„Stirb an einem anderen Tag“

An dieses Motto hält sich Agent 007 alias James Bond in unseren Kinos seit 44 Jahren. Sex und Hightech, gepaart mit einer gehörigen Portion Action und Ironie, ein Mix der Film und Agenten unsterblich macht. Was das mit Robotern aus Bayern zu tun hat?

22. März 2006

Am 24. Januar 1962 sah die deutsche Kinowelt den smarten, britischen Agenten James Bond zum ersten Mal in ›James Bond jagt Dr. No‹. Damit begann die erfolgreichste Kinoserie der Welt, deren Mischung aus Ironie, Sex, Hightech und Action bis heute ein Publikumsmagnet geblieben ist. »Interessant, das ist das Mädchen, das sich nicht gerne bindet«, so Filmheld James Bond (gespielt von Pierce Brosnan) kurz nach seiner Rettung durch seine gefesselte Filmpartnerin Jinx (Halle Berry) in „Stirb an einem anderen Tag“. Sie hatte, fest gespannt auf einem Kuka-Roboter, durch einen beherzten Griff nach dem Steuerpanel Bonds Filmwidersacher ein vorzeitiges Ende bereitet. Hightech aus Bayern ist im 20. Bond maßgeblich für die Spannung zuständig. Fünf orange, schneidlaserbestückte Kuka Roboter drohen zunächst die Agentin, dann den smarten 007 zu zerschneiden, bis es letztendlich dank der einfachen Bedienbarkeit der Augsburger Roboter dann doch den Filmbösewicht erwischt.

„Schön aus unserer Sicht ist, dass im Film deutlich die Kuka Schriftzüge auf unserem orangen Roboter zu erkennen sind“, meint Katrin Stuber, die Pressereferentin in der Kommunikationsabteilung der Augsburger Roboterschmiede. Mag sein, dass dies dem einen oder anderen Zuseher entgangen ist. Für echte 007-Liebhaber jedenfalls, die im Besitz der DVD sind, lässt sich dies in Kapitel 25 nachvollziehen. »Guck ma Kuka«, wird es dann dem hart gesottenen Cineasten entfahren, wenn er sich den Film - endlich mit dem fürs Wesentliche ungetrübten Blick - nochmals ansieht. Sie können 007 nichts abgewinnen und würden lieber mehr über die Entstehung der Roboter erfahren? Dann sind Sie hier goldrichtig. bbr besuchte Kuka im Dezember 2005 und erfuhr alles, von der Geburt bis zum Krafttraining, und dass, entgegen erster Vermutungen, nicht Roboter Roboter bauen, sondern weiterhin der Mensch maßgeblich für dessen Entstehung verantwortlich zeichnet.

Des Roboters Geburtsstätte

Der trübe Dezembermorgen verrät nicht, was den Besucher hinter den Werkstoren in der Zugspitzstraße 140 in Augsburg erwartet. Die Kuka Roboter GmbH unterhält hier ihren Stammsitz mit Vertrieb, Konstruktion und Produktion. „Bis zu 15.000 Roboter können hier pro Jahr gefertigt werden“, erklärt Katrin Stuber und öffnet die Türe zur Werkshalle ? der Geburtsstätte eines jeden Kuka Roboters. Schon der erste Blick in die penibel aufgeräumte Halle zeigt, dass Menschen die entscheidende Rolle beim Bau der Hightech-Helfer spielen. Etwa 70 Mitarbeiter montieren pro Schicht Roboter aus den zahllosen Hightechkomponenten, die wohlgeordnet an den Montageplätzen stehen. Lediglich ein Roboter unterstützt seine menschlichen Kollegen bei der Arbeit. Er ist für die Montage der Roboterzentralhand zuständig.

„Jeder Kollege muss jeden seiner Arbeitsschritte auf einem Begleitzettel quittieren“, erläutert Katrin Stuber den Arbeitsablauf und die damit verbundene kontinuierliche Qualitätssicherung. „Da wir auch in Serie produzieren, rotieren die Kollegen regelmäßig durch verschiedene Arbeitsplätze. Dadurch kann jeder Einzelne am Ende alle anfallenden Montagearbeiten an einem Roboter ausführen.“ Schritt für Schritt, Gelenkarm für Gelenkarm entstehen im Augsburger Werk Roboter der unterschiedlichsten Größen, für die unterschiedlichsten Aufgaben. Ob Standard-, Konsol- oder Palettierroboter (letzterer fällt besonders durch sein elegantes, preisgekröntes Design auf), ob Kleinst- oder Schwerlastroboter, alles entsteht hier von Menschenhand, denn selbst in der Roboterfertigung können die „künstlichen“ Kollegen noch nicht an die extrem hohe Flexibilität von Menschen anknüpfen.

Vom Kraftraum ab unter die Haube

Auf Basis von fünf verschiedenen Grundmodellen wird hier jeder Roboter individuell an seine späteren Aufgaben angepasst. Bis zu 170 verschiedene Modelle können so gefertigt werden. Weitere Arbeitsschritte folgen, wie der Zusammenbau der einzelnen Gelenkarme und der Einbau der Stellmotoren, der Sensorik und Elektrik, die den Roboter dann zum mechatronischen „Wunderknaben“ reifen lassen. Jeder Roboter erhält seinen Schaltschrank und seine Kuka Software, seine Steuerung und seine vom Kunden gewünschte Farbe. Dennoch dominiert an der Lackieranlage - an der zahlreiche auf Schienenpaletten montierte Roboter auf ihre Lackierung warten - die Kuka Werksfarbe Orange RAL 2003. Mitarbeiter kleben an den noch Silber glänzenden, fertig montierten Robotern alle Bereiche ab, die nicht lackiert werden dürfen und fahren sie dann in die große Lackierkabine. Hier übernehmen ausgebildete Lackierer das Regime, wenn die eingeschleusten Roboter verschiedenster Art und Größe ihre Farbe erhalten.

Es gilt, was schon bei der Montage richtig ist: Der Mensch ist auch in unserer hoch technisierten Welt unersetzbar. In einem weiteren Schritt erfolgt die Dauertestphase. „Das ist unser Fitnessraum“, erklärt Katrin Stuber und zeigt die zahlreichen Zellen, in denen, durch Plexiglaswände gesichert, die unterschiedlichsten Robotertypen den obligatorischen Belastungstest antreten. Jeder einzelne Roboter muss in einer der 25 „Fitnesszellen“ sechs Stunden lang den Beweis antreten, dass er die geforderten Gewichte präzise und ausdauernd zu stemmen vermag. Nachdem sich die Roboter im Prüffeld erfolgreich ausgetobt haben, gelangen sie gemeinsam mit ihrem Schaltschrank in den, Kuka intern so genannten, „Ballsaal“, wo jedem einzelnen Roboter, getrennt durch eine rote Fahrstraße, sein individueller Schaltschrank gegenübersteht. Vor ihrer entgültigen Verheiratung beim Endkunden kommen sie unter die (Kunststoff-)Haube und treten ihren Weg in die Produktionen in aller Welt an, um dann Tag für Tag die oft monotone oder schwere und menschenunwürdige Arbeit zu verrichten. „Damit entlasten unsere Roboter viele Arbeiter, die dann oft höher qualifizierte Tätigkeiten wahrnehmen können“, erklärt Katrin Stuber am Ende des Rundgangs. Draußen warten bereits einige verpackte Roboter auf ihren Weg in die Produktionsbetriebe der Kuka Kunden. Wie im wirklichen Leben gelangen eben nur wenige zu Filmruhm - wie die fünf aus „Stirb an einem anderen Tag“.

FaktenDie Kuka Robot Group

Gründung _ 1996

Mitarbeiter weltweit _ 2.044 (Stand 2004)

Niederlassungen und Vertriebseinheiten weltweit _ 20

Umsatz ( in Mio. Euro) _ 425 (rund 60 Prozent Automobilbauer/-zulieferer, 40 Prozent General Industries)

Ranking _ Kuka behauptet eigenen Angaben zufolge in Deutschland Platz 1, in Europa Platz 3, und weltweit den 3. Platz (ändert sich von Jahr zu Jahr)

Know-HowRoboter

Roboter sind Maschinen, die autonom eine bestimmte Aufgabe erfüllen. Oft werden auch ferngesteuerte Fahrzeuge fälschlicherweise oder mangels eines geeigneteren Begriffs als „Roboter“ bezeichnet. Die Bezeichnung geht zurück auf das slawische Wort für Fronarbeit (robota). Das Wort robota wird heute in manchen moderneren slawischen Sprachen wie Polnisch eher im Sinne von Maloche verwendet. Den Ausdruck „Roboter“ in seiner heutigen Bedeutung prägte der tschechische Schriftsteller Karel Capek, der Satiren über den technischen Fortschritt schrieb, bereits 1920 in seinem Theaterstück R.U.R. (Rossum´s Universal Robots). In dem Drama waren Roboter in Tanks als Fronarbeiter beziehungsweise Sklaven gezüchtete Menschen (Androiden). Vor der Prägung dieses Begriffes wurden Roboter zum Beispiel in den Werken von Stanislaw Lem als Automaten oder Halbautomaten bezeichnet. Ein weiterer bekannter Vordenker in Sachen Robotik war Isaac Asimov. Durch dessen Science-Fiction-Erzählungen kam der Humanoide Roboter in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts zur Welt. Asimov begründete die Gestalt, die er seinen Robotern gegeben hatte, wie folgt: „Wenn eine Maschine alles machen kann, was der Mensch tun kann, hat sie am besten auch die Gestalt eines Menschen (...).“ Isaac Asimov schrieb auch die Robotergesetze, die bis heute immer noch Gültigkeit in allen Bereichen der Robotik (Ausnahme militärische Roboter) haben. (Quelle: www.wikipedia.org)

Erschienen in Ausgabe: 03/2006