Stippvisite in Düsseldorf

Fokus/Schweissen & Schneiden 2017

Industrie 4.0 ist auch auf der Schweissen & Schneiden ein zentrales Thema. Dazu ein Interview mit Björn Kemper, der das Thema auf der Messe mit ›Leben‹ füllen will: die Absaug- und Filtertechnik als Beispiel für Vernetzung.

29. August 2017
»Wir brauchen ein offenes Netzwerk, Protokolle und irgendwann ein Cockpit.« Bildquelle: Tschätsch
Bild 1: Stippvisite in Düsseldorf (»Wir brauchen ein offenes Netzwerk, Protokolle und irgendwann ein Cockpit.« Bildquelle: Tschätsch)

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde nicht nur über neue Geräte, Anlagen und Werkstoffe gesprochen, sondern im Fokus der Diskussionen und Gespräche steht zunehmend die intelligente Produktion. Im Mittelpunkt stehen effiziente, kostensparende und nachhaltige Verfahren. Das gilt nicht nur für das manuelle und automatisierte Schweißen, sondern auch für die sogenannte Peripherie. Hier werden ganz besonders die Stichworte Produktivität, Wertschöpfung und Industrie 4.0 immer häufiger in einem Atemzug genannt.

Ein weiter Bogen muss gar nicht erst geschlagen werden, um von reibungslos funktionierenden Rauchgasabsauganlagen auf den vielversprechenden Zukunftsentwurf Industrie 4.0 zu kommen. In diesem Zusammenhang bezeichnet Björn Kemper die Absaugtechnik und den Arbeitsschutz als unzertrennliches Paar, quasi als Basis seines Geschäftsfelds. Aktuelles Ziel ist es, lohnende Mehrwerte zu generieren. Energieeffizienz gehört genauso dazu wie eine besser organisierte Instandhaltung. So soll beispielsweise demnächst das gesamte System den Zustand der Filter in der Rauchabsauganlage erkennen und rechtzeitig den baldigen Austausch der Filter ohne großen Zeitaufwand in die Wege leiten. So kann relativ einfach ein temporärer Puffer generiert werden, die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen steigt so.

Ein weiterer Aspekt ist die Kompatibilität. Auch unterschiedliche Filteranlagen sollten miteinander vernetzt werden können. Nicht alle Rauchgasabsauganlagen müssen von einem Hersteller sein. Bedingung aber ist, dass sie kommunikationsfähig sind. Auf der Messe in Düsseldorf soll genau dieses Industrie-4.0-Element vorgeführt werden. Wenn auf anderen Messeständen, zum Beispiel von Kemppi, Microstep oder Kjellberg, gerade geschweißt oder geschnitten wird, sorgt die Vernetzung mit dem Kemper-Stand dafür, dass bei Bedarf entsprechende Aktionen zur Luftreinhaltung durchgeführt werden.

Das Ziel dieser Vernetzung ist, dass der Schweißer an seinem Arbeitsplatz immer saubere Luft einatmet. So bekommt jeder Messebesucher einen guten Eindruck davon, was möglich ist und wo die Vorteile sinnvoller Vernetzung liegen.

Herr Kemper, was macht Ihre Beschäftigung mit der Rauchgasabsaugung so spannend, dass Sie mit Industrie 4.0 weit über den eigenen Betrieb hinausblicken?

Nicht nur unsere Branche steht an der Schwelle zu neuen Techniken. Wir brauchen ein offenes Netzwerk, Protokolle und irgendwann ein Cockpit, das sämtliche Zustände unserer Maschinen anzeigt. Wann ist bei uns der nächste Service fällig? Bei welchem Gerät müssen die Filter gewechselt werden?

Warum halten Sie heute die Zeit dafür für reif?

Große Unternehmen in der Metallbearbeitung haben längst gehandelt und entsprechende Initiativen gegründet. Die kommen aber sehr geschlossen daher, und deshalb müssen die kleinen und mittleren Unternehmen reagieren, wenn wir die Vernetzung im Sinne von Industrie 4.0 hinbekommen wollen. Durch die Abstimmung von Services in der Vernetzung haben wir beispielsweise alle sehr viel zu gewinnen.

Könnten Sie bitte die angedachte Adaption von Industrie 4.0 etwas konkretisieren? Was läuft da eigentlich ab?

Allgemein ist zu sagen, dass wir zukünftig Informationen aus dem eigenen System nutzen werden, um sie in einem anderen System zu verarbeiten. Nicht alle Rauchgas-Absauganlagen müssen von einem Hersteller sein, aber sie sollten kommunikationsfähig sein. Unsere Kunden verlangen solche Offenheit immer nachhaltiger. Wir betreiben längst auch Services für Fremdanlagen, und da darf es keine Sperren mehr geben.

Aber viele Filteranlagen verschiedener Hersteller sind doch nicht austauschbar.

In der Kernfunktion doch. Das hängt von der Absaugleistung ab und zum anderen von der Schadstoffbelastung, vom verwendeten Verfahren, den Zusatzwerkstoffen und der Prozessleistung. Entschieden wird nach den vorliegenden Parametern – was wurde da und wie geschweißt? Dieses Wissen gibt unsere große unternehmenseigene Datenbank her.

Ist es letztlich eine Frage des Know-hows, der Daten, der entsprechenden Software?

Tatsächlich erledigen Computer die Datenanalyse. Der entscheidende Punkt ist doch, was ich mit den Daten anfange. Das ist die eigentliche Kunst, und dann erst wird es interessant. Sobald andere Anlagen automatisch ihr Verhalten anhand der Daten eines anderen Systems verändern, spreche ich von Industrie 4.0. Nicht zuletzt lässt sich so die Nutzungsdauer einzelner Industriegüter erhöhen.

Hans-Ulrich Tschätsch Fachjournalist aus Essen

Erschienen in Ausgabe: 05/2017