Stanztechnik für Landmaschinen

Das Familienunternehmen Schweikert bei Heilbronn erweitert seine Kompetenzen in der Stanztechnologie um eine Presse von Schuler.

15. April 2019
Stanztechnik für Landmaschinen
Bei anspruchsvollen Blechteilen wie diesem kann die Servo-Direkt-Technik von Schuler ihre Möglichkeiten voll ausspielen. (Bild: Schuler)

Die hohe Fertigungstiefe und das breite Produktportfolio: Das ist es, was Schweikert von anderen Blechbearbeitern unterscheidet. »Wir haben einen Werkzeugbau, ein Presswerk und eine Baugruppen-Montage«, zählt Timo Schweikert von der Geschäftsleitung auf. »Und alles greift ineinander.« Ihre Kompetenzen in der Stanztechnik hat die 190-Mitarbeiter-Firma mit Sitz in Lehrensteinsfeld bei Heilbronn nun mit einer 10.000 Kilonewton starken Servopresse von Schuler ausgebaut.

»Wir haben 2007 das erste Mal richtig in Stanztechnik investiert«, erzählt der Junior-Chef. »Das war eine 6.300-Kilonewton-Presse eines anderen Herstellers. Wir haben dann viel gelernt. Die Maschine ist mittlerweile jedoch ein wenig in die Jahre gekommen und wir befürchten, dass sie uns irgendwann ausfallen könnte. Deshalb waren wir für den nächsten Schritt bereit.«

Im März 2018 fiel die Wahl auf die neue Presse vom Typ MSD 1000, ein knappes Jahr später erfolgte die Übergabe. »Schuler ist ein deutscher Hersteller, der Presse und Automation aus einer Hand liefert und Service-Stützpunkte in der Nähe hat«, begründet Timo Schweikert die Entscheidung. »Wir haben zusätzlich einen Hotline-Vertrag mit Schuler abgeschlossen, damit sich der Service auf die Anlage schalten kann, um Probleme zu beseitigen und vor allem auch deren Lösung zu erklären.«

Über vier Generationen Erfahrung in der Blechbearbeitung

Schweikert ist ein Familienunternehmen: Schon in jungen Jahren half der heute 28-jährige Timo Schweikert in dem Betrieb aus, den sein Urgroßvater vor 70 Jahren gründete. In seiner knapp bemessenen Freizeit bewirtschaften er mir seiner Familie einen Weinberg mit einer Anbaufläche von 25 Ar. Die Weingärtnergenossenschaft erzeugt daraus jedes Jahr rund 2.500 Flaschen Riesling, der auch bei Feiern im Unternehmen ausgeschenkt wird. Dort arbeitet neben seinem Vater und seinem Bruder auch noch seine Mutter – und wie so oft in einer Familie hatte sie ein gewichtiges Wörtchen bei der jüngsten Investition in eine Schuler-Presse mitzureden: »Sie hat gesagt, es wird das Beste gekauft, die Maschine muss lange laufen«, lacht der Sohn.

Hauptsächlich ist Schweikert im Premium-Automobilsegment tätig, aber auch im Bereich Landmaschinen. »Wir liefern viele Teile für Traktoren«, erklärt Timo Schweikert. »Auch hier werden die Losgrößen immer kleiner, weil die Modellvielfalt immer größer wird. Deshalb ist es umso wichtiger, die Rüstzeiten zu reduzieren. Wir schaffen es mit der neuen Presse innerhalb weniger Minuten, auf ein anderes Produkt umzurüsten.«

Viel Zeit und Geld spart auch die Werkzeugsimulation ›Digisim‹ von Schuler, die zum Lieferumfang gehörte: »Damit können wir zum Beispiel eine Kollision mit dem Transfer bereits in der Konstruktionsphase erkennen«, sagt der gelernte Werkzeugbauer, der nach seiner Ausbildung berufsbegleitend seinen Meister machte und ein Duales Studium anschloss. »Digisim hilft uns auf jeden Fall weiter«, bestätigt Konstrukteur Matthias Maier. »Wenn das Werkzeug fertig gebaut ist, kann man nicht mehr viel daran ändern.«

Virtuelle Einrichtung mit Digisim

»Wenn wir ein neues Teil produzieren wollen, richten wir das Werkzeug in Digisim ein, optimieren den Prozess auf möglichst hohe Hubzahlen, übertragen die Daten an die Presse und brauchen dann im Prinzip nur noch auf den Start-Knopf zu drücken«, ergänzt Timo Schweikert. »Das bietet kein anderer Pressenhersteller. Und wenn wir Unterstützung brauchen, steht immer jemand von Schuler zur Verfügung.«

»Das ist eine Hightech-Presse, mit der wir mit dem Wettbewerb mithalten können«, betont Presswerksleiter Kai Wokasch. »Wir lernen täglich Neues, weil Schuler sehr schnell auf unsere Fragen antwortet.« Darüber hinaus buchte Schweikert Seminare bei der Forming Academy. »Viele unserer Beschäftigten kennen die Möglichkeiten der Servo-Direkt-Technik noch gar nicht«, berichtet Timo Schweikert. »Bei der ersten Schulung ist es ihnen relativ schnell gelungen, höhere Stückzahlen zu produzieren. Da unsere Werkzeugmacher eine hervorragende Ausbildung aus unserem Haus mitbringen, bin ich optimistisch, dass ihnen das auch im Alltag gelingen wird.«

Das Geschäft brummt bei Schweikert, das Presswerk platzt aus allen Nähten. Eine neue Fläche in Heilbronn ist bereits reserviert. Dank ihrer Monoblock-Bauweise wird sich die neue Servopresse von Schuler leicht an den neuen Standort für das Presswerk transportieren lassen. Die beiden älteren hydraulischen Pressenlinien werden nicht dorthin ziehen, Timo Schweikert möchte sie durch eine Großteil-Transferpresse mit Servo-Antrieb ersetzen. Gut möglich, dass Schuler auch diese Anlage liefern wird.

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