Transparenter Technik-Monolith

Feuerverzinktes Rechenzentrum in Münster

27. August 2007

Die denkmalgeschützte Speicherstadt Nord in Münster diente viele Jahre als Lagerkaserne und ist heute ein Ort der Interdisziplinarität. Kleine Consultingfirmen, Agenturen und Verlage, Informations- und Telekommunikationsdienstleister und auch öffentliche Institutionen haben sich auf dem Gelände angesiedelt. Im Haus „An den Speichern 9“ ist der Landesbetrieb Gemeinsames Gebietsrechenzentrum Münster ansässig. Die hohen Anforderungen an die Sicherheit und technische Ausstattungen des Gebäudes erforderten ein ergänzendes Technikbauwerk in unmittelbarer Nähe zu entwickeln. Mit dem Entwurf wurden die Münsteraner Schoeps und Schlüter Architekten beauftragt. Das neue Gebäude nimmt sich zurück und gliedert sich in das bestehende denkmalgeschützte Gebäudeensemble ein. Gleichzeitig historisiert es nicht, sondern stellt eine zeitgemäße und nutzungsgerechte Interpretation der vorhandenen Bausubstanz dar.

Die Kubatur des Gebäudes ergibt sich aus der geschichteten Funktion. Das Erdgeschoss enthält die geschlossenen Räume mit der Steuertechnik, dem Notstrom-Dieselaggregat des Rechenzentrums und die Kältezentrale. Das innen liegende Haus aus Wärme gedämmten Sandwichprofilen wird durch eine feuerverzinkte Gitterrostfassade vor Vandalismusangriffen geschützt. Das Dachgeschoss, ebenfalls aus feuerverzinkten Gitterrosten hergestellt, bietet den erforderlichen Angriffsschutz für die Außenkühleinheiten des Rechenzentrums und eine maximale Belüftung. Die schützende Gitterrostfassade fasst das Gebäude zu einem monolithisch wirkenden „Schmuckkästchen“ moderner Technik zusammen. Die Gebäudehülle spielt je nach Blickwinkel mit dem Betrachter. Mal kommt das Technikgebäude wie ein monolithischer Block als massives, geradezu klassisches Haus daher, dann löst es sich vollständig auf und zeigt einen transparenten Baukörper. Die Konstruktion folgt der Funktion und hat eine verblüffend einfache Gestaltungslösung hervorgebracht. Das komplett feuerverzinkte Haupttragwerk wird durch HEB320 Stahlstützen mit IPE 360 Stahlbindern sowie den IPE 200 Sparren gebildet. Es steht auf einer stabilen Stahlbetonsohle mit Streifenfundamtenten. Die Hülle besteht aus feuerverzinkten Gitterrosten. Die gesamte Konstruktion wurde vorgefertigt und brauchte auf der Baustelle nur noch verschraubt werden. Die vom Bauherren für das Gebäude gewünschte Nutzungsdauer ohne Wartungszwang von circa 50 Jahren wird durch die Feuerverzinkung sichergestellt, da von einer Korrosionsbelastung der Korrosivitätskategorie C2 bis C3 (Land- mit angehender Stadtatmosphäre) auszugehen ist.