll erfüllt: Trotz steigenden Wachstums und der Zunahme der auftragsbezogenen Fertigung konnte die Leistung auf unserem hohen Niveau hinsichtlich Zuverlässigkeit und Fertigungsqualität gehalten werden. Seit Einführung von Cronetwork sind wir von 220 auf über 550 Mitarbeiter angewachsen und haben viele neue Arbeitszeitmodelle eingeführt.

Dank der flexiblen Skalierbarkeit der Personalzeiterfassung sind wir nie an irgendwelche Grenzen gestoßen. Auch der Support funktioniert ausgezeichnet, und die Lösung läuft stabil und ist technologisch immer auf dem neuesten Stand. Wir sind sicher, auf den richtigen Partner gesetzt zu haben«, zieht Daniel Fuchs Resümee.

Tino Böhler, Dr. Maria-Christine Hofmann

Redaktionsbüro Dresden

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Erschienen in Ausgabe: 06/2012