Streckrichten, das bessere Richtverfahren?

Exportdirektor Ray Fausz von Red Bud Industries „Streckgerichtetes Material ist völlig spannungsfrei und bleibt eben“ und Dr.-Ing. Lutz-Stefan Henrich „Ein echter kontinuierlicher Prozess ist nicht möglich“.

06. Juni 2007

Viel ist in den letzten Jahren über Richtverfahren geschrieben worden und wie das Material am besten vollkommen plan gerichtet werden kann. Mehr noch, als das Material nur plan zu richten, gilt es bei unserer Entwicklungsarbeit das Material vollkommen spannungsfrei zu richten, damit es auch dann noch eben bleibt, wenn es später mit dem Laser oder durch Plasma geschnitten, geschweißt oder umgeformt oder sonst wie weiterbearbeitet wird. Die Erfahrung zeigt, dass herkömmlich gerichtetes Material eben nicht immer plan bleibt, da oftmals im gerichteten Material noch Materialspannungen eingeschlossen sind. Dies kann beim Streckrichten nicht passieren, da das Material nicht durch Walzen umgeformt wird. Wenn das Material über seine Streckgrenze hinaus gerichtet wird, dann vergisst es seine ursprüngliche Form und damit die Tendenz, seine ursprüngliche Form wieder einnehmen zu wollen. Dies geschieht beim Streckrichten, wo das Material an seinen zwei Enden geklemmt und gezogen wird. Daher ist beim Streckrichten das Richtergebnis nicht abhängig von der eventuellen Rollenanzahl und zudem ist es unabhängig vom Eingangszustand des Materials. Das gilt auch für das Richten hochfester Stahlgüten.

RBI-Exportdirektor RAy Fausz

CONTRA

Vielwalzenrichtmaschinen sind seit Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz. Sie erlauben einen kontinuierlichen Prozess mit sehr hohen Geschwindigkeiten. Die Ergebnisse genügen höchsten Ansprüchen an die Planheit und den Eigenspannungszustand. Der Platzbedarf von Walzenrichtmaschinen ist viel geringer als der von Streckrichtmaschinen, die das Band zum Richten klemmen. Die Klemmkräfte betragen ein Vielfaches der Kräfte beim konventionellen Richten, was entsprechenden technischen Aufwand erfordert. Ein echter kontinuierlicher Betrieb ist nicht möglich. Der Spannungszustand beim Streckrichten ist darüber hinaus deutlich komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint. An den Klemmstellen ergibt sich ein komplexer Spannungs- und Verformungszustand, der sich weit in das Band fortsetzt. Die Leistungsfähigkeit und Flexibilität von modernen Vielwalzenrichtmaschinen mit einstellbaren Walzenabstützungen wird dagegen gerade auch durch die hervorragenden Richtergebnisse bei hochfesten Stählen sehr eindrucksvoll bewiesen.

Schnutz Geschäftsführer Dr.-Ing. Lutz-Stefan Henrich

Erschienen in Ausgabe: 04/2007