Technik vom Feinsten

Die faszinierende Welt des Stanzens

Es gibt nicht nur den Laser. Mit dieser Erkenntnis machten sich all jene vertraut, die im Bruderer-Forum auf der Euroblech, die in Glasvitrinen ausgestellten Exponate aus der Stanztechnik gesehen haben. Was dort an feinsten Schnitten und Stegen zu sehen war, traut man eher einem Laserschnitt zu. Doch mit immer höheren Geschwindigkeiten von Hochleistungsstanzautomaten und Bandvorschüben, der steigenden Präzision, ausgeklügelten Steuerungen, die sogar mit Werkzeugverschleiß umgehen können und spezialgeschmierten Hochleistungswerkzeugen präsentierten die Schweizer Technik vom Feinsten.

06. Januar 2003

Auf der Euroblech zeigte Bruderer, Frasnacht, den Hochleistungsstanzautomaten „BSTA 180-36B“ erstmals mit der B-Steuerung. Durch diese Neuerung hat das Unternehmen die Umstellung aller Maschinentypen auf die PC-Steuerung vom Typ B abgeschlossen. Durch die gelungene Synthese der hochpräzisen Maschinenmechanik und der fortschrittlichen B-Steuerung kann eine noch nie dagewesene Prozeßsicherheit erreicht werden. Die B-Steuerung erlaubt auch beim BSTA 180-36B eine dynamische Stößelkorrektur, die die UT-Lage des Stößels in allen Betriebszuständen konstant hält.

Standardmäßig wird die Maschine mit einem verstellbaren Hub von acht bis 40 mm angeboten um die bei der BSTA-Baureihe geschätzte Flexibilität zu gewährleisten. Durch die maximale Produktionsgeschwindigkeit von 1.400 1/min. ist der BSTA 180-36B auch in der Lage, die hohen Ansprüche an die Produktivität zu erfüllen. Der Werkzeugeinbauraum von 359 mm bietet sich zur Fertigung von kleinen Stanzteilen aus der Uhren- und Elektronikindustrie an. Speziell in der Produktion von solch kleinen Teilen werden die Ansprüche immer höher, sei es in der Produktion von Kontakten oder Steckverbindern für die TFT-LCD Bildschirme oder ähnlichen Produkten.

In Zusammenarbeit mit der Firma Brankamp, Erkrath, (BBR berichtete in Heft 10/2002, Seite 30 ff.) zeigten die Schweizer anhand der ausgestellten Stanzmaschine die Integration eines MDE/BDE-Systems in die Bedienoberfläche der B-Steuerung. Zudem stellte Bruderer auch die Möglichkeit vor, die Stanzautomaten mit einem Zentralcomputer zu vernetzten, um dem Stanzereipersonal zu einer besseren Übersicht und somit auch Planung im Produktionsablauf zu verhelfen.

Der BSTA 500-110B mit einer Nennkraft von 500 kN und Hubzahlen bis 1.120 1/min, repräsentierte die neueste Entwicklung der klassischen Bruderer-Hochleistungs-Stanzautomaten. Der BSTA 500-110B stammt aus einer ganzen Baureihe von Maschinen, die laut Hersteller ein Maximum an Bedienerfreundlichkeit und vor allem einen sicheren Stanzprozeß garantieren. In der vorgestellten Anwendung bestach der Stanzautomat als universelle Maschine für Kontaktfedern. Der Stanzautomat mit seiner Werkzeugeinbauöffnung L-R von 1.100 mm und der halbautomatischen Hubverstellung mit sieben verschiedenen Hubhöhen ist sehr universell einsetzbar. Durch die gute UT-Lagengenauigkeit des Stößels in allen Betriebszuständen und dem sehr langen Werkzeugeinbauraum, bietet sich dieser Maschinentyp für lange und hochpräzise Folgeschnittwerkzeuge, aber auch andere industrielle Anwendungen an. In Verbindung mit einem ein Hochleistungs-Stanzwerkzeug von Stepper, Pforzheim, stellte die Anlage Kontaktfedern her, die während des Stanzprozesses mechanisch verschlossen wurden. Zweifach fallend, mit einer Fertigungsgeschwindigkeit von 900 1/min. wurden somit 1.800 Teile pro Minute produziert.

Zudem bot die Komplettanlage, die Bruderer zusammen mit verschiedenen Partnerunternehmen aufgebaut hatte, den Fachbesuchern die Möglichkeit sich umfassend zu Informieren. Etwa über ein Bandschmiersystem, das einen optimalen Schmierstoffauftrag gewährleistet. Oder eine Reinigungsanlage auf Wasserbasis mit einer Produktionsgeschwindigkeit von 25 m/min., die die Teile nach dem Stanzprozess reinigte. Auch eine Palettenabwickelhaspel und eine Aufwickelhaspel sorgten für eine kontinuierliche und störungsfreie Produktion. Zudem wurden die Teile im Stanzprozeß mit Videokameras auf Prozeßsicherheit und Maßgenauigkeit 100prozentig überwacht.

Gemeinsame Kontakte pflegen

Die Schallschutzkabine eines weiteren Partnerunternehmens trug dazu bei, die Lärmemissionen um etwa 25 dbA zu senken, was den Besuchern ermöglichte sich auch bei laufender Maschine zu Unterhalten. Da Stanzautomaten aber für gewöhnlich in Fertigungshallen - und nicht auf Messen - produzieren, wird dem Bedienpersonal nicht nur eine einfach zu bedienender Hochleistungsstanzautomat an die Hand gegeben sie profitieren auch von weniger Lärm und damit ein Mehr an Arbeitssicherheit.

Moderne Fertigungsanlage für industrielle Anwendungen

Ein weiteres Exponat, der BSTA 160 BSL, war in einer Fertigungsanlage für Leiterbahnengitter integriert. Mit einer Nennkraft von 1.600 kN und Hubzahlen bis 600 1/min, sowie einem Werkzeugeinbauraum von 1.810 mm und einem automatisch verstellbaren Hub bis 100 mm, bewies die gezeigte Anwendung, daß die BSTA-Serie von Bruderere auch in industriellen Segmenten ihren Platz hat. Die zusätzlichen Riemenscheibe erhöht zudem die verfügbare Energie, um auch mit kleineren Drehzahlen das volle Drehmoment zu garantieren. Die Stanzmaschine war mit dem „BBV 320/200“-Walzensegmentvorschub ausgestattet, der mit einer motorischen Vorschublängenverstellung ausgerüstet ist, die es erlaubt, die dynamischen Vorschubverlängerungen während des Dauerhubes zu korrigieren. In Verbindung mit einem Hochleistungs-Stanzwerkzeug von Härter, stanzte die gezeigte Anlage Leiterbahnengitter mit 100 1/min, die in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Auch an dieser Gesamtanlage zeigte Bruderer zusammen mit den Partnerunternehmen, von der Bandanlage mit Einfachabwickler, Bandrichtmaschine und Bandführung mit Ultraschall, einem integrierten Werkzeug-und Qualitätssicherungssystem, sowie ein Bandschmiersystems alles, was ein modernes Hochleistungsstanzsystem ausmacht.

Leistungs-Vorschub

Doch auch in Sachen Vorschub, war Bruderer nicht um eine Lösung verlegen. Auf der Euroblech stellte das Unternehmen den Zangenvorschub „BZV 60“ vor, der speziell für Anwendungen entwickelt wurde, wo sehr dünne, weiche, empfindliche oder vorgestanzte Bänder eingesetzt werden. Die Leistung des Zangenvorschubes mit maximal 1.300 1/min bei stufenlos einstellbaren Vorschublängen von 0 bis 60 mm (auch während des Stanzprozesses), die Banddickenerkennung, und die automatische Banddicken-Einstellung, der mechanische Antrieb des Vorschubes über Kardanwelle und die daraus resultierende Vorschubgenauigkeit, zeigten deutlich, wohin die Leistungskurve zeigt. Der gesamte Zangenvorschub war am Zentralschmiersystem der Maschine angeschlossen, und der Aufwand an Unterhaltsarbeiten somit sehr gering. Selbstverständlich kann der vorgestellte Vorschub links, rechts, ziehend oder schiebend eingesetzt werden.

Erschienen in Ausgabe: 11/2002