Transformation der europäischen Fertigungs- industrie

Eva Stejskalová, Geschäftsführerin von Microstep und Leiterin der Software-Entwicklung, erklärt die Erfolgspläne ihres Unternehmens und seiner Partner in Sachen Fertigung 4.0.

11. April 2019
Transformation der europäischen Fertigungs- industrie
»Microstep beteiligt sich aktiv an der Gestaltung einer Innovationsgemeinschaft von 50 Unternehmen, Universitäten und Instituten.« (© Microstep)

Frau Stejskalová, Sie sind Geschäftsführerin von Microstep und für die Bereiche Finanzen, Innovation und Software verantwortlich. Was macht Microstep auch in Zukunft zu einem der Technologieführer in der Schneidindustrie?

Microstep ist als ein Spin-off-Unternehmen mit viel Erfahrung und Know-how in der Automatisierungstechnik ins Geschäft eingestiegen. Mit seinen starken Forschungs- und Entwicklungskapazitäten war das Unternehmen in der Lage, auch solche Anforderungen von Kunden zu erfüllen, die zuvor von etablierten Unternehmen nicht berücksichtigt wurden. Bis dato entstehen die innovativsten Lösungen durch eine enge Zusammenarbeit: zwischen unseren Kunden – mit visionären Konzepten für ihre Produktionsanlagen – und Microstep, bereit diese Herausforderungen anzunehmen und diese Visionen in die Realität umzusetzen. Gegenwärtig ist das Tempo des technologischen Wandels jedoch höher als je zuvor und insbesondere die digitalen Technologien haben bereits ein immenses Gestaltungspotenzial für die verarbeitende Industrie aufgezeigt.

Dieser Trend kann Nachzüglern beim Thema Innovationen zum Verhängnis werden, die dann darum kämpfen müssen, langfristig im Geschäft zu bleiben. Für Microstep ist das eine große Chance, da das Unternehmen schon immer viel in die Entwicklung eigener Steuerungssysteme und Software investiert hat und daher gut auf den Weg zur digitalen Innovation vorbereitet ist.

Digitale Innovation – was bedeutet das im Zusammenhang mit dem Thema Trenntechnik?

Digitale Technologien können alle Arten von Herausforderungen beeinflussen, mit denen sich die Unternehmen heutzutage konfrontiert sehen – die Nachfrage nach Produktivitätssteigerung und Qualitätsverbesserung oder der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Einige Konzepte, wie die einer vernetzten Fertigung, sind bereits allgemein bekannt und akzeptiert. Echtzeit-Produktion und Bestandsdaten ermöglichen im Ergebnis effiziente Planungsprozesse. Und die Personen, die für die Überwachung der Schneidproduktion verantwortlich sind, können dies aus der Ferne tun, ohne physisch anwesend zu sein.

Microstep bietet diese Funktion mit seiner Software Machine Production Management und dem Microstep-Dashboard. Aber digitale Technologien können noch viel mehr bieten. Maschinelles Lernen wird den Mangel an qualifizierten Bedienern kompensieren, da Entscheidungen und Handlungen mehr auf Datenanalyse und weniger auf Erfahrung basieren können. Parametereinstellungen oder die Vorhersage von Werkzeugverschleiß sind Beispiele dafür. Um Erkenntnisse zu gewinnen, muss eine große Menge an Daten aus dem Prozess gesammelt und durch komplexe mathematische Modelle und Algorithmen analysiert werden, um Muster und Trends zu identifizieren. Basierend auf diesen Ergebnissen kann die Maschine autonome Entscheidungen treffen. Wenn die richtigen Algorithmen verwendet werden, lernen Maschinen schneller und zuverlässiger als ein Mensch.

Erkennen Ihre Kunden das Potenzial digitaler Technologien für ihr Geschäft?

Ja, die große Mehrheit der Unternehmen erkennt die Vorteile, aber viele von ihnen denken, dass ihnen die nötigen Ressourcen für die digitale Transformation fehlen. Es ist wichtig zu verstehen, dass komplettdigitale Fabriken immer noch selten sind und die digitale Transformation in Abhängigkeit von den Möglichkeiten eines einzelnen Unternehmens stufenweise erfolgen kann. Zum Beispiel würde kaum jemand die Tatsache anfechten, dass ein unerwarteter Maschinenausfall eine große Gefährdung für den Produktionsumsatz darstellt. Dank fortschrittlicher Datenanalyse in Verbindung mit maschinellem Lernen kann überwacht werden, ob ein Gerät ausfallgefährdet ist und wann es zu einem Ausfall kommt, wodurch unerwartete Ausfallzeiten vermieden werden. Eine im Vergleich dazu relativ einfach umzusetzende zentrale Überwachung der Betriebsstunden und die damit einhergehende Planung vorbeugender Wartungen könnte jedoch ebenfalls bereits einen großen Vorteil bringen.

Digitale Technologien sind ein komplexes Thema: Wie wird Microstep diese Vielzahl an Themen im Bereich Forschung und Entwicklung bewältigen?

Microstep kooperiert schon lange mit der Slowakischen TU in Bratislava, und die gemeinsamen Projekte haben unsere Produktentwicklung maßgeblich unterstützt. Offene Innovation geht heute über die einfache Zusammenarbeit zweier Unternehmen hinaus und daher beteiligt sich Microstep an der Gestaltung einer europaweiten Innovationsgemeinschaft von 50 Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten, die sich auf den Mehrwert umsetzungsorientiert fokussiert. Finanziert das Europäische Institut für Innovation und Technologie das Projekt, kann Microstep dazu beitragen, die europäische Fertigungsindustrie in eine der weltweit nachhaltigsten und wettbewerbsfähigsten zu verwandeln.

Erste Referenzanlage in Betrieb

Anlässlich der dritten Auflage der Veranstaltung ›Fertigung 4.0‹ in Bad Wörishofen mit über 100 Teilnehmern wurde die erste Referenzanlage des Industry Business Network 4.0 e. V. in Betrieb genommen. Dieser ›Startschuss‹ war der Höhepunkt eines ereignisreichen Tages im neuen Technologiezentrum von Microstep, der unter dem Motto ›Industryfusion 4.0: das offene Ökosystem für den Mittelstand‹ stand. Diesem Start im Unterallgäu sollen weitere Referenzanlagen bei Industry-Business-Network-4.0-Mitgliedsunternehmen in ganz Deutschland folgen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 36 bis 37