Tee oder Kaffee? Wein oder Bier?

Check

Wassersparen ist in, so in, dass man dank Durchflussbegrenzern Zahnbürste und Rasierer kaum noch sauber bekommt und die Dusche nur noch bröselt – aber wem oder was nützts?

12. Oktober 2010

»Die Sachen für den Grünen Punkt nicht spülen! Das ist Wasserverschwendung«, verkündete der junge Kollege. Klar, eingetrocknet gehts auch besser runter. Und wenn man Bakterien- und Pilzkulturen zu Vietnamesen, Tamilen und Philippinos geschippert hat, wissen wenigstens die, warum das System ›Grüner Punkt‹ heißt. ›Grüner Pelz‹ oder ›Grüne Wolke‹ würde wohl noch besser passen. Und gewaschen werden muss das Zeug ja doch, bevor Blumentöpfe oder Pullis draus werden. Dann aber richtig: mit viel billiger Chemie und viel rarem Wasser.

125 l Trinkwasser pro Tag soll der Deutsche im Schnitt aus der Leitung zapfen, etwa 20 l weniger als vor 25 Jahren. Keine 5 l werden getrunken oder gegessen. Der Rest wird gleich wieder Abwasser.

Deutschland hat allerdings kaum Mangel an Trinkwasser – wenn man von Ballungsgebieten wie Berlin oder Hamburg absieht, die ihre Umgebung, etwa die Lüneburger Heide, allmählich leersaugen.

Aber trotzdem: Wassersparen ist gut. Wassersparen ist vorbildlich. Wassersparen macht umweltbewusst. Wassersparen ist also pädagogisch wertvoll.

Nur: Wir verbrauchen und benutzen täglich Waren, für deren Herstellung Wasser benötigt wird: für eine Tasse (0,125 l) Kaffee zum Beispiel 140 l – für Tee dagegen ›nur‹ 30 l. Für 1/8 Wein benötigt man 120 l Wasser, etwa so viel wie für 0,4 l Bier – rauschmäßig unentschieden.

Ein Milchrausch wäre ökologisch unverantwortlich: Schon für 1 l sind 1000 l Wasser nötig. Für einen Liter Mineralwasser kann man immerhin über 120 l ›normales‹ Wasser verbrauchen; Einweg machts immer noch möglich. 1 kg Reis kostet die Welt 3000l, 1 kg Weizen dagegen unter 1500 l.

1 Kilo Rindfleisch bringt es auf 15000 l, 1 Kilo Hartkäse immerhin auf rund 10000 l.

Ein T-Shirt aus Baumwolle bringt es auf circa 3000 l, Jeans, obwohl nur zwei- bis dreimal so schwer, (wegen der Färbung) 10000 bis 12000 l.

Für ein DIN-A4-Blatt verbraucht man 10 l, für einen kompletten PC etwa 20000 l.

Das heißt: Schon ein Diätfrühstück (Müesli, Joghurt, Apfel, Kaffee) kommt auf mindestens 300 l Wasserverbrauch, mit Ei über 450 l.

Alles in allem verbraucht jeder von uns Mitteleuropäern jeden Tag 4000 bis 5000 l Wasser – den größten Teil in Wassermangelgebieten wie dem Wüstenstaat Ägypten, in dem sehr viel künstlich bewässerte Baumwolle wächst – und der ein sehr marodes Wasserleitungssystem betreibt.

Erschienen in Ausgabe: 05/2010