Stückwerk war gestern

Technik

Verkettete Lösungen zur Rohrbearbeitung haben einen großen Vorteil: Schnittstellen sind hinfällig. Und damit auch Qualitätseinbußen, die entstehen, wenn zusammengestellte Maschinen nicht so arbeiten wie gedacht.

12. Oktober 2010

Das Zusammenstellen von Einzelmaschinen für die komplette Bearbeitung eines Rohres in einem Durchlauf hat seine Tücken. Denn wenn Schnittstellen oder der Leitrechner nicht wie geplant funktionieren, kann es zu Qualitätseinbußen kommen. Um solche Nachteile zu vermeiden, entwickelt die im hochsauerländischen Schmallenberg ansässige Transfluid Maschinenbau GmbH seit zehn Jahren verkettete Rohrbearbeitungstechnik nach Kundenwunsch. »Mit unseren Plug-&-Play-Lösungen können sich unsere Kunden Qualitätseinbußen, wie sie bei zusammengekauften Einzelprodukten entstehen, sparen«, sagt Gerd Nöker, Unternehmensgründer und Geschäftsführer von Transfluid. »Schnittstellen gibt es nicht und die Leitrechner werden gemäß den Anforderungen unserer Kunden programmiert.«

Die Hochsauerländer stellen inzwischen vollständige Systeme für die Rohrbearbeitung zur Verfügung. Für den ersten Bearbeitungsschritt, bei dem Rohrtrennmaschinen gefragt sind, hält das Unternehmen Lösungen aus seiner Maschinenkategorie ›T-Cut‹ parat. Anwender können damit Größen bis 50 mm spanlos und materialunabhängig vom Coil oder von der Stange trennen. Dabei bewahren leistungsstarke Be- und Entladeeinrichtungen die Rohre vor Beschädigungen. Auch bei Trennleistungen von mehr als 1800 Stück pro Stunde gewährleisten die Lösungen Zuschnittsoptimierungen. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil nahezu jeder Fertigungszelle ist die Technologie zur Rohrumformung. Transfluid stellt hier mit ›T-Form‹ einen großen Bereich axialer und rollierender Umformtechnik zur Verfügung. Die Rohrumformmaschinen bietet das Unternehmen in verketteter Fertigungsfolge mit normalen Taktzeiten oder als Transferanlagen mit Taktzeiten zwischen zwei und sechs Sekunden an. Welche Maschinen eingesetzt werden, hängt davon ab, wo im Ablauf die längste Taktzeit maßgeblich ist oder welche individuellen Anforderungen der Kunde hat.

Auch die Biegetechnik ist bei der Rohrbearbeitung häufig unverzichtbar. Hier bietet Transfluid mit ›T-Bend‹ vollelektrische Lösungen als Rechts-Links-Bieger mit Freiformeinrichtung oder einem automatischen Werkzeugwechsel an. Taktzeiten unter 1,5 s pro Bogen sind möglich. »Eine immer größere Rolle bei der Bearbeitung von Rohren spielt heute auch der Reinigungsprozess«, so Nöker. »Wenn man sich hier den Gesamtfluss des Materials anschaut, kann es nicht sinnvoll sein, Rohre in Körbe zu legen und in Waschanlagen zu transportieren, um sie später wieder vereinzeln zu müssen.«

Saubere Sache

Mit ›T-Clean‹ bietet das Unternehmen deshalb Reinigungssysteme für einen geschlossenen Arbeitsprozess an. Doch die Schmallenberger haben noch mehr auf der Pfanne. »Beim Bearbeitungsprozess von Rohren müssen immer wieder spezielle Anforderungen erfüllt werden. Deshalb sorgen wir beispielsweise auch dafür, dass Bauteile über einen Rotationsvereinzeler zugeführt oder per Nadel-, Tintenstrahl- oder Laserdrucker beschriftet werden können«, berichtet der Geschäftsführer. »Auch die Zuführung von Dichtigkeitstests im Ablauf, die Schweißnahterkennung, die Bestückung mit Dichtelementen oder Schutzkappen, das Durchlaufen der Autofrettage oder die abschließende Verpackung bieten wir selbstverständlich an«, erläutert Nöker. »Selbst vorhandene Maschinen anderer Hersteller, die ein Kunde nicht mehr benötigt, können wir in eine neu aufgebaute Transfluid-Fertigungszelle integrieren.«

Apropos Kunde: Von seinen Wünschen oder Anforderungen hängt das erforderliche Handling der verketteten Transfluid-Lösungen ab. So können sowohl lineare Handling-Systeme als auch handelsübliche Roboter eingesetzt werden. Aber egal, welche Lösung der Kunde wählt – eines ist sicher: Stückwerk und nicht funktionierende Schnittstellen sind mit den Plug-&-Play-Lösungen Probleme von gestern. Die Besucher der Euroblech jedenfalls dürfen auf die Rohrbearbeitungstechnologien der Schmallenberger in Halle 11, am Stand D01 gespannt sein.

Erschienen in Ausgabe: 05/2010