Strom und Roboter aus einer Hand

Als einer der weltweit größten Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten setzt Linde Material Handling seit mehr als 50 Jahren Maßstäbe bei Lösungen für Flurförderzeuge, Flottenmanagement und Fahrerassistenzsysteme. Am Fertigungsstandort Aschaffenburg vertraut das Unternehmen sowohl beim manuellen als auch beim automatisierten Schweißen auf Technologien von Cloos. Neben verschiedenen Roboterschweiß- anlagen nutzt Linde Material Handling eine Vielzahl an Cloos-Handschweißgeräten wie die neue Hightech-Schweißstromquelle ›Qineo Next‹.

02. Mai 2019
Strom und  Roboter aus  einer Hand
Die Handschweißer profitieren vom intuitiven Handling der ›Qineo Next‹. (© Cloos)

Als globales Unternehmen ist Linde Material Handling mit mehr als 13.000 Mitarbeitern in rund 100 Ländern vertreten. Am Fertigungsstandort in Aschaffenburg produzieren die rund 2.500 Mitarbeiter mehr als 40.000 Gabelstapler pro Jahr. Das einzigartige Fahrzeugangebot von Linde umfasst 77 Baureihen mit 382 Varianten und 10.000 Ausstattungsoptionen. Auf Basis dieses Baukastensystems fertigt Linde Fahrzeuge und Flotten, die auf individuelle Anforderungen zugeschnitten sind. Bei der Produktentwicklung und -fertigung stehen die Themen Produktivität, Sicherheit und Ergonomie im Fokus.

Obwohl das Unternehmen zahlreiche Cloos-Roboteranlagen für das automatisierte Schweißen hat, greift Linde Material Handling bei Sondervarianten und bei Kapazitätsengpässen im Bereich Hubmastfertigung verstärkt auf das manuelle Schweißen zurück. Es gibt in diesem Bereich 17 feste Handschweißplätze, wo ausschließlich mit Stromquellen von Cloos geschweißt wird.

Hier setzt Linde Material Handling seit Oktober 2018 die neuen Schweißstromquellen ›Qineo Next‹ ein. Herzstück der stufenlos regelbaren MSG-Schweißstromquelle mit externem Drahtantrieb ist ein von Cloos entwickeltes Inverterleistungsteil, das mit einer hohen Frequenz von 200 Kilohertz taktet. Das resultiert in optimalen Lichtbogeneigenschaften für hohe Schweißqualität – auch bei komplexen Schweißaufgaben. Zudem erlaubt die digitale Regelung eine individuelle Programmierung der Schweißeigenschaften. Der hohe Wirkungsgrad und ein umfangreiches Energiemanagement mit Standby-Funktion für Inverter und Lüfter erfüllen hohe Energieeffizienzanforderungen.

Der konsequente modulare Aufbau mit zahlreichen optionalen Funktionen ermöglicht vielseitige Einsatzmöglichkeiten vom Basis-Schweißgerät für das manuelle Handschweißen bis zum Multiprozess-Schweißgerät für das automatisierte Roboterschweißen. Egal ob manuelles oder automatisiertes Schweißen, dünn- oder dickwandige Werkstoffe oder Werkstoffe, die einen Wechselstromprozess erfordern – Qineo Next hat für jede Anforderung den optimalen Schweißprozess. Darüber hinaus kann die Schweißstromquelle mit allen gängigen Industrieschnittstellen ausgestattet werden, um die Schweißfertigung effizient zu digitalisieren und zu vernetzen.

— Stefan Müller, Linde Material Handling

»Die neuen Stromquellen sind technisch ausgezeichnet«, sagt Stefan Müller, Meister im Bereich Schweißerei. »Da beim Schweißen kaum Spritzer auftreten, reduziert sich die Nacharbeit in den nachfolgenden Produktionsschritten enorm.« So kann das Unternehmen Fertigungsprozesse noch effizienter gestalten.

Die Mitarbeiter profitieren ebenfalls vom Einsatz der neuen Schweißstromquellen: Die Master-Plus-Bedienoberfläche der Qineo Next bietet eine einfache, schnelle und intuitive Steuerung der Stromquellen mit Jobspeicher- und Job-Favoriten-Funktion. »Die Bedienoberfläche der Schweißgeräte ist sehr übersichtlich«, erklärt Christian Salg als erfahrener Handschweißer bei Linde Material Handling. »Durch die einfache Bedienung können auch Anfänger gut mit der neuen Stromquelle schweißen.« Das ist ein wichtiger Aspekt, da auch Linde Material Handling mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen hat. Es sei zunehmend schwierig, gut ausgebildete und erfahrene Schweißer auf dem Markt zu finden.

»Unsere Schweißer haben eine große Verantwortung mit dem Bauteil«, fügt Niklas Titzmann, Leiter der Hubgerüst-Fertigung, hinzu. »Sicherheit steht bei uns sowohl in der Produktion als auch bei den Produkten an oberster Stelle.« Um die Prozesssicherheit zu garantieren, nutzt Linde Material Handling die Benutzerverwaltung mit unterschiedlichen Nutzerebenen an der Qineo Next. So können die Mitarbeiter die Grundeinstellungen der Stromquelle nicht verändern und nur kleinere Anpassungen vornehmen. Damit kann Linde Material Handling die hohen Qualitätsanforderungen einhalten.

Titzmann freut sich, dass Cloos ihre Anregungen in der Entwicklung der Schweißstromquellen aufgegriffen hat. So besteht nun die Möglichkeit, einen zusätzlichen Drahtvorschub an der Qineo Next anzubringen. Das vergrößert die Reichweite bei den komplexen Bauteilen. Instandhalter Dieter Stenger freut sich zudem darüber, dass die neuen Stromquellen wartungsfreundlich sind: »Bisher sind noch keine Probleme bei der Qineo Next aufgetreten, und Ersatzteile lassen sich schnell und mit wenigen Handgriffen tauschen.« Daneben lobt Stenger das leistungsstarke, separate Kühlmodul mit einer großen, beleuchteten Füllstandanzeige. Das Bedienmodul zeigt außerdem alle relevanten Daten übersichtlich an, sodass bei etwaigen Problemen eine schnelle Selbstdiagnose möglich ist.

Automatisierung geplant

Auch die neuen automatisierten Roboterschweißanlagen sollen kurzfristig mit der Qineo Next ausgestattet werden. Alleine im Bereich Hubmastfertigung nutzt Material Handling Linde sechs Roboterschweißanlagen von Cloos. In diesen Anlagen wird die Qineo Next zwar noch nicht eingesetzt, aber mit der Schweißstromquelle ›Qineo Pulse‹ setzt Linde Material Handling auch hier ausschließlich auf Cloos. Vor zwei Jahren hat Linde Material Handling zum Beispiel eine Roboteranlage in Betrieb genommen, die individuell auf die speziellen Gegebenheiten vor Ort angepasst wurden. Da die Fertigungshalle eine niedrige Deckenhöhe hat, ist die Anlage vergleichsweise breit aufgestellt. Die beiden Schweißroboter befinden sich in der Mitte der Anlage, während eine Fahrbahn die Positionierer flexibel im Wechsel zwischen den beiden Stationen hin- und herfährt.

Aufgrund der großen Variantenvielfalt nutzt Linde Material Handling beim automatisierten Schweißen die Offline-Programmiersoftware ›Roboplan‹ von Cloos. Während in der Roboteranlage die Produktion läuft, kann gleichzeitig in Roboplan ein neues Programm erstellt werden. Hier werden an 3D-Modellen Schweiß-, Such-, Verfahrwege und Werkzeuge festgelegt, zu denen dann die Schweißparameter und weitere für den Ablauf des Programmes erforderliche Funktionen definiert werden.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Egal ob Handschweißer, Roboterprogrammierer oder Instandhalter – alle Mitarbeiter bei Linde Material Handling loben die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Cloos. Mindestens alle drei Wochen findet eine gemeinsame Telefonkonferenz statt, um den Erfahrungsaustausch zwischen den Beteiligten zu fördern und etwaige Probleme schnell zu lösen.

»Wir nutzen seit Jahren ausschließlich Schweißtechnik aus dem Hause Cloos, um Synergien, gerade in Bezug auf Ersatzteile und Wartung, zu schaffen«, betont Titzmann. »Außerdem erleichtern wir unseren Mitarbeitern ihre Arbeit, indem wir uns auf einen Hersteller fokussieren.« Damit die Mitarbeiter optimal geschult werden, setzt das Unternehmen auch in der Lehrwerkstatt und bei internen Seminaren Schweißroboter und Schweißgeräte von Cloos ein. Linde Material Handling möchte künftig verstärkt auf die Automatisierung setzen, um Stückzahlen weiter zu steigern und um Fertigungsprozesse noch sicherer zu gestalten.

Eine zusätzliche neue Roboteranlage für den Bereich Hubmastbau mit drei Schweißstationen und insgesamt sechs Robotern ist bereits geplant und soll noch in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Außerdem nutzt das Unternehmen zahlreiche Cloos-Roboteranlagen im Bereich Rahmenbau. »Auch wenn die Automatisierung im Schweißbereich zunehmend an Bedeutung gewinnt, wird es auch in Zukunft Bauteile geben, die manuell geschweißt werden müssen«, resümiert Niklas Titzmann. »Deshalb werden wir zusätzlich in weitere Hightech-Stromquellen wie die Qineo Next investieren.«

Infobox

Cloos feiert 100-jähriges Bestehen

Seit 100 Jahren zählt Carl Cloos Schweißtechnik zu den Pionieren in der Schweißtechnik. Das Unternehmen mit Stammsitz in Haiger bietet optimale Lösungen rund um das manuelle und automatisierte Schweißen. »Wir sind stolz darauf, dass wir zu den wenigen Unternehmen in Deutschland gehören, die seit 100 Jahren erfolgreich in ihrem Segment tätig sind«, sagt Cloos-Geschäftsführer Sieghard Thomas. »Seit jeher leisten wir mit unseren Produkten Pionierarbeit in der Schweißtechnik.«

Der Ingenieur Carl Cloos gründet das Unternehmen 1919 in Siegen-Weidenau zur Herstellung von Acetylen-Gaserzeugern und Autogenschweißbrennern. 1924 erfolgt der Umzug nach Haiger. 1948 steigt Cloos in die Herstellung von Schweißanlagen für Stabelektroden ein. 1956 präsentiert Erwin Cloos erstmals das Schweißen mit endloser Drahtelektrode auf der Hannover Messe und stellt die CO2-Arc-Schutzgasschweißtechnik auf dem europäischen Markt vor. 1978 setzt das Unternehmen erstmals Industrieroboter zum Schutzgasschweißen ein. Seit 1981 konstruiert und produziert Cloos eigene Industrieroboter. Später bringt das Unternehmen das Tandem-Schweißen und das Laser-Hybrid-Schweißen zur Marktreife.

Heute reicht das Produktspektrum von einfachen, kompakten Systemen bis zu komplexen, verketteten Anlagen mit selbstständiger Bauteilidentifizierung und automatischen Be- und Entladeprozessen. Dabei profitieren die Anwender vom breit angelegten schweißtechnischen Know-how, da die Schweißspezialisten alle relevanten Komponenten aus einer Hand anbieten.

In allen Unternehmensbereichen treibt Cloos Innovationen voran. »Weltweit steigt die Nachfrage nach hoch automatisierten und intelligenten Robotersystemen, bei denen die einzelnen Komponenten einer Schweißanlage und übergeordnete Systeme vernetzt sind«, erklärt Thomas. »Deshalb setzen wir bei der Produktentwicklung verstärkt auf die Digitalisierung.« Das neue Cloos-Gateway C-Gate ermöglicht zum Beispiel eine anwenderspezifische Darstellung, Analyse und Weiterverarbeitung von Betriebs- und Schweißprozessdaten.

Das besondere Jubiläum wird das Familienunternehmen im Mai im Rahmen einer Festwoche feiern. Am 7. Mai laden die Schweißspezialisten deutschsprachige Kunden und Interessenten, am 8. Mai die englischsprachigen Kunden.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 5 bis 15