Strahlanlage bricht Werksrekord

Fokus/Abtragen

In Containerhäfen tummeln sich gigantische Stahlkreaturen: Containerkräne und Verladebrücken, oft hergestellt von Liebherr Container Cranes Ltd in Killarney, Irland. Um einen Riesen zu bauen, bedarf es eines Riesen.

06. Juni 2014
Container-Verladebrücken in ihrer natürlichen Umgebung Bildquellen: Liebherr, Wheelabrator
Bild 1: Strahlanlage bricht Werksrekord (Container-Verladebrücken in ihrer natürlichen Umgebung Bildquellen: Liebherr, Wheelabrator)

Vor der Montage müssen Krankomponenten gründlich gereinigt (Reinheitsgrad SA 2.5) und dann beschichtet werden, um die Oberfläche ausreichend gegen die widrigen Witterungsbedingungen im Hafen und damit gegen Korrosion zu schützen. Das heißt jedoch, dass Bauteile bis 52 t Masse und bis 52 m Länge, 3,5 m Breite und 4,2 m Höhe reinigungsgestrahlt werden müssen.

Die gigantischen Abmessungen der zu bearbeitenden Teile waren der Grund, warum diese bei Liebherr ursprünglich vollständig manuell gestrahlt wurden. Dazu wurde ein Mitarbeiter in einer Kabine von der Größe einer Telefonzelle am Werkstück entlanggefahren, um manuell per Druckluft zu strahlen. Die Arbeit war physisch belastend und wurde von mehreren Mitarbeitern abwechselnd vorgenommen. Die Bearbeitungszeit pro Bauteil betrug acht bis zwölf Stunden.

Der Prozess beruhte ausschließlich auf Druckluftstrahlen, was neben dem enormen Zeitaufwand zusätzlich Kosten für Druckluft mit sich brachte – ein teurer Rohstoff, für den spezielle Gerätschaften erforderlich sind.

Wäre es möglich, eine Strahlanlage zu bauen, die groß genug ist, um die gleiche Aufgabe mittels Schleuderradtechnologie zu erledigen?

Eine große Idee …

Liebherr Container Cranes fragte beim Wheelabrator Technologiezentrum in Metelen an, ob es möglich sei, eine passende Schleuderradstrahlanlage für die Anwendung zu konstruieren, die den Prozess beschleunigen und Arbeitsbedingungen sicherer und gesünder gestalten würde.

Um eines musste sich das Team von Wheelabrator dabei keine Gedanken machen: den Transport des Werkstückes durch die Anlage. Es überrascht nicht, dass Liebherr dazu einen eigens konstruierten Kran bereitstellte. Ergebnis der Kooperation ist die größte Schleuderradstrahlanlage, die Wheelabrator jemals geliefert hat.

Die kombinierte Hängebahn-Strahlanlage mit einer Länge von 36 m und einer Breite und Höhe von 8 m ist entlang der Längsachse in zwei Hälften gespalten, sodass der Transporthaken des Portalkrans die Anlage passieren kann.

Im Inneren der Strahlkammer befinden sich 24 leistungsstarke Titan-Turbinen, die entlang zwei sich schneidender Kreise angeordnet sind. Turbinen können in verschiedenen Kombinationen zugeschaltet werden, um nur bestimmte Bereiche des Bauteils zu bearbeiten.

Nach der Bearbeitung in der Schleuderradstrahlkammer fahren die Bauteile in einen ›Touch-up‹-Raum zum manuellen Nachstrahlen mit Druckluft und zum Entfernen von Strahlmittel. Mitarbeiter können hier von elektro-hydraulischen, höhenverstellbaren Arbeitsplattformen aus alle Ecken und Enden des Werkstücks bequem erreichen.

Lars Südfels, Produkt Manager bei Wheelabrator, erläutert: »Neben der extremen Größe der Maschine steckte der Teufel auch im Detail. Damit der Portalkran durch die Anlage fahren kann, mussten beide Maschinenhälften freistehend konstruiert werden. Der Kranhaken kann so durch einen Schlitz im Dach laufen.

Ein weiteres Problem war, dass Werkstücke aufgrund ihrer Länge während der Bearbeitung immer aus der Strahlkammer herausragen. Gummilamellen und Bürsten sowie ein ausgeklügeltes Türsystem waren notwendig, um die Anlage so gut wie möglich abzudichten.«

»Und dann war da noch die Strahlmittellogistik: 24 Turbinen wollten mit einem kontinuierlichen Strom an Strahlmittel ›gefüttert‹ werden. Das sind bis zu vier Tonnen in der Minute, die dann auch noch zurückgeführt und recycelt werden müssen. Das musste alles genauestens durchdacht und dann für die Größenordnung der Maschine umgerechnet werden. So musste sichergestellt werden, dass die Anlage sowohl für die Arbeit am Werkstück als auch für Wartungsarbeiten voll zugänglich ist. Es war wortwörtlich eine große Aufgabe.«

... bringt große Einsparungen

Der Schritt vom manuellen Druckluftstrahlen zum automatisierten Schleuderradstrahlen hat Bearbeitungszeiten deutlich reduziert – entsprechend werden Einsparungen von 35 bis 60 Prozent im Vergleich zum vorherigen Prozess erreicht.

Auch die Arbeitsbedingungen haben sich dadurch verbessert. Der ›Touch-up‹-Raum ist auf leichten Zugang und ergonomisches Arbeiten ausgelegt, während die Schleuderräder voll automatisiert die schwerste Arbeit übernehmen.

Christian Boscher von Liebherr Container Cranes kommentiert: »Wir waren davon überzeugt, dass sich unsere geometrisch simplen, aber außerordentlich großen Komponenten hervorragend zur Schleuderradbehandlung eignen. Zusammen mit Wheelabrator haben wir über zwei Jahre hinweg eine genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Anlage konzipiert, die 2013 in Betrieb ging.«

»Die neue Strahlanlage hat unsere Betriebsabläufe hier in Killarney revolutioniert und ist die ideale Ergänzung zu unserer bestehenden manuellen Druckluft-Strahleinrichtung. Aufgrund der Aggressivität und des hohen Durchsatzes des Strahlmittels haben wir mit dem Team von Wheelabrator vierteljährliche Inspektionen vereinbart, um eine lange Lebensdauer der neuen Anlage zu gewährleisten.«

Erschienen in Ausgabe: 04/2014