Ti-Ni-tus für Europa

Technik/Werkstoffe

Mit 08/15-Sorten gewinnt man im Stahlhandel keinen Blumentopf mehr. Deshalb konzentriert sich Enpar auf Nickel- und Titanlegierungen sowie spezielle Stahlsorten und Legierungen mit besonderen technischen Eigenschaften.

08. Juni 2015
Der vorläufig krönende Abschluss der Investitionen bei Enpar ist die Anschaffung der neuen Wasserstrahlanlage. Bildquelle: hgd
Bild 1: Ti-Ni-tus für Europa (Der vorläufig krönende Abschluss der Investitionen bei Enpar ist die Anschaffung der neuen Wasserstrahlanlage. Bildquelle: hgd)

Enpar betreibt ein Servicecenter und eine eigene Engineering-Abteilung. Das vielseitige Produktspektrum umfasst halbfertige Metallprodukte für weiterverarbeitende Betriebe. Dazu gehören: Stangen in Flach-, Vierkant-, Rund- und Sechskant-Dimensionen, Schmiedevormaterial, Schmiedestücke (Ringe, Scheiben und vieles andere), Bleche, Platten sowie Rohre und Rohrzubehör. Seit mehr als einem Jahrzehnt komplettieren nach Zeichnung wasserstrahlgeschnittene Teile das Lieferprogramm. Kleine und große Kundenwünsche mit kurzem Vorlauf zuverlässig zu bedienen, ist der Arbeitsalltag des 48-köpfigen Teams in Gummersbach. Das angebotene Werkstoffspektrum reicht von korrosionsbeständigen Stahllegierungen über hochtemperaturbeständige Nickel-Werkstoffe bis hin zu Titanlegierungen.

2001 schaffte Enpar die erste Wasserstrahlschneidanlage mit einem Schneiddruck bis 420 Megapascal (~ 4200 Bar) an. In den Folgejahren wurden alle Bandsägen durch moderne, hocheffiziente Bandsägen für die besonderen Anforderungen der schwer zerspanbaren Werkstoffe bis zu einer Breite von 1700 Millimetern ersetzt.

Investitionen in die Zukunft

Nach jahrelangen, konsequent vorgenommenen Investitionen erstrahlt Enpar heute in neuem Glanz. Grund dafür sind die umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen sowie eine neuerlich angeschaffte moderne und dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Wasserstrahlschneidanlage. Die wichtigsten Bausteine des Investitionspakets der letzten Jahre sind die heute 5000 Quadratmeter große Betriebsfläche, vier Hallenkräne bis zehn Tonnen, die erwähnte Wasserstrahlschneidanlage, Spezialsägen, Schneid- und Prüfanlagen. Der Ausbau der Fertigungsflächen und -anlagen ist die Basis für weiteres organisches Wachstum.

»Unsere Betriebsfläche wurde in den letzten Jahren nahezu verdreifacht. Mit dem Bau von zwei zusätzlichen Hallen und der Anschaffung eines automatischen Lagerturms für Großbleche bis 2,2 x 6,2 Meter sowie dem Ausbau der Büroflächen auf fast 1000 Quadratmeter haben wir die Räumlichkeiten geschaffen, die unseren Anforderungen entsprechen und weiteres Wachstum ermöglichen«, erklärt Enpar-Geschäftsführer Ulrich Trenkmann.

Der zusätzliche Platz möglicht es, Arbeitsabläufe zu reorganisieren und zu verbessern. Systematisch wurden alle Maschinen und Anlagen im Laufe der letzten Jahre durch Neu- oder Ersatzbeschaffung ausgetauscht, so dass jetzt Maschinen und Einrichtungen zur Verfügung stehen, die dem aktuellen Stand der Technik und den besonderen Anforderungen der schwer zerspanbaren Werkstoffe entsprechen, die durch das Unternehmen be- und verarbeitet werden.

Der vorläufig krönende Abschluss der Investitionen ist die Anschaffung der neuen Wasserstrahlanlage. Das Besondere daran ist ihre Tischgröße von vier Meter mal acht Meter. Ganz besonders hervorzuheben ist der maximale Schneiddruck von 600 Megapascal und die Möglichkeit, zwei Schneidköpfe parallel einzusetzen. Enpar hat sich bei dieser Investition für einen deutschen Maschinenbauer entschieden, der weltweit zu den drei führenden Unternehmen in diesem Bereich gehört.

Unter dem Dach von Enpar können Titanplatten bis zu einer Stärke von 250 Millimetern geschnitten werden, unter anderem für die Airbusse A 350 und A 380. Daneben gibt es spezielle Anwendungen in Bereichen für den chemischen Apparate- und Anlagenbau, der Pumpen- und Armaturenfertigung sowie im Sondermaschinenbau und dem Motorrennsport. Ein besonderer Markt ist für Enpar der Energiesektor, unter anderem Bauteile für Europas größte Gasturbine, die in Garchingen betrieben wird.

Qualität und Zuverlässigkeit

Auch der Bereich Werkstoffprüfung wurde ausgebaut und den aktuellen Anforderungen angepasst. Im Laufe der Jahre erworbene Qualifikationen führten dazu, dass das Unternehmen heute über entsprechende allgemein gültige Zertifikate wie auch spezielle kundenspezifische Zulassungen verfügt, unter anderem Siemens, Alstom, Rolls Royce, BASF, ISO 9001, Druckgeräte-Richtlinie, Ü-Stamp etcetera. Die Kombination von Hochtemperaturanforderung, externer Korrosionsbeständigkeit und Gewichtsreduzierung sind das Spezialgebiet von Enpar.

Parallel zu den Investitionen in den Maschinenpark erfolgte die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter. Heute verfügt das Unternehmen über weitreichend qualifiziertes und akkreditiertes Personal.

Enpar ist immer wieder gefragt, wenn es um Anforderungen in Spezialbereichen und Nischensektoren der Industrie geht. In Europa und auch in einigen asiatischen Ländern schätzt man die Enpar Sonderwerkstoffe GmbH für ihre Beschaffung von Halbzeugen (Bleche, Stangen, Zuschnitte, Schmiedeteile, Fittinge und Rohre) aus Nickelbasis und Titanlegierungen. Vertretungen und Büros in GB, Italien, USA und Korea festigen die bestehenden internationalen Verbindungen. Enpar verfügt über spezielle Kenntnisse im Material- und Produkt-Know-how, so dass man auch nach komplexen Materialspezifikationen alle nicht großindustriell zu fertigenden Produkte in Nickelbasis- und Titanlegierungen nach Anforderung der Klientel wettbewerbsfähig herstellen kann.

»Bestellungen in Größenordnungen von 1 bis 1000 kg gehören für uns zum Standard. Aufträge mit einem Liefergewicht bis zu 150 t können in kurzer Zeit abgewickelt werden. Unsere Kunden erwarten, dass wir schnell, kompetent und zuverlässig handeln – dazu gehört für uns, dass wir Anfragen innerhalb 24 Stunden beantworten und bei Kundenbedarf das Material bereits am nächsten Tag ausliefern«, erklärt Verkaufsleiter Axel Veller.

Hans Georg Diederichs

Fachjournalist aus Grevenbroich

Erschienen in Ausgabe: 04/2015