Transdigital

Technik

Wie jedes Jahr auf der Hausmesse Intech präsentierte Trumpf 2017 ein breites Produkt-, Technologie- und Dienstleistungsportfolio. 2017 stand die ›Digitale Transformation‹ im Mittelpunkt.

18. April 2017
Der neue, diodengepumpte Scheibenlaser wurde bereits in Shanghai vorgestellt Bildquelle: Trumpf
Bild 1: Transdigital (Der neue, diodengepumpte Scheibenlaser wurde bereits in Shanghai vorgestellt Bildquelle: Trumpf)

Als Komplettanbieter von Werkzeugmaschinen für die flexible Blechbearbeitung, industriellen Lasern und Softwarelösungen für Fertigungsbetriebe entwickelt Trumpf gemeinsam mit Kunden und anderen Partnern vielfältige Applikationen und nutzt die Intech als Basis, um diese Symbiosen zu vertiefen und mit neuen Ideen und Kooperationen auszubauen.

Im Fokus der diesjährigen Hausmesse stand TruConnect, die produkt- und facettenreiche Trumpf-Lösungswelt für Industrie 4.0 in der Praxis. Wie entwickelt sich dadurch der Arbeitsalltag im Betrieb weiter? Trumpf demonstriert die Veränderungen anhand verschiedener Rollen. Das Szenario: Der Produktionsleiter einer mit Truconnect vernetzten Fertigung kann jederzeit Echtzeitinformationen zur Produktivität der Maschinen auf dem Tablet einsehen, während der Maschinenbediener sie per Mobile Control App fernsteuert und der Intralogistiker Teile im Lager mobil umbucht. Der Instandhalter hat den Zustand aller Laser im Netz im Blick, identifiziert Einsparpotenziale und erhöht so Verfügbarkeit und Produktivität der Lasersysteme.

Basis von Truconnect ist die sichere Datenschnittstelle Central Link. Sie stellt Informationen zum Produktionsstatus von Maschinen zur Verfügung und übermittelt diese sowohl an lokale ERP-Systeme als auch an Lösungen per Cloud. Der Clou: Central Link funktioniert technologieübergreifend an verschiedenen Maschinentypen und ermöglicht es, Angebote zur Darstellung von Auslastung, Zustand oder Wartungsbedarf der Maschinen und Laser einfach anzubinden. So werden Daten sinnvoll nutzbar. Erste Umsetzungen bei Kunden kann Trumpf bereits als Erfolg verbuchen. So hat der Laserspezialist Ende Februar 2017 den Daimler Supplier Award in der Kategorie Partnerschaft für die erfolgreiche Implementierung von Industrie-4.0-Lösungen in der Produktion der aktuellen Mercedes-Benz-E-Klasse erhalten.

Integraler Industrie-4.0-Bestandteil

»Wir haben uns sehr über diese Auszeichnung gefreut«, strahlt Dr. Peter Leibinger, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Trumpf GmbH + Co. KG und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Lasertechnik/Elektronik, der im Rahmen der Hausmesse die Bedeutung der Photonik und des Lasers für die digitale Transformation hervorhebt: »Photonik ist ein Türöffner für die Digitalisierung. Schauen wir in die Produktionshallen von morgen, sehen wir zum Beispiel neue Kamerasysteme, die auf Lichttechnologien basieren. Die Kollaboration mit der Umwelt wird zu einer Schlüsselkompetenz im Internet of Things. So werden sich Roboter nur sicher und frei in Fabriken bewegen können, wenn sie über Augen verfügen und über intelligente Algorithmen, die sie die Umwelt interpretieren lassen.«

Im Produktionsumfeld sei die Photonik schon seit Jahrzehnten ein Star, so Dr. Leibinger weiter: »Der Laser ist das flexibelste Werkzeug, das es gibt.« Schweißen, Schneiden, Bohren, Fräsen, Biegen, Härten, Brechen, Markieren oder Generieren – all diese Applikationen werden von Lasern durchgeführt, ohne Formen oder Werkzeuge zu erfordern. »Aber auch neue Mobilitätskonzepte sind ohne Photonik kaum denkbar. Die LED-Beleuchtung von Fahrzeugen ist nur ein Aspekt«, erklärt Leibinger. »Photonik wird auch beim autonomen Fahren eine entscheidende Rolle spielen. Hier sind Sensorik, Bilderkennungssysteme, sichtbare und unsichtbare Beleuchtung wesentliche Faktoren. Wir erwarten, dass innerhalb der neuen Mobilität allein die Photonik im Jahr 2020 ein neun Milliarden Euro großer Markt sein wird.«

Drei-Säulen-Strategie

Auch Dr. Mathias Kammüller, Geschäftsführer der Trumpf GmbH + Co. KG und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen, hebt die Veränderungsmacht der digitalen Transformation hervor: »Trumpf hat sich zum Ziel gesetzt, den digitalen Wandel auf allen Ebenen – extern wie intern – voranzutreiben. Das bedeutet: Wir gehen weit über die Optimierung der Produktionsprozesse hinaus. Unter anderem bauen wir eine agile Entwicklungsorganisation auf. Für die Software-Entwicklung, wo wir zunehmend Data Scientists und Cloud-Spezialisten einstellen. Aber auch für die Maschinen- und Laserentwicklung, die bei uns heute schon nach agilen Methoden abläuft.«

Nötig sei auch ein digital optimierter Vertrieb – in Bezug auf Wissen genauso wie bei der technischen Ausstattung; ferner ein hocheffizienter, vernetzter After-Sales-Bereich und ein integrierter HR-Bereich sowie eine noch engere Vernetzung mit den Kunden.

Die Veränderungsstrategie von Trumpf basiert auf drei Säulen: erstens Lösungen für die Kunden (Truconnect), zweitens Angebote für die gesamte Fertigungswelt (Axoom) und drittens die digitale Transformation der eigenen Wertschöpfung. Im Rahmen von Truconnect findet Trumpf gemeinsam mit den Kunden maßgeschneiderte Lösungen für die Einführung von Industrie-4.0-Prozessen und -Produkten. »Wichtiger erster Schritt sind unsere Beratungen herausgestellt, die immer auch eine starke Lean-Komponente haben«, so Kammüllers Erfahrungen. Häufig berieten die Trumpf-Spezialisten Kunden in einem detaillierten, fünftägigen Smart-Factory-Consulting mit konkreter Umsetzungsstrategie.

Axoom, die digitale Geschäftsplattform für die horizontale und vertikale Vernetzung, richtet sich an Fertigungsbetriebe mit und ohne Trumpf-Maschinen. Kammüller: »Wir haben auch Anfragen von Kaminbauern oder Blumenerde-Herstellern.« Auf der HMI wird Axoom den neuen Produktbereich ›Axoom IoT‹ für Maschinenhersteller präsentieren.

Bei der digitalen Vernetzung der eigenen Wertschöpfung geht Trumpf fachbereichsübergreifend vor. Die Verbesserungen betreffen den kompletten Order-to-cash-Prozess. »Wir wollen die digitale Transformation innerhalb von fünf Jahren umsetzen. Ein Jahr ist verstrichen und wir sind auf gutem Weg. Die Optimierungspotenziale sind noch höher als gedacht: Wir rechnen mit Produktivitätssteigerungen über 30 Prozent und einer Halbierung der Durchlaufzeiten«, so Kammüller.

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Erschienen in Ausgabe: 03/2017